Ehemaliger Bürochef von Christine Lagarde in Polizeigewahrsam genommen


(C) Cyril Plapied, 2007, Bild: flickr (nicht portiert) (CC BY-NC-SA 2.0)

In der Finanzaffäre um Christine Lagarde, derzeitige Chefin des Internationalen Währungsfonds, sei einem Medienbericht zufolge ihr ehemaliger Bürochef, aus der Zeit Lagardes als französische Finanzministerin, in Polizeigewahrsam genommen worden.

Bei der Person handelt es sich um den aktuellen Chef des Telefonkonzerns Orange, Stephane Richard. Zudem sei auch der ehemalige Chef der Finanzgesellschaft CDR, Jean-Francois Rocchi, in Gewahrsam der Polizei verhört worden, heißt es laut Justizkreisen in Paris.

In der Sache geht es um den Verkauf des Sportartikelkonzerns Adidas an eine Investorengruppe. An der Gruppe war damals auch die staatliche Bank Credit Lyonnais beteiligt. Vollzogen wurde der Verkauf durch den Unternehmer Bernard Tapie. Dieser hatte nachfolgend Privatinsolvenz anmelden müssen. Er warf der Bank vor, ihn bei dem Geschäft "übervorteilt zu haben".

Tapie klagte auf Entschädigung. Um den Rechtsstreit zu beenden, hatte die damalige Finanzministerin Lagarde im Jahr 2007 ein Schiedsgericht anrufen lassen. Dieses sprach dem Unternehmer Tapie schließlich Schadenersatz in Höhe von 285 Millionen Euro zu, mit Zinsen rund 400 Millionen Euro.

Experten hatten dazu geraten, gegen den Schiedsspruch Widerspruch einzulegen. Lagardes Entscheidung, gegen den Schiedsspruch keinen Widerspruch einzulegen, war umstritten. Seit August 2011 laufen nun in der Sache Ermittlungen gegen die heutige IWF-Chefin. Dies unter der Führung bezgl. "Beihilfe zur Fälschung" und "Beihilfe zur Veruntreuung öffentlicher Gelder". Lagardes Vorgänger an der Spitze des IWF, der französische Sozialist Dominique Strauss-Kahn, war 2011 nach Vergewaltigungsvorwürfen zurückgetreten.

Erst im vergangenen Monat (Mai) war Christine Lagarde einem formellen Ermittlungsverfahren entgangen. Man berief sie als Zeugin mit Rechtsbeistand. Dies ist eine Zwischenstufe einer beschuldigten Person und eines Zeugen in Frankreich. Ermittler hegen jedoch den Verdacht, dass der Unternehmer Bernard Tapie eine Vorzugsbehandlung erhalten haben könnte.

Dieser hatte im Jahr 2007, beim Präsidentschaftswahlkampf, den Konservativen Nicolas Sarkozy unterstützt. Der Chef des Telefonkonzerns Orange, Stephane Richard, versicherte erst kürzlich, dass es damals weder eine Anordnung, Anleitung oder besonderen Druck aus dem Elysee-Palast von Sarkozy in der Sache gegeben hätte.

Im Mai erklärte Tapie gegenüber der Zeitung "Le Parisien", dass Lagarde dem französischen Staat mit der Anrufung des Schiedsgerichts Zahlungen in Höhe von "mehreren Milliarden Euro" erspart hätte. Ihm sei von der damaligen Entschädigungszahlung abzüglich der Begleichung seiner Schulden und Steuern "deutlich weniger als 100 Millionen Euro" geblieben, sagte er.

Im direkten Zusammenhang mit der Affäre gab es in den vergangenen Monaten eine Reihe von Durchsuchungen. Die Wohnräume von Christine Lagarde wurden Ende März 2013 durchsucht. Der IWF sprach ihr kurz darauf das Vertrauen aus. Ebenfalls wurden in der Sache Wohn- und Büroräume von Claude Gueant durchsucht, welcher zum damaligen Zeitpunkt der Affäre unter dem ehemaligen franz. Staatschef Nicolas Sarkozy Generalsekretär im Präsidentenpalast war.

  
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