Mikroplastik auch in Lebensmitteln


(C) NOAA, 2008, Bild: flickr (nicht portiert) (CC BY 2.0)

Nach Recherchen des öffentlich-rechtlichen NDR-Magazins "MARKT" wurden mikroskopisch kleine Mikroplastik-Kugeln in Lebensmitteln (Trinkwasser/Honig) nachgewiesen. Oft vorzufinden sind die winzigen Kügelchen auch in Zahnpaste oder Hautcremes für Peeling-Zwecke - hier speziell um Zähne weißer erscheinen zu lassen oder einen tiefergehenden reinigenden Effekt der Haut zu erzielen.

Durch derartige kosmetische Produkte bspw. gelangen dann die meist aus Polyethylen hergestellten Mikroplastik-Teilchen auch in die Umwelt, wie häufig über das Abwasser und können nachfolgend durch Tiere aufgenommen werden und sich im Gewebe dieser einlagern; und ggf. Entzündungen auslösen. In der Regel sind Kläranlagen nicht dazu in der Lage, diese winzigen Partikel herausfiltern.

Zudem können die Kügelchen später auch über Lebewesen wie Fische (Meer/Flüsse) aufgenommen werden, durch das Plankton bspw. - welches Nahrung für Fische bildet und die Fische in der Verkettung später wieder durch den Menschen konsumiert werden. Untersuchungen hätten bisher ergeben, dass Ozeane und auch Seen von Plastikfragmenten "durchzogen" sind. Der deutsche Forscher Gerd Liebezeit vom Institut für Chemie und Biologie des Meeres der Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg wird außerdem zitiert: "Wir können davon ausgehen, dass das Mikroplastik überall in der Atmosphäre zu finden ist".

Selbst "über die Luft" soll das Plastik mittlerweile in die Lebensmittel bzw. Umwelt gelangen. In 19 untersuchten Honigen konnte man Fasern und Plastikfragmente finden, in vier der Proben befanden sich außerdem Plastikkügelchen. In weiteren Untersuchungen zeigte sich, dass man auch im Regenwasser fündig wurde. Liebezeit fordert: "Die Verwendung von Plastikteilchen in Kosmetik- und Reinigungsprodukten sollte verboten werden".

Wie angemerkt sind mittlerweile in zahlreichen Kosmetik- und Körperpflegeprodukten, wie Duschpeelings, Zahncremes oder auch Kontaktlinsenreinigern, Kunststoffkügelchen in Form von Mikroplastik (Nanotechnologie) beigemischt, um damit eine bessere Reinigungswirkung zu erzielen. Speziell Polyethylene (PE) oder Polypropylene (PP) gehören inzwischen "zum Standard". Weiterhin könnten noch andere Zusätze (wie die sog. Additive) beigemischt sein, welche wiederrum dem "Mikroplastik" bestimmte Eigenschaften geben sollen.

Durch Auswaschungen können auch kleinsten Kunstfasern aus Fleece-Kleidungsstücken in die Umwelt gelangen, da Fleece ein Veloursstoff ist, der i.d.R. aus Polyester oder Polyacryl besteht. Pro Waschgang können hier bis zu 2.000 Kunstfasern in die Umwelt gelangen, weil diese von Kläranlagen nicht zurückgehalten werden. Das sog. Mikroplastik wurde rückblickend laut älteren Berichterstattungen zur Thematik bereits in den Mägen und im Kot verschiedener Meerestiere eindeutig nachgewiesen.

Anhang:

Als "Mikroplastik" bezeichnet man winzige Kunststoffpartikel von einer Größe im Mikrometerbereich. Zudem kann ins Meer gelangtes Plastik durch Wind und Wellen, Salzwasser oder auch die Sonneneinwirkung "zersetzt" werden, in kleinere Mikroteilchen. Entsprechende Stoffe (wie etwa Weichmacher), die durch Lebewesen im Meer aufgenommen werden, können dabei auch hormonell wirken - es wurden bereits verstärkt Unfruchtbarkeit oder Zwitterbildungen beobachtet. In der Schweiz hatte man bspw. am Genfer See Mikroplastik in größeren Mengen gefunden - auch der Bodensee wurde/wird untersucht. Mikroplastik kann auch in der Medizin als Vektor für Wirkstoffe von Arzneien zur Anwendung kommen.

  
Bücherindex Bild Link