DE: Die Gesundheit bei Kindern hat sich verschlechtert


(C) Trey Ratcliff, 2009, Bild: flickr (nicht portiert) (CC BY-NC-SA 2.0)

In den letzten zehn Jahren soll sich die Gesundheit von Kindern in Deutschland teils dramatisch verschlechtert haben. Zu den Beschwerden zählen unter anderem Übergewicht, Rückenschmerzen und Bewegungsstörungen, so die Äußerungen von befragten Kinderärzten. Als Gründe werden genannt, dass Kinder in Deutschland, und wohl auch anderen Ländern, eine eher ungesunde Ernährung praktizieren, zu wenig Bewegung haben und auch zu viel Zeit vor dem Fernseher oder Computer zubringen.

Dies hatte kürzlich die DAK-Gesundheit mitgeteilt. Das deutsche Forsa-Institut hatte im Auftrag der Kasse (Gesetzliche Krankenversicherung) in ganz Deutschland 100 Kinder- und Jugendärzte zur Gesundheitslage von behandelten Kindern befragt. Dabei stellte sich im Ergebnis der Umfrage heraus, dass fast alle Mediziner (94 Prozent) eine Zunahme des Übergewichts feststellten.

Etwa 80 Prozent der Befragten gab zu verstehen, dass man einen Anstieg von motorischen Defiziten bei Minderjährigen sehe. Mehr als die Hälfte der Ärzte konnte zudem auch Rückenschmerzen und Haltungsschäden feststellen. Die Probleme hingen laut der Umfrage auch vom Alter ab. Demnach würden Störungen am Bewegungsapparat besonders Drei- bis Fünfjährige betreffen.

Probleme mit Übergewicht stellte man vor allem bei sechs- bis achtjährigen Kindern fest. Die elf- bis 14-Jährigen plagten oft Rückenschmerzen oder Haltungsschäden. Gut 51 Prozent der befragten Ärzte hatte angegeben, dass sie glaubten, dass der allgemeine Gesundheitszustand bei Kindern in Deutschland in den vergangenen 10 Jahren schlechter geworden ist.

Nur rund 39 Prozent der Befragten ging davon aus, dass sich der Gesundheitszustand verbessert hat. Neben dem Mangel an Bewegung (96%) oder auch die ungesunde Ernährung (92%), sahen die Mediziner zudem eine fehlende positive Vorbildfunktion der Eltern als Grund für diese negativen gesundheitlichen Auswirkungen an, mit 89 Prozent. Rund die Hälfte ging davon aus, dass zu wenig oder zu schlechter Sportunterricht an den Schulen in Deutschland praktiziert wird, was ebenfalls ein Risikofaktor sei.

Laut einer Langzeitstudie im Auftrag der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) hieß es im vergangenen Jahr, dass rund zwei Millionen Kinder in Deutschland als übergewichtig gelten. In vielen Fällen schlagen Therapien nur "begrenzt" an. Häufig gibt es nur kurze Erfolge, das Gewicht könne jedoch nicht langfristig gehalten werden. Auch eine gesündere Ernährung und mehr Bewegung waren laut Studie schwer durchzusetzen.

Im Jahr 2011 hieß es laut einer Umfrage unter hundert Kinderärzten im Auftrag der Krankenkasse DAK, dass in Deutschland immer mehr Kinder zu dick wären und auch psychische Probleme haben. Hier benannte man im Juli damals ebenfalls, dass eine Mehrheit der befragten Ärzte davon ausging, dass sich der Gesundheitszustand der in Deutschland lebenden Kinder in den letzten zehn Jahren weiter verschlechtert hätte.

Etwa 97 Prozent und damit fast alle der damals befragten Kinderärzte hätte eine Zunahme bei "psychischen Problemen" und bei Verhaltensauffälligkeiten in den vergangenen zehn Jahren feststellen können, hieß es. Um die 95 Prozent der Befragten gab zu verstehen, dass Übergewicht ein größer gewordenes Problem sei. Einen Anstieg bei der Zahl von Kindern mit motorischen Problemen registrierten 87 Prozent der Kinderärzte.

Der deutsche Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) hatte deutlich gemacht, dass er stärker gegen das Übergewicht bei vielen Kindern vorgehen wolle. Eine solche Entwicklung dürfe man "nicht einfach hinnehmen", so Bahr im Sommer vergangenen Jahres gegenüber der "Bild am Sonntag". Als Ursache kritisierte der Minister vor allem falsche Ernährung und zu wenig Sport.

Die Organisation Foodwatch hatte kürzlich moniert, dass sog. "Kinderlebensmittel" kaum einen Beitrag zur ausgewogenen Ernährung leisten. Man kritisierte im vorgestellten Marktcheck "Kinder kaufen", dass derartige Produkte eher der Fehlernährung und damit Übergewicht und Krankheiten wie Diabetes Tür und Tor öffnen. "Die Lebensmittelindustrie stellt die Kinderernährung auf den Kopf", warnte Foodwatch.

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