JPMorgan: Verlust im dritten Quartal 2013


(C) Mariano Mantel, 2002, Bild: flickr (nicht portiert) (CC BY-NC 2.0)

Die US-Großbank JPMorgan Chase schrieb REUTERS zufolge zum ersten Mal seit fast zehn Jahren in einem Quartal Verluste. Hintergrund wären hier Kosten von 9,2 Milliarden US-Dollar wegen Rechtsstreitigkeiten. Der CEO und Chairman von JPMorgan Chase, James (Jamie) L. Dimon, wird zitiert: "Ich wünschte, wir könnten die Unsicherheit für Investoren verringern, aber das können wir nicht". Dieser steht zudem seit einem milliardenschweren Handelsskandal in London unter Druck.

Mit den als schmerzhaft bezeichneten Sonderlasten wolle man bei JPMorgan nun die verschiedenen Vorwürfe "aus der Welt schaffen". Man musste für das abgelaufene Quartal einen Nettoverlust von 380 Millionen US-Dollar ausweisen. Im Vorjahr hatte man noch rund 5,7 Milliarden US-Dollar Gewinn einfahren können. Somit war das dritte abgelaufene Quartal das erste mit einem Verlust seit dem Frühjahr 2004. Mit dem US-amerikanischen Justizministerium, dem Bauministerium, der US-Börsenaufsicht sowie der New Yorker Staatsanwaltschaft hatte man zuletzt "Vergleichsgespräche" geführt.

Angebliche Insider wurden Medienberichten zufolge zitiert, wonach von etwa elf Milliarden US-Dollar die Rede sei, damit so die Rechtsstreitigkeiten auf einem Schlag ausgeräumt werden können. Wegen der scheinbaren Haushaltskrise in den USA kommt es jedoch derzeit wohl zu Verzögerungen in diesen Belangen - so zumindest die offizielle Darstellung durch den JPMorgan-Mann Dimon. Ebenfalls sprach er von einem angeblich sehr harten Kampf "mit der Regierung und den Aufsehern". JPMorgan ist in mehr als ein Dutzend Ermittlungen verstrickt.

In den angemerkten Gesprächen mit US-Behörden würde es Dimon zufolge aber nicht um personelle Konsequenzen im Management gehen. Nach dem damaligen Platzen der US-amerikanischen Preisblase am Immobilienmarkt wurden zahlreiche mit Hypotheken besicherte Wertpapiere weitgehend wertlos und brockten Anlegern teils extrem hohe Verluste ein. Zahlreiche Investoren kamen in Schwierigkeiten und drängten auf Schadenersatz.

Durch das US-amerikanische Justizministerium führt man gegen unter anderem JPMorgan zahlreiche Ermittlungsverfahren, unter anderem wegen mangelnder Informationen von Investoren beim Verkauf von Hypothekenkrediten oder wegen der Beteiligung an der Manipulation des Libor-Zinssatzes. Der US-Justizminister hatte vor wenigen Wochen, laut Berichterstattung des Wall Street Journals, eine Zahlung von drei Milliarden US-Dollar zur Beilegung der Verfahren als zu niedrig abgelehnt.

Anhang:

Im September 2013 hieß es Medienberichten zufolge, dass im Zusammenhang mit der Manipulation des Zinssatzes Libor eine US-amerikanische Aufsichtsbehörde Kartellklage gegen 13 große internationale Banken eingereicht hatte. Die für Genossenschaftsbanken zuständige US-Behörde NCUA teilte im September laut Bericht des Wall Street Journals mit, auf diese Weise wolle man einen Teil der Verluste von fünf Banken zurückbekommen, welche inzwischen pleite gegangen waren. So hätten einige Firmen internationale Zinssätze auf eine Weise manipuliert, die diese fünf Banken Millionen Dollar kosteten.

