Forscher: Urin als neue Stromquelle?


(C) Polarlys, 2006, Bild: Wikipedia (CC BY-SA 3.0)

Im Südwesten von England haben sich nun Forscher aus Bristol für die Nutzung von Urin als Energiequelle stark gemacht. In der aktuellen Ausgabe von "Physical Chemistry Chemical Physics" hatte ein Team der Universität Bristol und dem Robotik-Labor einen Beitrag veröffentlicht, in welchem man den erfolgreichen Einsatz von menschlichem Urin zum Betrieb eines Mobilfunkgerätes schilderte.

Einer der Forscher, Ioannis Ieropoulos, der die "University of the West of England" (im Norden von Bristol gelegen) vertrat, ist der Ansicht, mit Urin könnten auch ganze Badezimmer elektrisch versorgt werden. Also etwa vom Rasiergerät bis hin zur Beleuchtung. Für die Energiegewinnung wurden dem Bericht zufolge Spezialbatterien genutzt, welche beim Zerfall der Mikroben des Urins an Kohlenstoff-Anoden Strom ableiten konnten.

Zunächst gelang die Gewinnung von Strom aber nur im überschaubaren Umfang. Mit dem gewonnen Strom konnte man ein Handy betreiben und SMS-Nachrichten versenden. Auch die Nutzung des Internets für eine kurze Zeit war möglich. Beim Telefonieren war das System aber nach kurzer Zeit an seine Grenzen gelangt. Für eine weitergehende Nutzung müssten demnach Spezial-Batterien entwickelt werden.

Der Forscher Ioannis Ieropoulos gab laut AFP zu verstehen, dass man von dieser möglichen Nutzung von Urin als Stromquelle begeistert sei, es wäre eine "Weltneuheit". Der menschliche Urin sei eine "grenzenlose Energiequelle", hieß es. Nach der Weiterentwicklung wolle man nicht mehr von den "Zufällen" der Wind- und Sonnenenergie abhängig sein. Eines Tages ist es seiner Ansicht nach möglich, aus Urin gewonnenen Strom "langfristig zu speichern".

Doch nicht nur die englischen Forscher scheinen an dem Thema dran zu sein. In den vergangenen Jahren gab es verschiedene Ansätze, um aus Urin Strom zu gewinnen. Im vergangenen Jahr berichtete REUTERS davon, dass in Afrika ein sog. "Urin-Generator" Strom erzeugen würde. Damals wurden vier Mädchen im Alter von 14 Jahren für die Entwicklung eines Urin-Generators ausgezeichnet - Erfindermesser Maker Fair 2012. Der Generator kann mit 1/4 Liter Urin Strom für sechs Stunden generieren, hieß es.

Doch auch schon einige Jahre zuvor gab es Forschungen zur Thematik "Strom aus Urin". So sollte etwa eine urinbetriebene Batterie einfachere und schnellere Krankheitsdiagnosen ermöglichen, berichtete "Bild der Wissenschaft" im Jahr 2005. Verschiedene Tests zur Bestimmung der Glukosekonzentration im Urin könnten demnach die zu testende Flüssigkeit als Energiequelle nutzen. Hier sollte eine papierdünne Batterie mit einem einzigen Tropfen Urin eine elektrische Leistung von mehr als 1,5 Milliwatt erzeugen. Die Batterie sei dabei klein und billig, weshalb sie ein großes Marktpotenzial hätte, sagten damals Forscher aus Singapur.

  
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