Zwangsarbeit im Großraumgulag DDR: Aldi/VW mit an Bord


(C) Ning feng Zhang, 2008, Bild: flickr (CC BY-SA 2.0)

Einflussreiche Horrorbonzen bezeichneten in der Vergangenheit hochgezogene staatliche Grusel-Konstrukte als Projekte oder Experimente. Beobachter nehmen an, dass aus entsprechenden Gesellschaftsexperimenten die jeweils für am besten befundenen Wirkmechanismen zur Implementierung / Ausgestaltung in andere Systeme verpflanzt wurden. Diverse Kontrollfreaks bezeichneten, gesehen von oben wie mit Gottes Augen, ganze Länder als eine Art Ameisenhaufen oder Großraumlabor. Unter verschiedenen politischen Vorgaben und forcierten Druckzuständen organisierten sich Gesellschaften und ablaufende Prozesse innerhalb dieser jeweils anders und Individuen bildeten im Rahmen des Ganzen neue Verhaltensweisen aus.

In einem für die New York Times geschriebenen Artikel unter dem Titel "From a China Traveler" bezeichnete David Rockefeller in 1973 die chinesisch-kommunistische Einkind-Politik und Zwangsabtreibungen als erfolgreiches Unterfangen. Er schrieb: "Das gesellschaftliche Experiment in China unter der Führung des Vorsitzenden Mao ist eines der wichtigsten und erfolgreichsten in der Geschichte". Historiker kamen unterdessen auf über 45 Millionen Tote unter Mao in nur vier Jahren ("Maos Great Leap Forward killed 45 million in four years").

Die Rockefeller Stiftung betrieb laut Recherchen ausgelagert auch Forschungen in Belangen Eugenik in Deutschland über die Kaiser Wilhelm-Institute in Berlin und München und finanzierte jene Unterfangen. Hitlers Sterilisationsprogramm unter Nazi-Deutschland lobte man. US-Milliardär Bill Gates meinte vor wenigen Jahren noch im Rahmen einer TED-Konferenz, man wolle Impfstoffe dazu nutzen, um die Weltbevölkerung und CO2-Emissionen zu reduzieren. Milliardär Ted Turner befürwortete im Vorfeld noch eine weltweite Bevölkerungsreduktion um 95 Prozent, was demnach auch umgesetzt werden könnte durch eine Ein-Kind-Politik im kommunistischen Stil.

Im Rahmen eugenischer Gesellschaftsexperimente ziele man laut Theorie u.a. darauf ab, "den Anteil positiv bewerteter Erbanlagen zu vergrößern" - Ergo: Die negativ klassifizierten müssten verringert werden. Radikale Eugeniker wie Sir Julian Sorell Huxley verlangten, der Staat müsse "Selektionsmechanismen" übernehmen, getarnt als Sozialförderung oder andere wohlwollend klingende Maßnahmen. Doch nicht nur selbsternannte Götter bewiesen sich gerne als Gesellschaftsformer, noch in 1933 hatten rückblickend sogar sozialdemokratische "Lebensreformer" vor einer "Überwucherung der minderwertigen Elemente" gewarnt, wobei die Sozialhygienikerin der SPD Oda Olberg unter anderem von "biologischem Abfall" sprach, der beseitigt gehöre.

Zwangsarbeit in der DDR

In wirtschaftlichen Belangen wurden künstlich angelegte Sklavenländer traditionell von zumeist als stinkreich zu bezeichnenden Unternehmen und Konzernen mit benutzt, um dortige Individuen in der Masse dank der forcierten Planwirtschaft auszupressen und auf einem „gewissen Level“ zu halten, welche selbst aber in eher freiläufiger Umgebung mit mehr Freiheiten agierten und ihre Schäfchen ins Trockene brachten. Bis heute größtenteils unter den Teppich gekehrt wird bspw. auch das IG-Farben-Kartell unter Nazi-Deutschland, deren innerster Zirkel sich noch passenderweise: "Der Rat der Götter" nannte. Wirtschaftlich gesehen in Teilen ähnlich lief es offenbar auch in der ehemaligen DDR (sogenannte "Deutsche Demokratische Republik"; eine Realsozialistische Parteidiktatur) ab, wie es aktuell laut dem ARD-Magazin "Report Mainz" heißt.

Schon vor einigen Monaten herausgekommen war, dass IKEA in der DDR durch Zwangsarbeit profitiert haben soll und nun gesellen sich unter anderem auch noch Aldi und Volkswagen hinzu. Speziell in der Ära unter dem eingesetzten Gangster-Genossen Honecker in den 1970er und 1980er Jahren seien dem Bericht zufolge Waren oder Warenbestandteile in DDR-Betrieben produziert worden, die auch Häftlinge beschäftigten - also bspw. solche, die ein wenig zu offen über die Sozi-Diktatur sprachen und durch Haft-/ Arbeitsmaßnahmen darüber nachdenken sollten, ihre Gedanken möglichst in späterer Freiheit auf SED-Kurs zu trimmen. Ganz nach der Parole: „Arbeit macht frei“.

