Erdbeben lassen wohl größere Mengen Methan frei


(C) Wusel007, 2002, Bild: Wikipedia (CC BY-SA 3.0)

Laut einem Forscherteam haben möglicherweise Erdbeben einen größeren Anteil am Austritt von Methan. Vor der Küste von Pakistan ereignete sich in 1945 ein solches der Stärke 8,1. Hier wurden durch das Erdbeben im weiteren Verlauf große Mengen an Methan frei. Schätzungen zufolge wären seit dem damaligen Erdbeben etwa sieben Millionen Kubikmeter Methan aus dem Meeresboden in den Ozean geströmt.

Dies würde umgerechnet der Ladung von zehn großen Gastankern entsprechen, heißt es laut Forschern der Universität Bremen und des Alfred-Wegener-Instituts in Bremerhaven in einer neuen Studie. Die bisherigen Untersuchungen zeigten, dass Erdbeben Methanquellen freilegen können. Man geht davon aus, dass solche Quellen möglicherweise ein gutes Jahrhundert lang Methan freigeben könnten und nachfolgend wieder versiegen. Man hatte in 2007 mehrere Sedimentkerne aus dem Meeresboden entnommen. In einer Probe fand man Methanhydrat (auch Methaneis, brennbares Eis oder Gaskondensat genannt).

Dieses Methanhydrat besteht aus Methan (CH4), das in erstarrtem Wasser eingelagert ist. Unter hohem Druck bildet sich solch stabiles Methaneis. In der Studie beschreiben die Forscher, dass Analysen der Bohrkerne gezeigt hätten, dass zwischen dem damaligen Erdbeben in 1945 und den Austritten von Methan ein Zusammenhang besteht. Man fand in den Proben auffällige Werte von Sulfat (Ester der Schwefelsäure) und des Minerals Baryt (auch unter seiner chemischen Bezeichnung Bariumsulfat bekannt). Dies könnte auf eine Mobilisierung des Methans hindeuteten.

Das damalige Beben 1945 vor der Küste von Pakistan sieht man als wahrscheinlichsten Auslöser für die Freisetzung an. Das Erdbeben könnte wohl Risse und Spalten geöffnet haben, aus denen dann Methan austrat, welches zuvor als Methanhydrat eingeschlossen war. Derzeit vermutet man, dass es noch weitere Gebiete geben könnte, wo sich das Beben ähnlich auswirkte.

Mehr unter:

ETH Zürich: Erdbeben setzen Methan frei

UNI Bremen: Erdbeben mobilisierte Treibhausgase

Anhang: Methan CH4 (Gruppe der Kohlenwasserstoffe und das einfachste Alkan) kommt in der Atmosphäre (gasförmige Hülle oberhalb der Erdoberfläche) nur in Spuren vor - etwa 2 ppm (ppm, "Teile von einer Million"). Durch den Menschen entstandenes, verursachtes, hergestelltes oder beeinflusstes Methan entsteht circa zur einen Hälfte in der Land- und Forstwirtschaft und anderweitiger Nutzung von Land und Biomaterial. Eine weitere solche Quelle ist in großen Mengen an und in den Kontinentalrändern untermeerisch lagerndes Methanhydrat, ein Feststoff, der bei Erwärmung in Methan und Wasser zerfällt. Methanhydrat (auch Methaneis) ist thermodynamisch nur unter bestimmten Druck- und Temperaturbedingungen stabil und bildet sich daher in großer Menge an den Kontinentalabhängen, an denen der Druck hoch und die Temperatur niedrig genug ist. Die Verweildauer von Methan in der Atmosphäre liegt bei 9 bis 15 Jahren. Etwa 37 Prozent der anthropogen emittierten Methan-Menge stammen dabei direkt oder indirekt aus der Viehhaltung. Im Zeitraum von 1999 bis 2006 blieb der Methan-Gehalt der Atmosphäre weitgehend konstant und lag nach 2007 wieder über 1800 ppb (ppb, "Teile pro Milliarde").

  
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