Schuldenschnitte: Ökonomen halten sie für möglich


(C) Rock Cohen, 2006, Bild: flickr (nicht portiert) (CC BY-SA 2.0)

Immer mehr Ökonomen würden einen weiteren Schuldenschnitt für Griechenland als "unausweichlich" ansehen. Gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung hatte das Mitglied des wissenschaftlichen Beirates des deutschen Bundesfinanzministeriums, Jörg Rocholl, angemerkt: "Ich halte einen weiteren Schuldenschnitt für unabwendbar".

Im laufenden Jahr soll die offiziell explizite Staatsverschuldungsquote wegen der schweren Rezession und dem laufenden Defizit auf etwa 175 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) steigen, heißt es. Bis zum Jahr 2020 wolle man seitens der Troika (bestehend aus IWF, EZB, EU) die Schuldenquote auf 110 Prozent drücken. Mit den bisherigen Maßnahmen scheint Griechenland aber bereits gewissen "Irritationen" ausgesetzt zu sein. Deshalb sehen verschiedene, und zuletzt mehr werdende, Ökonomen, dass jenes theoretisch für die Zukunft gesteckte Ziel "illusorisch" sei.

Laut der Frankfurter Allgemeinen Zeitung heißt es, dass ein weiterer Schuldenschnitt für Griechenland die öffentlichen Gläubiger und damit die europäischen Steuerzahler treffen wird, so der Präsident der ESMT-Hochschule Jörg Rocholl. Beim ersten Schuldenschnitt waren private Gläubiger betroffen. Sie hatten einen zweistelligen Milliarden-Betrag aufgeben müssen.

Ebenfalls würde das Weltwirtschaftsinstitut einen weiteren Schuldenschnitt für unausweichlich halten. Die Verschuldung von Griechenland hätte mittlerweile ein Niveau erreicht, welches eine Sanierung der Staatsfinanzen ohne Hilfe von außen unmöglich macht, hatte der der IfW-Ökonom Henning Klodt angemerkt. Die öffentlichen Gläubiger würden laut der Zeitung, gestützt auf Zahlen des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW), beinahe 230 Milliarden Euro halten, also mehr als zwei Drittel der Schulden Griechenlands. Die Euro-Länder halten demnach mittlerweile 161 Milliarden, die EZB (Europäische Zentralbank) 45 Milliarden und der IWF (Internationaler Währungsfonds) 22 Milliarden Euro.

Joachim Starbatty, emeritierter Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Tübingen, gab zu verstehen, dass ein EURO-Austritt Griechenlands die beste Alternative sei. Der Frankfurter Allgemeinen Zeitung sagte Starbatty zur Thematik: "Die bisherigen finanziellen Leistungen an Griechenland haben dem Land nicht genutzt, sondern geschadet, da lediglich private durch souveräne Gläubiger ersetzt worden sind. So wurde das Land noch tiefer in die Schuldenfalle gestoßen".

Erst kürzlich hatte ZEW-Präsidenten Prof. Clemens Fuest gegenüber FOCUS-Money (Nr. 30 - 2013) verlautbart, dass es auch noch weitere Schuldenschnitte geben könnte. Hier wurden als Kandidaten auch Portugal und Zypern genannt, ebenfalls würde von Spanien eine "große Gefahr" ausgehen. Passend dazu lautete auch der Titel des publizierten geführten Interviews mit Fuest: "Es wird weitere Schuldenschnitte in Europa geben".

  
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