IWF: Schwellenländer bremsen Weltwirtschaft


(C) Joe Athialy, 2012, Bild: flickr (nicht portiert) (CC BY-NC-SA 2.0)

Durch den IWF (Internationalen Währungsfonds) heißt es, dass die Schwellenländer die Weltwirtschaft bremsen. Dies gaben jüngst der französische Professor für Volkswirtschaftslehre und zudem IWF-Chefökonom Olivier Blanchard und seine Kollegen um Thomas Helbling, Absolvent beim Genfer Hochschulinstitut für internationale Studien, und Jörg Decressin, der auch in den Forschungsabteilungen der Commerzbank und der Deutschen Bundesbank arbeitete, bekannt.

Wegen eher geringerer Annahmen für das Wachstum in den USA und den Schwellenländern heißt es, dass das Weltwirtschaftswachstum nicht auf hohen Touren laufen würde. Die Kräfte für den allgemeinen Antrieb wechseln und es gebe auch verschiedene Abwärtsrisiken. Der IWF, auch bekannt als Weltwährungsfonds - eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen mit Sitz in Washington D.C. - rechnet aus seiner aktuellen Sicht der Dinge damit, dass das Weltwirtschaftswachstum im laufenden Jahr bei 2,9 Prozent und im folgenden Jahr bei 3,6 Prozent liegen wird. Dies stellt also eine Korrektur nach unten dar, von 0,3 bzw. 0,2 Prozent.

Das weitere Wachstum werde höchstwahrscheinlich weiterhin über dem der etablierten Industrienationen liegen, doch der Abstand sei nicht mehr so stark wie früher. Der IWF ist überzeugt, dass durch die geldpolitische Wende der Vereinigten Staaten eine spezielle Prägung für den weiteren Verlauf zu sehen wäre. Ebenfalls ist man überzeugt, dass die chinesische Wirtschaft auf Dauer nicht so stark wachsen wird, wie man es in den vergangenen Jahren noch gesehen hat.

Die weiteren Prognosen für das wirtschaftliche Wachstum der Industrieländer ließ man unverändert bei 1,2 und 2,0 Prozent. Als Grund führt man unter anderem auch gehegte höhere Erwartungen für Großbritannien, Frankreich und Deutschland beim Wachstum an. Den jüngsten IWF-Einschätzungen zufolge könnte das BIP von Deutschland ein Plus von 0,5 Prozent im laufenden und 1,4 Prozent im folgenden Jahr erreichen. Mit Blick auf das Eurozonen-Kernland Frankreich heißt es, dass in diesem Jahr das Plus bei 0,2 Prozent und im kommenden Jahr bei 1,0 Prozent liegen wird.

Das Wachstum der Euro-Zone insgesamt soll in 2013 nach erneut korrigierten Zahlen des IWF nun um 0,4 Prozent schrumpfen. Im nächsten Jahr (2014) sieht man wieder ein Plus von 1,0 Prozent, sollten keine "Irritationen" einschlagen. Dazu merkte man etwa an, dass vom Euroraum weiterhin Risiken für die globale Konjunktur ausgingen. Der IWF fordert, es müsste nun auch eine "stärkere Währungsunion" umgesetzt werden. Im Ausblick für den Süden der Eurozone heißt es, dass die südliche Peripherie weiterhin zu kämpfen habe.

Hier wären die erzielten Fortschritte bei der Wettbewerbsfähigkeit und den Exporten "noch nicht stark genug", damit auf der anderen Seite die recht niedrige Binnennachfrage ausgeglichen werden kann. Verschiedene Unsicherheiten sehe man im Norden wie im Süden, auch im Zusammenhang der Bankbilanzen. Die südeuropäischen Länder Spanien (-1,3%) und Italien (-1,8%) verharren im laufenden Jahr nach Einschätzung des IWF weiterhin in der Rezession. Im kommenden Jahr könnte jedoch ein schwaches Wachstum erreicht werden, demnach möglicherweise auch in Griechenland (2013: -4,2%).

Mit Blick über den Atlantik heißt es durch den IWF, dass man das Wachstum der USA herabgesetzt habe, auf 1,6 Prozent im laufenden Jahr - in 2014 sieht man derzeit ein Wachstum bei 2,6 Prozent. Das US-amerikanische Wachstum werde speziell gestützt auf den privaten Verbrauch, der aber von einer "exzessiven fiskalischen Konsolidierung" belastet sei. Zwanghaftes Sparen wäre laut dem Franzosen und IWF-Chefökonom Blanchard kein gutes Mittel der Konsolidierung.

Auch gäbe es Konfliktpotenzial durch die Irritationen zur Anhebung des US-Schuldenlimits, was weiterhin zu Unsicherheiten beitragen könnte. Insgesamt würden von den USA erhebliche Risiken ausgehen, man warnte auch vor einer möglichen Abkehr der ultralockeren Geldpolitik durch die US-Notenbank Federal Reserve, was Kapitalflüsse in die Schwellenländer weiter eindämmen könnte. Die geldpolitische Wende müsse die Fed (Federal Reserve System) "vorsichtig umsetzen".

