Medien: Nabucco ist gescheitert


(C) Nabucco Gas Pipeline International GmbH, 2012, Bild: Wikipedia (CC BY 3.0)

Um die Abhängigkeit vom russischen Gas zu verringern, sollte eigentlich die sog. Nabucco-Pipeline an den Start gehen. Doch diese steht vor dem Aus. Es wird über diese folglich kein Gas vom aserbaidschanischen Gaskonsortium Shah Deniz II transportiert. Der österreichische Öl- und Gaskonzern OMV (früher Österreichische Mineralölverwaltung, ÖMV) hatte mitgeteilt, dass das Projekt keinen Zugschlag erhielt.

Nun heißt es, dass Erdgas vom Shah-Deniz II-Konsortium unter der Führung von BP (früher für: „British Petroleum“) durch die Trans Adriatic Pipeline (TAP) nach Westeuropa geliefert werden soll. Am 26. Juni 2013 erhielt TAP den Zuschlag zum Transport des Erdgases des Produzentenkonsortiums des Shah-Deniz-II-Gasfelds, womit sich TAP gegen Nabucco(-West) durchsetzte. Am Vorhaben sind die schweizerische EGL und norwegische Statoil zu je 42,5 % und die deutsche E.ON Ruhrgas zu 15 % beteiligt.

Das Nabucco-Pipeline-Projekt sieht bzw. sah den Bau einer Erdgas-Pipeline vor, beginnend an der türkisch-bulgarischen Grenze bis in das österreichische Baumgarten an der March (eine Katastralgemeinde der Gemeinde Weiden an der March in Niederösterreich), wo das zentrale Verteilerzentrum der OMV für Erdgas liegt. Sie sollte die EU mit den kaspischen Erdgasvorkommen verbinden.

Das Erdgas wird nun vom Shah-Deniz II-Konsortium nach Westeuropa geliefert. Dieser Entscheidung sei ein Treffen des griechischen Regierungschefs Antonis Samaras mit Vertretern des Konsortiums vorausgegangen, berichtete die Athener Zeitung "Kathinerini". Seitens der Trans Adriatic Pipeline (TAP) wollte man sich nicht äußern. Die Route der Pipeline soll von der Türkei kommend durch Griechenland und Albanien nach Italien verlaufen, heißt es.

Seitens der EU hatte man sich anfänglich für Nabucco eingesetzt, nachfolgend aber erklärt, man habe keine besondere Präferenz für eine der beiden Röhren. Nun begrüßte man gar die Entscheidung zugunsten von TAP: „Das bedeutet mehr Liquidität und Versorgungssicherheit", erklärte die EU-Kommission. Der wichtigste Lobbyist des österreichischen Mineralölkonzern OMV ist der frühere deutsche Außenminister Joschka Fischer.

Der Energiekonzern RWE hatte kürzlich seine Beteiligung in Höhe von 17 Prozent an der europäischen Gaspipeline Nabucco an den österreichischen Konzern OMV verkauft. Das bestätigte das österreichische Energieunternehmen, ohne jedoch Angaben zur Summe zu machen. Medienberichten zufolge erwog RWE seit längerem, aus dem Projekt auszusteigen. Im Vorjahr 2012 hatte der ungarische Ölkonzern MOL seinen Ausstieg aus der europäischen Gaspipeline Nabucco bestätigt.

 

Weiterführendes:

Nabucco gescheitert - Die lange Leitung (NZZ)

Ärger in Wien, Jubel in Athen (Tagesspiegel)

  
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