Volkskunde: Südosteuropa, mediterraner Raum


Volkskunde: Südosteuropa, mediterraner Raum

Man behandelt in dem Buch "Studien zur Volkskunde Südosteuropas und des mediterranen Raums" unter anderem das Rosalien-Totenfest, welches wohl als panbalkanischer Volksbrauch mit dem Blumen- und Totenfest antiker Zeiten nur mehr den Namen gemeinsam zu haben scheint. Kulthandlungen beziehen strenge Regelungen ein, was das Verhältnis zwischen den Lebenden und den Verstorbenen angeht. So gesehen würde der Tote noch leben oder zumindest wird geglaubt, dass seine Seele weiter "existiert", welche zudem körperliche "Bedürfnisse" hätte, die mit Lebensmittelgaben und menschlicher Gesellschaft beköstigt werden könnten. Das Grab-Mahl oder die Besuche der nicht verstorbenen Kultanhänger gehören hier zu selbstverständlich erklärten Gegebenheiten des Alltagslebens und des auferlegten Festkalenders. In einigen Fällen wurde der jeweilige "Totenschmaus" wohl auch direkt auf einer Grabplatte vollzogen. Solche Rituale an Grabstätten, wo nicht nur gegessen und getrunken wurde, riefen natürlich "frühchristliche Kult-Mahle" in Erinnerung, welche man am Grabe der Märtyrer vollzog, oder erweckten den Eindruck des römischen Rosenfests. Nachfolgend spricht man u.a. noch im entsprechenden Kapitel die Seelensamstage (psychosabbata), schädliche Feen (rosaliile, rusalki) oder auch rituelle Tänze im Trancezustand und besondere "Maskierungsformen" an. Diverse "Befunde" könnten mit dafür sprechen, dass die Kulthandlungen der "rosalia" oder "rosaria" im Ursprung eine Art religiös indifferentes römisches Frühlingsblumenfest, etwa im 1. Jh. unserer Zeitrechnung, gewesen sein könnten.

Die Forcierung sei mit durch Strukturen, wie Kult- und Gewerbevereine, kleiner Leute getragen worden, "die sich zu Kultvereinigungen mit Sterbekassen organisierten". Zusammen mit dem Totenfest u.a. der sogenannten Parentalien werden die rosalia-Kulthandlungen zum "heortologisch fixierten" und zum an Privatterminen abgehaltenen Friedhofsfest, mit Rosenstreuung über dem Grab. Das Rosenfest lagerte sich wohl in Thrakien und Mösien an den Dionysoskult an und wurde sehr populär. Die kultischen Grabgelage solcher Gruppierungen waren "bruchlos" in den frühchristlichen Märtyrerkult des bekannten Agape-Festes in den Katakomben erfolgt. Eine interessante "Agape" vollzogen z.B. auch "andere Figuren", wie laut Epiphanius, Panarion haer. XXVI 4.5 die "Phibioniten", welche sexuelle Riten unternahmen und bei ungewollter Schwangerschaft den Fötus nicht nur "aus dem Leib" herausrissen, sondern später noch mit einer Mörserkeule zermalmten und mit Gewürzen und Ölen "verfeinerten". Daneben hatten jene Kreise Menstrualblut der Frauen und Sperma des Mannes gen Himmel gerichtet, um damit den "Leib Christus" zu verkünden. Mit Blick zurück auf die "Elemente" des angemerkten Dionysoskults hatten diese einst wohl auch von den Phrygern die sog. Pontier übernommen, welche sich am Schwarzen Meer aufhielten. In nördlichen und östlichen Gebieten Thrakiens konnte man kultische Handlungen unbehelligt auf einsamen Höhen vollziehen. Die sog. Anastenaria-Strömung führte nicht nur "Gänge durch das Feuer" mit den Füßen durch, sondern, wie es schon bei den alten Mysterien Sitte war, man vollzog geheime "Feste" zu nächtlicher Stunde. Opfertiere, Widder oder Stier, seien anderen Autoren zufolge auch durch eine gemeinsame Kasse der Anastenaria-Anhänger gekauft worden.

