Deutschland: Hochwasser trifft auch Ostdeutschland mit voller Wucht


(C) MV, 2013, Bild: flickr (nicht portiert) (CC BY 2.0)

Nach den massiven Regenfällen trifft die Hochwasser-Welle den Osten Deutschlands nun mit voller Wucht. Die steigenden Wassermengen drohen Dämme einzudrücken, heißt es laut deutschen Medienberichten. Besonders heikel sei die Lage in Teilen Sachsens, Sachsen-Anhalts und Brandenburgs.

In Halle (Saale) z.B. hätte die Landesregierung von Sachsen-Anhalt etwa 30.000 Menschen empfohlen, ihre Häuser vorsorglich zu verlassen. Hier beträgt der Pegelstand mehr als acht Meter. "Seit 400 Jahren ist das der höchste Stand", betonte ein Sprecher der Stadt.

In Dresden wurden zuletzt etwa 1000 Menschen in Sicherheit gebracht. In einigen Straßenzügen sei der Strom abgeschaltet worden. Das Landeshochwasserzentrum teilte laut Medienberichten mit, dass der Pegel der Elbe einen Stand von 8,05 Metern erreicht habe, normal seien etwa zwei Meter.

Mittlerweile hat das Hochwasser der Donau, Elbe und Saale tausende Menschen aus ihren Häusern vertrieben. Im deutschen Bundesland (Freistaat) Bayern wurden mehrere Ortschaften überschwemmt. Hier gingen die Pegelstände zuletzt wieder zurück. Entlang der Donau in Niederbayern sind jedoch weiterhin viele Orte überschwemmt. Zuletzt durchquerte der Scheitel der Hochwasserwelle Deggendorf.

An der Elbe wurden durch die Fluten besondere Maßnahmen zum Schutz des abgeschalteten Atomkraftwerks Krümmel erforderlich, heißt es laut Spiegel. Demnach sei die Belegschaft dort darauf vorbereitet, erstmals in der Geschichte des Kraftwerks die Fluttore zu schließen. "Krümmel verfügt über einen speziellen und umfassenden Hochwasserschutz und ist bestens für alle absehbaren Pegelstände gerüstet", sagte ein Vattenfall-Sprecher laut dem "Manager Magazin Online" (zitiert bei Spiegel-Online).

In Sachsen und Sachsen-Anhalt sind zahlreiche Gemeinden betroffen. Es liefen demnach in mehreren Landkreisen Evakuierungsmaßnahmen entlang der Flüsse. Bedrohlich entwickelte sich zuletzt auch die Situation in Brandenburg. Laut der Nachrichtenagentur AFP brach in Arnsnesta im Elbe-Elster-Gebiet an der Grenze zu Sachsen-Anhalt ein Deich.

In den deutschen Flutgebieten seien zehntausende Helfer von Bundeswehr, Polizei, Feuerwehren, Bundespolizei und anderen Hilfsorganisationen im Einsatz. Diese werden auch teils durch freiwillige Helfer unterstützt. Im bayerischen Landkreis Deggendorf (Donau) seien schwere Schäden entstanden. Es wurden mehrere gefährdete Ortschaften mit etwa 6000 Menschen geräumt.

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte zuletzt geschädigten Bürgern Gelder des Bundes zugesagt. Man wolle demnach 100 Millionen Euro Soforthilfe für sämtliche betroffenen Regionen in Deutschland geben. Laut Merkel stelle der Bund 50 Millionen Euro für unbürokratische Soforthilfe bereit. Der Freistaat Bayern würde weitere 50 Millionen zusteuern.

Deutschland verzichtet offenbar bislang weitgehend auf Unterstützung durch die Europäische Union. Das Krisenreaktionszentrum in Brüssel hätte zuletzt noch keine Anfragen aus Deutschland oder den ebenfalls betroffenen Ländern Österreich und Tschechien für direkte Unterstützung erhalten.

In den deutschen Hochwassergebieten sollen auch französische und niederländische Soldaten helfen. Das für den "militärischen Flut-Einsatz" zuständige Bundeswehr-Kommando teilte dazu mit, dass es sich um etwa 200 Einsatzkräfte aus den beiden Nachbarsländern handelt. Darunter wären auch Pioniereinheiten. Etwa 5600 Soldaten der Bundeswehr sind in den überfluteten Gebieten im Einsatz.

Seitens der politischen Opposition hieß es zuletzt durch "Die Linke", über den Vorsitzenden Bernd Riexinger, dass die von der Bundesregierung geplante 100-Millionen-Soforthilfe nicht weit genug gehen würde. Nach der damaligen "Jahrhundertflut" von 2002 hätten Bund und Länder "sehr schnell" fast acht Milliarden Euro mobilisieren können. Auch dieses Mal werde wohl eine ähnliche Größenordnung notwendig sein.

Laut Riexinger sei man für eine Neuauflage des sog. "Fluthilfefonds". Er schlug ebenfalls vor, dass bundesweit die Schuldenbremse ausgesetzt wird und dass man einen zeitlich befristeten "Flut-Cent" auf jeden Euro über 100.000 Euro Jahreseinkommen erheben müsse. Vermögende sollen sich demnach direkt über eine solche Abgabe an der Wiederaufbauhilfe beteiligen.

  
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