DE: Kritik an Zahlenspielerei der Bundesagentur für Arbeit


(C) Nicohofmann, 2009, Bild: Wikipedia (CC BY-SA 3.0)

Mittlerweile soll auch die Innenrevision der deutschen Bundesagentur für Arbeit teils schwere Mängel bei der Vermittlung von Arbeitssuchenden festgestellt haben. Im Vorfeld gab es Medienberichte darüber, dass durch diverse Methoden offenbar die "offiziellen" Statistiken aufpoliert wurden. Im Internet hatten in diesem Zusammenhang verschiedene Kommentatoren das Motto: "Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast" angeführt.

Wie das Magazin „Spiegel“ berichtet, hätte nun nicht nur der Bundesrechnungshof der BA schwere Mängel in der Vermittlung von Arbeitsuchenden vorgeworfen, sondern auch die benannte Innenrevision der Bundesagentur für Arbeit (BA). Man kritisiere unter anderem im aktuellen Halbjahresbericht, dass die Agenturen wohl dabei versagten "passgenaue Vermittlungsvorschläge" zu machen.

Hier und in anderen Punkten würde keine Besserung feststellbar sein. Auch scheinen die nebulösen Vorgänge nicht nur von kurzer Dauer gewesen zu sein. Die "geprüften Einzelaspekte" wiesen "über einen Zeitraum von zwei Jahren gleichbleibende Fehlerschwerpunkte auf", heißt es. Um die 49 Prozent der Eingliederungshilfen für Arbeitsuchende würden nicht "plausibel" erscheinen.

Bei derartigen Maßnahmen, also der Dauer der Eingliederungshilfen, fallen die geführten "Kunden" aus der Arbeitslosenstatistik heraus. Da es wohl mit der Transparenz haperte, würde das Risiko bestehen, "dass die Notwendigkeit...ggf. nicht gegeben und damit die Teilnahme an der Maßnahme nicht zulässig war".

Ebenfalls problematisch hatte man den Umgang mit Stellengesuchen von jungen Menschen gesehen - also jene, die auf eine Lehrstelle hofften. So wäre fast die Hälfte der Gesuche nur intern oder gar nicht veröffentlicht worden. Damit wären jene Personen den Ausbildungsbetrieben vorenthalten worden. Eine wirklich plausible Begründung fehlte offenbar in gleich 93 Prozent der Fälle - was als durchaus "hoch" angesehen werden kann.

Die Folge daraus war auch, dass die Vermittlungschancen von jenen Personen, welche eine Ausbildung aufnehmen wollten, "eingeschränkt" waren. Als Ursachen sah man "überwiegend Eigeninteressen der Arbeitsagenturen bei der Zielerreichung". Dass die "offizielle" Arbeitslosigkeit per Zahlenwirrwarr als zusammengestöpselte positive Statistik ggf. auch in Belangen der Bundestagswahl in Deutschland eine Rolle spielen könnte, kann spekuliert werden.

Mit dem nun nachgeschobenen Spiegel-Bericht scheint dabei auch der vormalige Bericht des deutschen Bundesrechnungshofes in einem "neuen Licht" zu erscheinen. Dort wurde den Arbeitsagenturen vorgeworfen, sich an Aufgaben zu fixieren, die Vorteile im internen Controlling bringen - also rein bürokratischer Firlefanz, der an chinesische Planwirtschaftsspielchen erinnern lässt.

Wie der Rechnungshof anmerkte, hätten speziell auch schwer vermittelbare Arbeitslose darunter zu leiden. Bereits im Jahr 2009 hatte der Hauptpersonalratsvorsitzende Eberhard Einsiedler dies in einem Schreiben an den Chef Frank-Jürgen Weise (BA) kritisiert. Damals gab er zu verstehen, es entstehe der Eindruck, "als wäre nicht die Arbeit am und mit den Kunden unser Kerngeschäft, sondern Controlling, Qualitätsmanagement und Steuerung. Letzteres geschieht anscheinend immer mehr zum Selbstzweck."

Demnach sei die deutsche Bundesagentur für Arbeit, wie in gruseligen Staatskonstrukten angetrieben durch die Zentrale, übersteuert. "Es muss Schluss sein mit dem Zahlenfetischismus! Ich bitte Sie dringend, pfeifen Sie Ihre Zahlenknechte zurück und schaffen Platz für eine Führungskultur, die die Erbringung echter Arbeitsergebnisse fördert." Eine in der Sache gleichlautende Kritik hatte drei Jahre später auch der Rechnungshof geübt.

 

DE: Ältere Arbeitslose haben schlechte Chancen

  
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