Die Kartellklage wurde demnach im US-Bundesstaat Kansas eingereicht. Dem Bericht zufolge gehören zu den Finanzinstituten die JP Morgan Chase, Barclays, die französische Société Générale, die Schweizer Großbanken UBS und Credit Suisse sowie aus Deutschland die frühere West LB (war eine international tätige Landesbank mit Hauptsitz in Düsseldorf) und die Westdeutsche Immobilienbank (war eine 100-prozentige Tochtergesellschaft der WestLB).

Unter anderem die Deutsche Bank und zwölf weitere Großbanken aus Europa und den Vereinigten Staaten stehen laut Medienberichten vom Juli 2013 auch unter dem Verdacht verbotener Absprachen beim Derivate-Handel. Seitens der EU-Kommission beschuldigte man sie, Konkurrenten beim Geschäft mit den Wertpapieren behindert zu haben. Neben der Deutschen Bank stehen/standen damaligen Berichterstattungen zufolge, unter anderem von REUTERS und Wall Street Journal, die Großbanken Bank of America Merrill Lynch, Barclays, Bear Stearns, BNP Paribas, Citigroup, Credit Suisse, Goldman Sachs, HSBC, JP Morgan, Morgan Stanley, Royal Bank of Scotland und die USB im Visier. Partner wären der EU-Kommission zufolge vermutlich der Finanzdaten-Dienstleister Markit und der Verband International Swaps and Derivatives Association (ISDA) gewesen.

Im Mai berichtete REUTERS, dass ein US-Pensionsfonds zwölf Großbanken aus den USA und Europa wegen illegaler Kartellabsprachen zu Finanzderivaten auf Entschädigung verklagt habe. Laut der Klageschrift, die von einem Pensionsfonds der Metallarbeiter aus Cleveland bei einem Gericht in Chicago eingebracht worden war, warf man den Instituten, unter anderem JP Morgan, vor, unzulässige Absprachen zu Credit Default Swaps (CDS) getroffen zu haben. Unter anderem war auch die Deutsche Bank von der Klage betroffen, neben Bank of America, die Citibank, Goldman Sachs, Morgan Stanley, die britischen Banken Barclays, Royal Bank of Scotland und HSBC, die französische BNP Paribas und die Schweizer UBS und Credit Suisse.

In der Affäre um den sog. "Wal von London" hatte die US-Justiz im September laufenden Jahres Anklage gegen zwei ehemalige Mitarbeiter der Bank JPMorgan erhoben. Javier Martín-Artajo Rueda und Julien Grout sollten sich demnach vor einem Gericht von New York wegen Betrugs und Fälschung verantworten. Jenen Personen wird/wurde vorgeworfen, hohe Verluste bei riskanten Finanzgeschäften verschleiert zu haben. Der angeführte "Wal von London", ein Mitarbeiter von JPMorgan - der Franzose Bruno Iksil, hatte zuvor Schlagzeilen gemacht. Er soll dem Wall Street Journal zufolge durch Geschäfte mit Kreditausfall-Versicherungen in der Londoner Investmentabteilung von JPMorgan einen Verlust von 6,2 Milliarden US-Dollar verursacht haben. Der Franzose Iksil entging aber einem Strafverfahren, da er mit den US-Justizbehörden zusammenarbeitete, hieß es.

JPMorgan Chase hätte Medienberichten nach auch Energiepreise manipuliert. Der US-Justiz zufolge sei der Preis für Strom durch Auktionen künstlich in die Höhe getrieben worden, hieß es zu dieser Sache laut einem Dokument der Energiebehörde FERC. Das Wall Street Journal berichtete im Juli, auf JPMorgan Chase komme eine Zahlung von umgerechnet 400 Millionen Euro zu. Die Ermittlungen richteten sich speziell auch gegen die Tochterfirma JPMorgan Ventures Energy Corporation, welche u.a. in fünf Fällen Auktionen mit dem Ziel betrieben hätte, vom kalifornischen Versorger CAISO "illegale Zahlungen zu höheren Preisen als auf dem Markt" üblich zu erhalten. In drei weiteren Fällen sei das beim Versorger MISO aus dem Mittleren Westen der Fall gewesen, schrieb man.

  
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