In dem hier behandelten Buch heißt es im entsprechenden Kapitel: "Im Namen der Rose - Zum Nachleben des Rosalienfestes auf der Balkanhalbinsel" später, dass die "Vertreibung des Festes", von den heiligen Stätten von Kirche und Grab, auf die "Felder und Plätze" unternommen wurde, wo die "ursprünglich dem Märtyrergedenken geweihte Mahlfeier" mit anderen "Lustbarkeiten", Fest- und Umzugsmanifestationen befleckt wurden. Aus dem anfänglichen Märtyrergedenken wurde demnach "sukzessive eine allgemeine Totenfeier" konstruiert - was im Hinblick auf später einschlagende "satanische Rituale" und "Schwarze Messen" interessant erscheinen dürfte (mehr). Aus den jeweiligen Quellen spät-byzantinischer und alt-slawischer Zeiten, über "ekklesiastische Verordnungen", können zur "rusalia" sowohl burschenbündische Umzugsbräuche als auch die sog. "Allerseelenzeit" der Pfingstwoche noch mit angemerkt werden. Aus der Nestor-Chronik Kiews des Jahres 1068 heißt es da in einer Bemerkung: "... leben wir nicht heidnisch; Aber der Teufel verführt mit diesen und anderen Mitteln, mit allerlei Verlockungen uns von Gott abwendend, mit Trompeten und Narren und Harfen und Rusalien". In der Gegend des Schwarzen Meeres kam es natürlich durch entsprechende Einflüsse auch zur Ausbreitung solcher Kulte im alten Makedonien. In einer der zahlreichen Quellen im Buch behandelt man "die Weiber": "In Südmakedonien kommt es auch zu ausschweifenden nächtlichen Tanzgelagen der Frauen unter Ausschluss der Männer".

In "Studien zur Volkskunde Südosteuropas und des mediterranen Raums" gibt es neben den oben kurz zusammenfassend dargestellten Informationen natürlich noch zahlreiche weitere, die in der Konsumierung, möglichst auch weiterer passender Werke, ein größeres Ganzes bilden könnten. Eingangs geht man allgemein auf "vergleichende Volkskunde" ein und im ersten Teil des Buches, über komparative Studien, behandelt man das angeführte "Rosalienfest" auf der Balkanhalbinsel, wesentlich umfangreicher, geht später auf die sog. "Rogatsien-Gesellschaften" ein und behandelt außerdem die "theriomorphe Maskierung" und den adoleszenten Umzugsbrauch in den Kontinentalzonen des Balkanraums. Im vierten Kapitel zum "Frauenbrauch" nimmt man die alterssoziologischen Betrachtungen zu den exklusiv femininen Riten Südosteuropas genauer unter die Lupe und schwenkt später, im fünften Kapitel, auf die Themen: "Altthrakische Karnevalsspiele und ihre wissenschaftliche Verwertung" und auf "Dionysos im Länderdreieck Bulgarien, Griechenland, Türkei" um. Auf die oben angemerkten "Anastenaria" bzw. Anastenaria/nestinari geht man im sechsten Kapitel ein. Dazu behandelt man den: Ekstatischen Feuerlauf im Hinterland des Schwarzen Meeres sowie der nördlichen Ägäis, und schließt mit weiteren Anmerkungen zur Geschichte und Rezeption des Ikonenritus ab. Weiter geht es dann mit den: "ostmediterranen Turnierspielen" von Venedig bis Zypern, deren geschichtliche Entwicklung und die machtpolitische Funktion, sowie den: performativen Riten, hier behandelt man insbesondere das: "Volksschauspiel und das Volkstheater" im Südosten Europas.

Im neunten Kapitel des Ersten Teils der: "Studien zur Volkskunde Südosteuropas und des mediterranen Raums" blickt man auf die "Religiöse Ikonographie und balkanische Volkskultur", wozu auch Gesten, Posen, Requisiten angesprochen werden. Nachfolgend behandelt man den "Griechen" in den südslawischen Volkserzählungen, aber auch die Entwicklung von Ethnostereotypen. Nicht uninteressanter erscheint im elften Kapitel der besondere Maskenraum von Kleinasien. Weiterhin geht es im Verlauf des Buchs um die: Etymologischen Fragen südosteuropäischer Brauchmorphologie, um kirchliche Segnungen der Wahlbruderschaft zwischen theologischem Verdikt und gelebter Pastoralpraxis oder um Rezeptionswege von Schriften der Belletristik in Südosteuropa im 18. und 19. Jahrhundert. Im zweiten Teil geht es speziell um die "Studien zu Griechenland" und behandelt dazu unter anderem: den Apokryphen Judas - den christlichen Ödipus, das "Alte" und das "Neue Testament", den mediterranen Kulturtransfer zwischen "Schriftlichkeit und Oralität", die Tragik und Komik in der griechischen Volkskultur, das Thema der: Dramaturgie und Inszenierung des Gefühlslebens, den: Groteskkörper und die somatische Verunstaltung in der Volksphantasie, daran mit anhängend die Dämonologie der griechischen Volkskultur und schließt später ab mit den: apologetischen Memoiren des griechischen Revolutionsgenerals Makrygiannis und den ideologischen Dominanten in der Beschäftigung mit der griechischen Volkskultur im 19. Jahrhundert.

Das Buch über die "Studien zur Volkskunde Südosteuropas und des mediterranen Raums", enthält: 24 Studien, des Autors Walter Puchner aus dem Böhlau Verlag, in der ersten Auflage mit über 752 Seiten, können Sie bei Interesse unter der ISBN (978-3205783695) oder direkt über das Internet unter der folgenden Quelle beziehen:

Hier: Studien zur Volkskunde Südosteuropas...

 

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