Entzug: Forderung nach Erstattungen für Raucher


(C) Thomas Lieser, 2009, Bild: flickr (nicht portiert) (CC BY-NC-SA 2.0)

In Deutschland sollen Medikamente wie auch Rauchertherapien gegen das sog. Entzugssyndrom (ew. das Absetzen oder eine Dosisreduktion von psychotropen Substanzen) künftig von den Krankenkassen bezahlt werden. Man bereitet einem Medienbericht zufolge durch den Wissenschaftlichen Aktionskreis "Tabakentwöhnung" aktuell Musterklagen gegen Krankenkassen vor.

"Wir wollen wissen, ob die Gesetzeslage dem Gleichbehandlungsgebot und dem Recht auf gesundheitliche Unversehrtheit und Behandlung widerspricht. Deshalb werden die Klagen auch so vorbereitet, dass sie gegebenenfalls von Sozialgerichten direkt zur Entscheidung an das Bundesverfassungsgericht [BVerfG] weitergeleitet werden könnten", sagte einer der Initiatoren der Aktion, Professor Stephan Mühlig, der "Freien Presse".

Der Professor ist Geschäftsführender Direktor des Instituts für Psychologie an der Technischen Universität Chemnitz. Hintergrund des Vorstoßes der Wissenschaftler und Mediziner sei die Tatsache, dass in Deutschland bei der Behandlung von Suchtkranken mit zweierlei Maß gemessen wird.

Für Alkohol- und Drogenabhängigkeit würde es in Deutschland seit Jahrzehnten eine Anerkennung der Suchtkrankheit geben. Diese werden demnach auch vom Gesundheitssystem finanziert. Das deutsche Sozialgesetzbuch (SGB) würde jedoch die Tabakentwöhnung als "Wellness"-Behandlung einstufen.

Die Krankenkassen dürften wegen der Einstufung als "Wellness"-Behandlung keine Therapieleistungen bezahlen. Mechthild Dyckmans (FDP), die Drogenbeauftragte der deutschen Bundesregierung, würde dem Bericht zufolge die Forderung der Mediziner unterstützen.

Laut Dyckmans würde das Rauchen ein bedeutender Risikofaktor für eine Vielzahl von Erkrankungen und auch vorzeitigem Tod sein. Als Drogenbeauftragte der Bundesregierung hätte sie sich in den vergangenen Jahren "intensiv mit Fragen der Suchtabhängigkeit und den erforderlichen Behandlungsansätzen beschäftigt".

Demnach kam man zu Ergebnissen, "die so von der Bundesregierung noch nicht geteilt werden". Dyckmans unterstütze den Vorstoß, dass man Tabakabhängigkeit als behandlungsbedürftige Suchterkrankung anerkennen sollte. Wie etwa auch die Alkoholabhängigkeit führe die Tabakabhängigkeit "zu schwerwiegenden Folgeerkrankungen und gehört spätestens dann in ärztliche Hände", sagte sie.

Man sollte alles dafür tun, dass diesen schwer erkrankten Menschen diejenige Behandlung zukommt, welche benötigt wird. Nicht jedes Nikotinpflaster, aber ärztlicherseits angeordnete Entwöhnungsbehandlungen und entsprechende verordnungspflichtige Medikamente bei einer vom Arzt diagnostizierten Abhängigkeitserkrankung, müssten dann auch erstattungsfähig sein", sagte Dyckmans der Zeitung.

  
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