Deutsche Bahn nimmt Kampf gegen Anglizismen auf


(C) Alex van Herwijnen, 2010, Bild: flickr (nicht portiert) (CC BY-NC-SA 2.0)

Die Deutsche Bahn wolle nun den Kampf gegen die Anglizismen aufnehmen. Als Anglizismus bezeichnet man den Einfluss der englischen Sprache (eine ursprünglich in England beheimatete germanische Sprache - Zweig der indogermanischen Sprachfamilie) auf andere Sprachen. Laut der Zeitung "Welt am Sonntag" würden entsprechende Leitlinien das Prinzip einer möglichst durchgängigen Verwendung der deutschen Sprache festlegen.

Demnach soll die Verwendung von Anglizismen möglichst "eingegrenzt" werden, berichtet man. Ein Bahn-Sprecher gab zu verstehen, dass man den Mitarbeitern ein Glossar zum Thema Anglizismen an die Hand gegeben hätte. Mit diesem sollen sie ihren alltäglichen Sprachgebrauch "kritisch unter die Lupe" nehmen. Dies auch deshalb, um somit "eine inflationäre Verwendung englischer und scheinenglischer Begriffe zu bremsen", heißt es.

Dieses Glossar, eine Liste von Wörtern mit beigefügten Erklärungen oder Übersetzungen, enthält rund 2.200 verbreitete Begriffe mit den jeweiligen deutschen Entsprechungen. Im Vorfeld hatte die Deutsche Bahn ihre sogenannten "Service Points" in "DB Information" umbenannt. Dies bezeichnet den zentralen Informationsschalter an großen deutschen Bahnhöfen. Der sogenannte "Counter" ist wieder zum "Schalter" mutiert.

Die neuen Regelungen würden dabei nicht nur für Ansprachen gelten, sondern auch für die Mitarbeiter untereinander. Dazu erklärte der Sprecher der Deutschen Bahn, laut "Welt am Sonntag": "Auch intern reden wir statt von Flyern nun von Handzetteln und Broschüren".

Für etwa herausragende Leistungen wolle man nicht mehr Begriffe wie "Highlights" verwenden und die sog. "Hotlines" wurden im Zuge des Transformationsprozesses zu "Service-Nummern". Bei "Call-a-Bike" wolle man künftig als weitere Erläuterung hinzufügen: "Das Mietrad-Angebot".

Auch wolle man es nun mit der Rechtschreibung ein wenig genauer nehmen, heißt es. Demnach soll das "ReiseZentrum" zum "Reisezentrum" verwandelt werden - also mit einem "kleinen z". Mit der bisherigen Entwicklung sei der Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU), welcher die Pflege der Sprache in seinem Ministerium und bei ihm unterstellten Behörden und Unternehmen im Jahr 2010 begonnen hatte, zufrieden. Man müsse bei den Anstrengungen mit Augenmaß vorgehen, erklärte Ramsauer der Zeitung. Den Intercity-Express, kurz ICE, wolle er nicht umtaufen. "Hier lässt sich das Rad nicht mehr zurückdrehen".

Im Jahr 2010 hatte der Bahn-Chef Rüdiger Grube in einem Brief an den CSU-Bundestagsabgeordneten Ernst Hinsken versichert, weniger englische Ausdrücke verwenden zu wollen. Hinske hatte sich damals über die Verwendung des Begriffs "Kiss & Ride" (was ggf. auf sexuelle Tätigkeiten schließen lassen könnte) für Kurzzeitparkzone am Bahnhof der niederbayerischen Stadt Straubing beschwert.

Laut einem damaligen Schreiben von Mitte Januar hieß es bereits, dass Handzettel oder Broschüren nicht mehr als "Flyer" bezeichnet werden sollten und Schalter nicht mehr als "Counter". Hier betonte man ebenfalls, dass etablierte Markenbezeichnungen wie "BahnCard" oder "Intercity" ausgenommen wären.

Bezüglich der "Sprache" hieß es Ende 2009, dass eine neue Studie zeigte, dass deutsche Verbraucher auch oft die Sprache von etwa Banken nicht verstünden. So enthielten verschiedene Veröffentlichungen häufig so viele Fachwörter, Anglizismen und komplizierte Sätze, "dass man eigentlich einen Hochschulabschluss benötigt, um sie richtig zu verstehen", hatte damals das Kommunikationsforschungsinstitut Communication Lab erklärt. Der Verein Deutsche Sprache e.V. (VDS), mit Sitz in Dortmund, merkte damals zur Thematik an, dass wer seine Angebote an die Allgemeinheit ausrichte, der solle doch Fachsprachen und Anglizismen so selten wie nur möglich verwenden und lieber durch verständliche deutsche Wörter ersetzen.

  
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