Nahrung: EU angeblich für noch mehr BIO-Hokuspokus


(C) michi schmitt; 2007, Bild: flickr (CC BY-NC-SA 2.0)

Laut dem EU-Kommissar Dacian Ciolos, der für den Bereich Landwirtschaft und ländliche Entwicklung in der Europäischen Union zuständig ist und sich für eine "Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik" einsetzt, um insgesamt auch die sogenannte ökologische Landwirtschaft zu fördern, sollten Bauern in der EU mehr Mut zeigen, um von konventioneller Landwirtschaft auf "Bio" umzustellen. Dem Tagesspiegel gab der EU-Kommissar zu verstehen, durch die Umstellung solle die "Öko-Landwirtschaft" weiter stimuliert werden.

Mit der Agrarreform lege man künftig noch mehr Wert darauf, dass "Bio wirklich bio ist". Solche Bio-Lebensmittel hätten einen regelrechten Boom erfahren, nämlich speziell (angeblich) deshalb, da sich ja Verbraucher auf das (irrelevante) Öko-Logo verlassen konnten. Die EU-Standards sollen laut Kommissar eher noch verschärft werden, man habe aktuell viel zu viele Ausnahmen, insgesamt wolle man "transparenter und klarer werden". Auf Deutsch: Durch mehr Vorgaben wird der Öko-Hokuspokus entsprechend abgewürgt, da dies mit Kosten verbunden ist.

Wie es jüngst im ARD-Mittagsmagazin hieß, werden „Bio“-Produkte immer "günstiger", was Folgen für die Biobauern habe. Unter anderem stimme das Verhältnis zwischen Arbeit und Ertrag nicht mehr. Viele seien deshalb dazu gezwungen, wieder auf konventionelle Landwirtschaft umzusatteln. Vor einigen Jahren war es noch so gewesen, dass der befeuerte hippe Trend "BIO" dazu geführt hatte, dass Biobauern für ihre Produkte preislich das Doppelte vom Konventionellen bekamen. Heute sind es durchschnittlich nur noch gut ein Drittel, obwohl die jeweiligen Bio-Bauern mehr Aufwand haben als damals - wegen neuer gesetzlicher Vorgaben. Die "Bio"-Konkurrenz kommt mittlerweile aus der ganzen Welt, wobei sich viele der heimischen „Bio“-Strukturen die Frage stellen, ob die eingeflogenen ausländischen Produkte noch wirklich als "Bio" bezeichnet werden können.

Die damalige rot-grüne Bundesregierung in Deutschland gab das utopische Planwirtschaftsziel aus, man wolle ein Fünftel der deutschen Agrarfläche von Biobauern bewirtschaften lassen. Der Anteil des Ökoanbaus an der landwirtschaftlichen Nutzfläche erreichte in 2012 knapp 6,3 Prozent. Das rot-grüne Ziel (ein Fünftel der Agrarfläche) könnte, rein theoretisch, bei gleichem Minimalwachstum laut Experten erst gegen 2078 erreicht werden. Ursprünglich wollte man nach DDR-like Vorgaben das künstlich herbeigeträumte Öko-Ziel in Deutschland durch Rot-Grün gar bis 2010 erreicht haben.

Nach dem Farbenwechsel auf Schwarz-Gelb bekräftigte man das Ziel und strich einfach die Jahreszahl zusammen. Die Theorie lautet, durch "realen" Bio-Anbau sollen Millionen Mäuler preisgünstig gestopft werden. Die Realität lautet: Dies funktioniert nur online bei Farmville oder an jeweils passend nachjustierten "Computermodellen". Aus der Vergangenheit her ist bekannt, dass diverse Geister, um das "Ziel" zu erreichen, gerne auch mal radikaler wurden, um es zu erreichen - egal welche Kosten auf dem Zwischenweg dorthin einschlugen. Nähere Informationen zu diesem spezifischen Problem erhalten Sie in der Publikation: "Die Vereinigten Staaten von Europa", im Kapitel mit der Überschrift: "Politik als Wettbewerb der Psychopathen".

Seitens der EU schlug man folglich vor, Gesetze für Biolebensmittel sollen komplett überarbeitet werden. Speziell um "das Verbrauchervertrauen in Bioprodukte zu erhalten und zu verbessern". Künftig sollen die Bio-Hersteller etwa garantieren, dass in deren Erzeugnissen "höchstens so viele" Pestizide wie in Babynahrung enthalten sein dürften. Sogenannte Bio-Betriebe sollen nicht mehr erlaubt sein, in denen auch herkömmliche Produkte produziert werden. Nach EU-Vorgaben sei unter anderem vorgesehen, dass Händler, Verarbeiter und andere Nicht-Erzeuger ein sogenanntes "Umweltmanagementsystem" einrichten müssten.

Der neue deutsche Bundeslandwirtschaftsminister Hans-Peter Friedrich (CSU), der zuvor bizarrerweise noch Innenminister war und Terroristen jagte, meinte kürzlich noch laut Handelsblatt, er erwarte künftig insgesamt "höhere Lebensmittelpreise". Auf der sogenannten Grünen Woche meinte er: Billiger dürfte es kaum werden. In Handelsblatt wurde er zitiert: "Es ist zu erwarten, dass die weltweit steigende Nachfrage, insbesondere aus den aufstrebenden Regionen Asiens, sich auf die Lebensmittelpreise auswirkt".

  
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