Oettinger: TAP bringt Türkei näher an Europa


(C) Genti77, 2012, Bild: Wikipedia (CC BY-SA 3.0 DE)

Von einem "Sieg für Europa" sprach nun der EU-Energiekommissar Günther Oettinger (CDU). Dies bezüglich der künftigen Lieferung von Erdgas über das Pipeline-Projekt TAP (Trans Adriatic Pipeline) von Aserbaidschan. Dadurch würde auch die Türkei "näher an Europa" rücken, gab Oettinger zu verstehen.

Die Türkei fungiert für die TAP-Leitungen als Transitland und gewinnt für die EU an strategischer Bedeutung. Ursprünglich hatte die EU-Kommission das Konkurrenzprojekt Nabucco favorisiert, durch den Streckenverlauf über den Balkan nach Österreich. Das aserbaidschanische Shah Deniz-Konsortium gab im Februar 2012 bekannt, dass es die TAP für die Route nach Italien präferiere.

Das Schah Denis Gasfeld gehört BP (25,5 Prozent), Statoil (25,5 Prozent), SOCAR (10 Prozent), Total, (10 Prozent), LukAgip (10 Prozent), Oil Industries Engineering & Construction (OIEC) (10 Prozent) und der Türkiye Petrolleri (Turkish Petroleum Overseas Company Ltd.) (9 Prozent).

Der EU-Energiekommissar Günther Oettinger sieht aus heutiger Sicht jedoch, dass diese Route "zweitrangig" sei. Die TAP-Leitungen würden das Gas über die Türkei nach Griechenland transportieren, dann nach Albanien und von dort nach Italien. Am Ende werde man beide Leitungen haben, erst TAP und später Nabucco West, heißt es.

Als Hauptziel gab er zu verstehen, dass die Abhängigkeit von russischen Energielieferanten verringert werden soll. Ebenfalls verspricht sich der EU-Kommissar langfristige Vorteile aus der getroffenen Entscheidung. Demnach würde die TAP nur der Türöffner zu weiteren Gasfeldern der Region sein.

Somit könnten andere Länder in der Region, wie Turkmenistan und Irak, dazu ermutigt werden, Vertragsbeziehungen zu Europa aufzubauen. Im kommenden Jahr wolle man in Albanien mit dem Straßenbau beginnen, das Gewinner-Projekt "TAP" stehe in den Startlöchern, gab der TAP-Manager Michael Hoffman der "Welt" zu verstehen.

Die Gasleitungen sollen etwa drei Jahre später fertiggestellt sein. Ab 2019 soll dann das erste Gas nach Europa fließen können, heißt es. Hoffman sagte, dass man aus heutiger Sicht mit keinen Problemen rechnet.

Das Joint Venture "Trans Adriatic Pipeline" hat seinen Sitz im schweizerischen Baar. Es handelt sich um eine etwa 520 Kilometer lange Erdgaspipeline, welche Griechenland über Albanien durch die Adria mit Süditalien verbinden soll. Als Ziel wird der Transport von Erdgas aus dem kaspischen Raum über die Türkei nach Westeuropa angestrebt. Am Vorhaben sind die schweizerische EGL und die norwegische Statoil zu je 42,5 Prozent und die deutsche E.ON Ruhrgas zu 15 Prozent beteiligt.

  
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