Devisenmarkt: Behörde könnte Manipulation vermuten


Financial Conduct Authority

Medienberichten zufolge hat die Finanzaufsicht von Großbritannien in der Finanz- und Bankenbranchen nun wegen mutmaßlichen Manipulationen auf dem Devisenmarkt Ermittlungen eingeleitet. Laut einem Sprecher der Financial Conduct Authority (FCA) befindet man sich "in Gesprächen" mit den "relevanten Parteien".

Die FCA selbst wollte keine näheren Angaben zu den Untersuchungen machen. Im Vorfeld hatte die Financial Times berichtet, dass die Financial Conduct Authority (FCA) in London mehrere Anfragen an Banken mit großem Devisengeschäft am dortigen Finanzplatz gerichtet hätte.

Man hegt demnach den Verdacht, dass Banken entsprechende Informationen von geplanten großen Devisengeschäften nutzten, welche sie im Auftrag ihrer Kunden abwickeln sollten, um so für sich selbst Vorteile bei Devisengeschäften zu erzielen. Man hätte die eigenen Geschäfte durch den zeitlichen Vorsprung und Informationen über geplante Kundengeschäfte abgewickelt.

Banken würden nun ihre "zurückliegenden Geschäfte" prüfen, um nach möglichen Kommunikationen ihrer Devisenhändler Ausschau zu halten, ob sich dort ggf. Hinweise zu Manipulationen ergeben. Die FCA selbst wollte in der Sache zuletzt keine Namen von Banken bestätigen.

Laut der Nachrichtenagentur "dpa" hätte ein Sprecher der Behörde mitgeteilt: "Uns ist bekannt, dass Vorwürfe erhoben wurden und wir sprechen mit den beteiligten Parteien". Jene Gespräche hätten jedoch nicht den Status von "Vorermittlungen", heißt es.

Mit Blick auf den Devisenmarkt könnten sich schon geringe Manipulationen "groß" auswirken, da hier täglich enorme Summen im Bereich von mehreren Billionen Euro gehandelt werden. Der Devisenmarkt gilt auch als größter Finanzmarkt der Welt.

Die Finanznachrichtenagentur Bloomberg hatte berichtet, man hätte von fünf "Insider"-Personen erfahren, wie die Sache mit den Manipulationen abgelaufen sein soll. Diesen Angaben zufolge wären darin involvierte Personen den Aufträgen ihrer Kunden zuvorgekommen.

Sie hätten die WM/Reuters-Devisenkurse manipuliert, heißt es. Man führte entsprechende Transaktionen vor und während des 60-sekündigen-Zeitfensters aus, in dem Kurse festgesetzt werden. Die ehemaligen und noch heutigen Händler wollten namentlich nicht genannt werden. Die WM/Reuters-Schlusskurse werden alle Stunde oder für die 21 wichtigsten Währungen sogar jede halbe Stunde festgelegt.

Jene Personen berichteten demnach auch, dass man sich mit Kollegen abgesprochen hätte, um die Chancen zu manipulativen Zwecken zu verbessern und dadurch die Kurse zu beeinflussen. Am Devisenmarkt werden um die 4,7 Billionen US-Dollar täglich gehandelt. Er gilt gleichzeitig als der am wenigsten regulierte Markt.

Die mutmaßlich manipulierten Benchmark-Wechselkurse werden auch verwendet, um Investments (wie Derivate und Fonds) im Volumen von mehreren Billionen Dollar zu bewerten. Bei entsprechenden Manipulationen beläuft sich der verkettete Schaden, sollte dies so geschehen sein, auf "interessante Summen".

State Street, ein US-amerikanisches Unternehmen mit Firmensitz in Boston und WM-Mutterkonzern, hatte laut Medienberichten die aufgekommenen Vorwürfe zurückgewiesen. Demnach sei der Prozess zum Erfassen der Daten und der Berechnung anonym und automatisiert. Ebenfalls würden die Kurse, laut eigenen Angaben, genau auf ihre Qualität und Präzision hin überprüft.

  
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