Polen: Deutsche sollen zahlen - Vergemeinschaftung von Schulden gefordert


(C) Polish Senate, 2005, Bild: Wikipedia (CC BY-SA 3.0)

Der seit November 2007 in Polen amtierende Außenminister, Radoslaw Tomasz Sikorski, hatte nun die deutsche Regierung (welche neu zu bilden ist) dazu aufgefordert, eine "Vergemeinschaftung" der Schulden mitzutragen. Demnach hoffe man laut Sikorski sehr darauf, dass nach der abgehaltenen Bundestagswahl in Deutschland in diesen Belangen "mehr getan wird".

Ebenfalls glaubt der polnische Außenminister, dass die Europäische Union (EU) nur dann zu einer echten sogenannten "Politischen Union" umgewandelt werden kann, wenn die neuen finanziellen Verpflichtungen gemeinsam getragen werden. Der Aufschlag bei den Zinsen in den Krisenländern könne so im Vergleich zu Deutschland geringer werden, womit sich der Süden erholen kann, wenn Deutschland hier mitzieht, gab Sikorski gegenüber der Publikation "Die Zeit" zu verstehen.

Hier stellte man dem polnischen Außenminister auch die vorbereitete Frage, ob er sich vorstellen kann, dass Eurobonds befürwortet werden. Sikorski stand dem positiv gegenüber, auch für "zukünftige Projekte". Dem deutschen "Publikum" (wohl das Volk gemeint) wäre dies wohl aber eher schwer zu verkaufen, meint Sikorski. Etwa derart schwer, wie man in Polen die Öffentlichkeit davon überzeugen wolle, der Gemeinschaftswährung "Euro" beizutreten.

Mit Blick auf Angela Merkel (CDU), deren Vorfahren laut deutschen Medienberichten (Vorstellung eines entsp. Buches) angeblich aus dem Gebiet des heutigen Polens stammen, gab Polens Außenminister Sikorski zu verstehen, dass die Kanzlerin dort - in Polen - eine enorme Beliebtheit habe. Doch Sikorski kritisierte laut "Die Zeit" die Ignoranz der Deutschen, bei historischen Fragen. Diese schämten sich zwar für den Holocaust und wüssten dabei, dass man in Stalingrad geschlagen wurde, doch gäben sich laut Sikorski die Deutschen nur wenig Mühe dabei, um so wirklich zu erfahren, wie sich deren Mütter und Väter "bei uns aufgeführt haben".

Den Film "Unsere Mütter, unsere Väter" angesprochen, sagte Sikorski in diesem Zusammenhang, dass die Deutschen wohl verstehen werden, dass wir es nicht gut vertragen, von den Deutschen als "Antisemiten stigmatisiert zu werden". Der angemerkte Film "Unsere Mütter, unsere Väter" ist ein dreiteiliger Fernsehfilm, der am 17. - 18. und 20. März 2013 im Zweiten Deutschen Fernsehen (ZDF) sowie im Fernsehen des Österreichischen Rundfunks (ORF) ausgestrahlt wurde.

Anhang:

Der polnische Außenminister, Radoslaw Tomasz Sikorski, war vor diesem seit Mitte November 2007 bekleideten Amt auch von Ende Oktober 2005 bis Anfang Februar 2007 Verteidigungsminister der polnischen Regierung. Er ist Mitglied der liberal-konservativen Partei Bürgerplattform. Philosophie und Politikwissenschaft hatte er in den 1980er Jahren am Pembroke College (das Schwester-College ist das Queens College; von der Frau des englischen Königs Eduard IV. gegründet) der Universität Oxford (deren Motto: "Der Herr ist mein Licht") studiert, etwa bei Leszek Kolakowski (polnischer Philosoph; der nach dem WK2 Mitglied der Kommunistischen Partei war).

Der heutige poln. Außenminister Radoslaw Sikorski war in der Vergangenheit auch Polen-Berater des Verlegers Rupert Murdoch (US-amerikanischer Medienunternehmer; Gründer der News Corporation). Ab 2002 arbeitete Sikorski als Direktor der New Atlantic Initiative (NAI). Die NAI (beim Think Tank [„Denkfabrik“] American Enterprise Institute von Washington D.C.) war dabei eine überparteiliche Organisation, für die Wiederbelebung und den Ausbau der atlantischen Gemeinschaft. Beim American Enterprise Institute (AEI; gepr. "Neokonservatismus") sind/waren u.a. aktiv Richard Perle, Irving Kristol, Lynne Cheney (Ehefrau des ehemaligen US-Vizepräsidenten Dick Cheney), Paul Wolfowitz, Lee Raymond (EX-CEO von ExxonMobil), Newt Gingrich oder auch Gerald Ford.

  
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