Laut Report Mainz bezieht man sich auf eine noch unveröffentlichte Studie der Stasi-Unterlagen-Behörde. Recht überrascht vom neusten Forschungsergebnis gewesen sei Roland Jahn, der als Bundesbeauftragter für Stasi-Unterlagen eingesetzt ist. Man habe feststellen können, dass wohl viel mehr Unternehmen in damaligen DDR-Unterfangen involviert waren, als bislang bekannt wurde. Das forcierte Forschungsprojekt mache deutlich, dass IKEA nur die Spitze des Eisbergs war. Der heutige multinationale Einrichtungskonzern musste bereits Medienberichten zufolge zugeben, damals unter dem SED-Regime in der ehem. DDR politische Häftlinge und Strafgefangene dazu benutzt zu haben, unter Zwang Möbel herzustellen.

Ein Historiker führte unter dem Titel "Knastware für den Klassenfeind" eine Untersuchung durch, die nach Angaben von Report Mainz zu dem Ergebnis kam, dass zahlreiche Unternehmen aus der Möbelindustrie, Versandhäuser und Warenhäuser, aber auch Unternehmen aus der Auto- und Stahlindustrie in der DDR aktiv waren, um dort produzieren zu lassen. Nach vorerst letzten Schätzungen seien mindestens 200 Millionen Mark mit Waren umgesetzt worden, die aus Knast-/ Häftlingsarbeit stammten. Weibliche Zwangsarbeiterinnen hätten über die VEB Esda Thalheim Strumpfhosen gefertigt, die später Aldi bezog.

Der deutsche Automobilgroßkonzern Volkswagen nutzte offenbar, laut deren Angaben ohne eigenes Wissen, ausgelagert vom SED-Regime eingespannte Individuen aus dem DDR-Volk im Zuge sogenannter Kompensationsgeschäfte unter anderem dafür, um Scheinwerfer und Abdeckklappen vom DDR-Betrieb VEB Kombinat Fahrzeugelektrik Ruhla zu beziehen. Recherchen hätten ergeben, dass hier ebenfalls Gefangene zur Arbeit gezwungen wurden. Wie Volkswagen habe auch Aldi nach eigenen Angaben laut Report Mainz den Einsatz von Häftlingen weder gebilligt noch hätte man es gewusst.

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Stasi handelte sogar mit dem Blut von Häftlingen

Andere DDR-Irritationen

Im vergangenen Jahr hieß es laut Medienberichten: Westliche Pharmaunternehmen testeten fleißig in der DDR. Hunderte Studien seien angefertigt worden, eingebunden waren damaligem Stand zufolge über 50.000 Patienten (mehr). Unterdessen meinte der deutsche CDU-Politiker Wolfgang Böhmer zu Pharma-Tests in der DDR: "Leute sterben jeden Tag" (mehr). Im Oktober 2013 hieß es, West-Pharmafirmen testeten auch in Jena (Thüringen). Unter anderem war eine Studie mit dem Antidepressivum “Levoprotilin” (LPT) vollzogen worden (mehr).

Noch gruseligere Unterfangen gab es auch in Belangen medizinischer Versuche und Zwangsarbeit unter Hitler-Deutschland dank dem Kartell IG-Farben, wobei Handelsblatt titelte: "Der Konzern, der Hitler den Weltkrieg ermöglichte" (mehr). Zur etwa gleichen Zeit der Berichte um Pharmaunternehmen in der DDR ging im vergangenen Jahr aus einer "Kleinen Anfrage" hervor, dass "offiziell" rund 189.000 IMs (Inoffizielle Mitarbeiter) für die Stasi aktiv waren - in Westdeutschland waren bis zu 3500 IMs aktiv (mehr). In politischen Belangen merkte kürzlich noch eine CDU-Politikerin mit Blick auf den Bundestag an, dass dieser immer mehr an die DDR-Volkskammer erinnere (mehr).

Die Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sah nach der Bundestagswahl im September 2013 aber die Wiedervereinigung auch in den Köpfen der Bürger als "vollendet" an (mehr). Über Merkels eigene DDR-Zeit liegt dabei bis heute noch vieles im Dunkeln, auch wenn der Merkel-Biograf Gerd Langguth meinte, dass sie damals in ihrer FDJ-Gruppe an der Akademie der Wissenschaften der DDR für "Agitation und Propaganda" zuständig gewesen sein soll, gaben andere zu verstehen, Merkel war die West-Agentin von Anfang an (mehr). Doch nicht nur die SED-Clique selbst scheint in der ehem. DDR gelebt zu haben wie in spätrömisch dekadenten Zeiten, währenddessen die meisten Individuen des Fußvolks Kohlen schippten. Auch die Sowjets tobten sich umfänglich im belagerten Gebiet aus. Als Überbleibsel gab es bspw. "Radioaktive Abfälle in Halden und Absetzbecken" (mehr).

Auswirkungen scheinen die DDR-Irritationen auch auf die EU-Konstruktion selbst gehabt zu haben, denn im vergangenen Jahr berichtete "BILD", dass der Luxemburger Anwalt Carlos Zeyen in seiner Position als Vize-Präsident der EU-Justizbehörde Eurojust eigentlich grenzübergreifende Ermittlungen gegen organisierte Kriminalität und Terrorismus koordinieren sollte. Rückblickend sollen aber auch SED-Millionen verschoben worden sein (mehr). In Russland selbst scheint man von alten Sowjet-Fantasien noch nicht ablassen zu können, auch wenn Putins Oligarchen-Diktatur offiziell ein wenig auf Potemkin-Kapitalismus macht. Im vergangenen Jahr führte EX-KGB-Zögling Putin, von einigen bezeichnet als russischer "Bush"-Klon, Medienberichten zufolge wieder die Auszeichnung "Held der Arbeit" ein (mehr).

  
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