Deutscher Experte hält lockere Geldpolitik für hochgefährlich


(C) Tabbo107, 2010, Bild: flickr (nicht portiert) (CC BY-NC-SA 2.0)

Den letzten Beschluss des US-amerikanischen Fed (Federal Reserve; Zentralbank-System der Vereinigten Staaten) hält der Präsident des Bayerischen Finanzzentrums, Wolfgang Gerke, für eine dramatische Fehlentscheidung. Die US-Notenbank hatte beschlossen, vorerst weiter an der lockeren Geldpolitik festzuhalten. Der Saarbrücker-Zeitung sagte Gerke: "Ich halte das weltweit für eine hochgefährliche Politik, weil sie zu Spekulationsblasen führen kann, und weil bei einer Politik des billigen Geldes die Staatsverschuldung permanent wächst".

Die Probleme werden somit auf die nächste Generation verschoben, glaubt er. Laut Gerke bestehe eine große Gefahr darin, dass, sollte die Konjunktur weiter anziehen, man eine Inflation bekommen wird. Zudem werden mit dem billigen Geld auch die Immobilien- und Aktienmärkte weiter angeheizt. Somit könnte es laut dem Präsident des Bayerischen Finanzzentrums zu neuen Finanzkrisen kommen.

Person: Der im norddeutschen Cuxhaven geborene Gerke, emeritierter deutscher Hochschullehrer für Bank- und Börsenwesen, ist seit dem Jahr 2006 als Präsident des Bayerischen Finanzzentrums tätig. Er war zurückblickend bis 2007 Academic Director, wissenschaftlicher Leiter der Frankfurt School of Finance & Management (eine private, staatlich anerkannte Business School) und ist seit dem Jahr 2008 Honorarprofessor am Department "Finance, Accounting & Real Estate" an der EBS Universität für Wirtschaft und Recht (eine private, staatlich anerkannte Universität in Hessen) in Oestrich-Winkel. Weiterhin ist er Mitglied des Münchner Finance Forum e.V.

Im Zusammenhang hatten kürzlich ausländische Ökonomen vor einer neuen Finanzkrise gewarnt. Der "Welt am Sonntag" gab William White, der ehemalige Chef-Volkswirt der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in Basel (BIZ), zu verstehen, dass er vor einer dramatischen Schieflage des weltweiten Finanzsystems warnt. Seinen Worten zufolge wäre die Verschuldung in den G20-Ländern heute bereits um etwa 30 Prozent höher als zurückblickend im Jahr 2007.

White merkte weiter an, dass es wohl kaum vorstellbar sei, dass all jene Schulden auch zurückgezahlt/bedient werden können - somit könnte das ganze System unter der praktisch untragbaren Schuldenlast zusammenbrechen, so White. Er machte hier auch die Zentralbanken und deren gefahrene ultra-lockere Geldpolitik mit verantwortlich.

Auf der anderen Seite hatte gegenüber "Welt am Sonntag" der Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, Dennis Snower, angemerkt, dass auch dieser vor den weiterhin offenen Geldschleusen der Zentralbanken warnte. So lebe man weiterhin mit den Gefahren, dass die sog. systemrelevanten Banken und auch die Schattenbanken mit Hilfe des ultra-billigen Geldes riskante Geschäfte machen. Sollte sich an der Situation nichts verändern, könne immer wieder eine Krise ausbrechen.

Der angeführte White zweifle laut eigenen Angaben bereits daran, ob die Zentralbanken überhaupt noch handlungsfähig sind. Laut "Welt am Sonntag" wird er zitiert: "Ich weiß nicht, ob wir es überhaupt noch schaffen werden, die Weltwirtschaft zu stabilisieren, bevor es zu einer ganz großen Krise kommt [...] Wir bewegen uns auf einen Punkt zu, wo wir nichts mehr machen können".

  
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