Überwachung: Smartphones könnten bald durch Wände sehen


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Ihre Intimgeschäfte auf dem Klo oder andere Indoor-Sessions in den eigenen vier Wänden könnten bald wahlweise als Bild oder Video im Internet umhergeistern. Forscher des US-amerikanischen Massachusetts Institute of Technology (MIT) von Cambridge haben einen Chip in der Entwicklung, der künftig in Smartphones eingebaut und so für den Masseneinsatz benutzt werden kann.

Benötigt wird lediglich ein WLAN-Empfänger. Nach derzeitigem offiziell kommunizierten Forschungsstand wird es aber noch einige Jahre dauern, um dann auch Menschen oder andere Objekte mit diesem Verfahren recht gut durch Wände erkennen zu können. In bereits durchgeführten Tests konnte die Forschergruppe um Dina Katabi in einem Test-Raum schon Bewegungen auch von mehreren Menschen gleichzeitig erfassen, was mit Hilfe eines modifizierten sog. "Wireless Vision" funktionieren soll.

Die Entwicklung der MIT-Forschergruppe steckt noch in der Anfangsphase - Kommentatoren gaben zu dieser Technik aber zu verstehen, dass es nur noch eine Frage der Zeit sein wird, bis man qualitativ recht gute Aufnahmen direkt durch Wände hindurch zustande bringen wird. Derzeit steht solche professionelle Technik meist nur dem nicht-zivilen Markt wie militärischen Strukturen oder Geheimdiensten zur Verfügung - auch Spezialkommandos haben schon ähnliche aber eher simple Geräte im Einsatz, um bspw. bei einer Geiselnahme durch die Wand blicken zu können und Personenaktivitäten hinter dieser festzustellen.

Sollte eine derartige Technik später als Spitzelmöglichkeit wirklich für den Masseneinsatz zur Verfügung stehen, mit deutlich verbesserter Qualität - wovon auszugehen ist, scheint die Vision in Orwells 1984 wohl noch eher harmlos zu wirken. Der MIT-Doktorand Fadel Adib gab zumindest schon mal zu den aktuellen Forschungen zu verstehen, Vertreter von Microsoft, Intel oder auch Cisco waren von der Technik sehr "begeistert".

Geforscht wird in diesem Bereich schon seit langem. Vor einigen Jahren gab es Medienberichte, wonach das US-Unternehmen Physical Optics Corporation ein "LEXID" entwickelte - was voll ausgeschrieben "Lobster Eye X-ray Imaging Device" bedeutet. Damals war das Gerät bereits recht kompakt gestaltet, in Größe einer Videokamera. Mit dem Teil konnte man durch Zement, Stahl oder auch Holz schauen. Heute, einige Jahre später, dürfte das "LEXID" deutlich weiter in seinen Fähigkeiten sein, auch was die Bildqualität betrifft. Unterstützt wurden die Forschungsarbeiten an dieser Technologie durch die berüchtigte US-Behörde FEMA (Federal Emergency Management Agency).

"Röntgen"-Handys hatte vor geraumer Zeit auch schon eine Gruppe der University of Texas in Dallas auf dem Forschungsplan stehen. Von deren Seite her entwickelte man einen vergleichsweise preisgünstigen Chip, welcher eine Terahertz-Frequenz vom elektromagnetischen Spektrum unterscheiden konnte. Zum Einsatz kommt eine Kombination von CMOS (komplementäre Metall-Oxid-Halbleiter) und Terahertz. Angeblich soll bei diesem Projekt, um die Privatsphäre anderer Mitmenschen zu schützen, die Reichweiter auf einen geringen Erfassungsbereich begrenzt bleiben.

Vor einigen Monaten hatte man einen weiterentwickelten Chip vorgestellt, auf welchem eine große Anzahl an Transistoren zusammengeschaltet ist und der eine konzentrierte Terahertz-Strahlung aussenden kann. Der Entwickler der sog. T-Ray-Chips, Ali Hajimiri, glaubte, dass die späteren Einsatzmöglichkeiten vielfältig sein werden. Etwa die Post könne bei einer Sicherheitswarnung oder einer Bombendrohung Pakete und Koffer schnell und einfach abscannen. Er merkte aber auch an, dass sich die Funktionalität nicht nur auf staatliche Einrichtungen beschränken wird, sondern in einigen Jahren praktisch jeder jeden und alles scannen kann.

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