Griechenland: Neuer Rekord bei Arbeitslosigkeit


(C) Stefan Kraft, 2003, Bild: flickr (CC BY-NC-SA 2.0)

Der griechischen Statistikbehörde ELSTAT zufolge war die saisonbereinigte Arbeitslosenquote im September laufenden Jahres auf ein neues Rekordhoch geklettert und erreichte nach den aktuellen Zahlen 27,4 Prozent. Im September des Vorjahres (2012) lag die Arbeitslosenquote noch bei 26 Prozent - im Vormonat August 2013 waren es 27,3 Prozent (Anstieg zum September 0,1 Prozent).

Anfang des Jahres noch hatte man in Griechenland durch die Regierung verkündet, die Arbeitslosigkeit werde im Verlauf des Jahres stetig nach unten gehen - die Realität zeigte, sie war stetig weiter nach oben gegangen. Der Anstieg im Vergleich zum Vorjahresmonat September 2012 betrug 77.161 Personen. Die Gesamtzahl der Beschäftigten in Griechenland lag im September laufenden Jahres bei rund 3,6 Millionen Personen.

Die Anzahl der sogenannten wirtschaftlich nicht aktiven Personen, also jenen, die weder arbeiten noch Arbeit suchten, ging den offiziellen Angaben nach um 25.175 Personen im Vergleich zu September 2012 (-0,8 Prozent) und um 5.296 Personen im Vergleich zu August 2013 (-0,2 Prozent) zurück. Durch die Statistikbehörde ELSTAT gab man zu verstehen, dass bei der angepassten "saisonal korrigierten" Arbeitslosenquote in den vergangenen vier Monaten eine "relative Stabilität" beobachtet werden konnte.

Die Jugendarbeitslosigkeit in Griechenland bewegt sich weiterhin auf einem hohen Level. Auch die unter 24-Jährigen sind betroffen. Zuletzt lag die Arbeitslosenquote der jungen Erwachsenen offiziell bei 51,9 Prozent - viele hatten in der Vergangenheit ihr Land verlassen müssen, um im Ausland ihr Glück zu versuchen. Durch die Regierung Griechenlands hatte man nun eine "Trendwende" am Arbeitsmarkt für das kommende Jahr angekündigt. Die Arbeitslosenquote ist derzeit aber nach wie vor am höchsten unter den 18 Ländern der Währungsunion.

Unterdessen berichtete die Organisation Ärzte der Welt kürzlich, dass in Griechenland 27,2 Prozent der Bevölkerung nicht mehr dazu in der Lage wäre, die Beiträge zur Sozialversicherung zu entrichten. Speziell auch für Kinder oder Schwangere hat das Herausfallen aus der Sozialversicherung teils gravierende Konsequenzen. So war bspw. der Anteil der Totgeburten zwischen 2008 und 2011 um ein Fünftel gestiegen und lag zuletzt auf einem neuen Rekordhoch.

Die negative Lage in Griechenland deutlich machten auch Fälle von sogenannten Bewerbungstsunamis. So bewarben sich etwa bei einem Telekommunikations-Konzern (OTE) auf 390 offene Stellen fast 20.000 Personen. Einem Bericht von "Handelsblatt" zufolge ging es hier in den meisten Fällen um Verkäufer und Techniker, die mit dem gesetzlichen Mindestlohn von 586,08 Euro brutto pro Monat bezahlt werden sollten.

In Griechenland waren dabei die Preise im Verlauf der vergangenen Monate kräftig gefallen. Für November wies das Krisenland sogar einen Rekord aus. Waren und Dienstleistungen hatten sich im November im Vergleich zum Vorjahr um durchschnittlich 2,9 Prozent verbilligt. Laut dem griechischen Statistikamt habe es eine stärkere Deflation seit Beginn der Datenerhebung 1960 noch nicht gegeben. Die sinkenden Verbraucherpreise, über einen längeren Zeitraum, gelten dabei als Hemmnis für die konjunkturelle Entwicklung.

In der vergangenen Woche berichteten deutsche Medien, dass die sogenannte TROIKA aus EU-Kommission, Europäischer Zentralbank und dem Internationalen Währungsfonds erst einmal Zahlungen in Höhe von einer Milliarde Euro an Griechenland eingefroren hätte. Die griechische Regierung sei dazu angehalten, die Vorgaben weiterhin umzusetzen, die Haushaltssanierung zu forcieren und die Privatisierungen voranzutreiben. Ein EU-Diplomat wurde in Medien zitiert, wonach die Entscheidung zur „Mittelenteisung“ "nach dem Ski-Urlaub" Anfang des nächsten Jahres fallen könnte.

Mehr: Troika friert Mittel für Griechenland ein

  
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