Die Prognosen für Japan hatte der IWF nahezu unverändert gelassen. Das Wachstum in den Entwicklungs- und Schwellenländern sieht man weniger optimistisch als zuvor. Für China, Russland, Indien und Mexiko korrigierte der Währungsfonds seinen Ausblick nach unten. Demnach soll das Wachstum dort nur noch bei 4,5 und 5,1 Prozent in 2013 und 2014 liegen. Auch China wäre betroffen, wo der IWF eine weitere Korrektur unternahm - in 2013: 7,6 Prozent und in 2014: 7,3 Prozent.

Besonders schwer würde es das BRICS-Mitglied Indien treffen, heißt es. Deren Wachstum sieht man bei nur noch 3,8 Prozent und 5,1 Prozent, für die genannten Jahre. Derzeit liege der Fokus speziell auf den Schwellenländern, wo eine Kombination aus schwächerem Wachstum und schlechteren Finanzierungsbedingungen vorherrsche, heißt es. Dies sei auch durch den Schwenk der US-Geldpolitik mit ausgelöst worden, merkt man an.

Im September laufenden Jahres, anlässlich des G-20-Gipfels im russischen St. Petersburg, hatte der IWF bereits vor einer Verlangsamung des Wachstums in den Schwellenländern gewarnt. Man hob hier hervor, dass sich die Konjunktur auch in den BRICS-Ländern Brasilien, China und Indien zuletzt weiter abgekühlt habe - und es "bestehe das Risiko einer weiteren Verschlechterung". Man erwartete in dem Bericht für den zweitägigen Gipfel in St. Petersburg, dass in Zukunft die Wachstumsimpulse vor allem von den USA kommen werden. Seit dem Jahr 2010 hatte das Wachstum der Schwellenländer laut IWF um 2,5 Prozent nachgelassen. Die Konjunktur von Brasilien, China und Indien kühlte sich am stärksten ab, wozu unter anderem auch sinkende Rohstoffpreise beigetragen hatten. In jüngerer Zeit kam dazu, dass zunehmend Kapital aus den Schwellenländern abgezogen wurde, hieß es in Russland Anfang September.

Die Finanzmärkte hatten wohl mit dem zu erwartenden Ende der massiven Anleihen-Aufkäufe der US-Notenbank bessere Erträge in den USA erwartet, wodurch die einheimische Währung von Brasilien, Indien und der Türkei an Wert verlor. Anlässlich des G-20-Gipfels im russischen St. Petersburg hatte der IWF in seinem dafür ausgearbeiteten Bericht als Ziel benannt, es müsse ein "starkes, nachhaltiges und ausgeglichenes Wachstums" erreicht werden. Damit das Wachstum gestärkt werden kann und eine finanzielle Stabilität gesichert wird, müssten die G-20-Staaten, zu denen auch mehrere Schwellenländer gehören, "verbreitete finanzielle, steuerliche und strukturelle Hindernisse" beseitigen, hieß es.

Im Sommer gab es Irritationen, wonach Budgetkürzungen das Wachstum in den USA schwächen würden, teilte der IWF mit. Im Juni laufenden Jahres hatte der IWF in seiner damaligen Prognose damit gerechnet, dass die US-Wirtschaft im laufenden Jahr nur noch um 1,9 Prozent (aktuelle Korrektur siehe oben) zulegen wird. Im vergangenen Jahr (2012) war das Bruttoinlandsprodukt der USA noch um 2,2 Prozent gewachsen. Die im Frühjahr in den USA in Kraft getretenen automatischen Kürzungen, welche fast alle Bereiche nach dem Rasenmäher-Prinzip betreffen würden, seien "exzessiv" und "schlecht konzipiert", kritisierte der Internationale Währungsfonds damals.

Die französische Direktorin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine [Madeleine Odette] Lagarde, hatte die Vereinigten Staaten schon im Dezember vergangenen Jahres davor gewarnt, dass man mit dem Verlust des Weltmacht-Status rechnen könnte. Gegenüber dem britischen Sender BBC sagte Lagarde Anfang Dezember 2012: "Das eigentliche Thema ist die Überlegenheit der USA und ihre Rolle als Führungsnation". Die USA müssten verschiedene vorhandene Unsicherheiten ausräumen, wenn man nicht weiter Zweifel an der Führungsrolle schüren wolle. Im Zusammenhang mit bereits damaligen Irritationen zur Einigung auf ein Haushaltspaket hieß es, dass dadurch nicht nur die US-Wirtschaft selbst bedroht sei, sondern könnte dies auch einen "Ansteckungseffekt" auf den Rest der Welt haben - speziell, da der globale Wirtschaftsaufschwung sowieso "zerbrechlich" sei.

  
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