Deutschland: SRU rät vom Fracking ab


(C) Daniel Foster, 2013, Bild: flickr (nicht portiert) (CC BY-SA 2.0)

Der Sachverständigenrat für Umweltfragen, ein wissenschaftliches Beratungsgremium der deutschen Bundesregierung, hat sich nun gegen die Förderung von Schiefergas aus schwer zugänglichen Gesteinsschichten ausgesprochen. Demnach hätte das sogenannte "Fracking" in Deutschland keinerlei energiepolitischen Nutzen. Der Rat berät seit 1972 die Bundesregierung in Umweltfragen.

Ebenfalls sei die Förderung mittels dieser Technik noch nicht ausreichend erforscht. "Fracking leistet keinen Beitrag zur Energiewende", sagte der SRU-Vorsitzende Martin Faulstich (u.a. CUTEC GmbH, ifo Institut, PIK oder ISEU).

Der Sachverständigenrat kam zu dem Ergebnis, dass die Gewinnung von Schiefergas in Deutschland nicht die Energiepreise senken wird und auch kein "nennenswerter Beitrag" zur Versorgungssicherheit dadurch geleistet wird. Es würde demnach aus deutscher Sicht heraus kein energiepolitisches Interesse daran bestehen, an der umstrittenen Förderung von Erdgas aus schwer zugänglichen Gesteinsschichten festzuhalten. Ebenfalls werde der "Nutzen" für die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie "überzeichnet".

Beim Fracking wird Gas mit einer speziellen Technologie aus dem Schiefergestein tief unter der Erde gelöst. Weil auch Chemikalien eingesetzt werden, ist diese Technik umstritten, da möglicherweise Trinkwasser/Grundwasser verunreinigt werden könnte.

Der Rat verwies ebenfalls auf teils "erhebliche Wissenslücken", was mögliche Auswirkungen auf das Klima, Umwelt oder die Gesundheit angeht. Man fordert deshalb, "vorerst" auf die kommerzielle Nutzung der Technologie zu verzichten. Unter strengen Voraussetzungen könnten aber "Pilotprojekte" zugelassen werden.

Diese Pilotprojekte sollten dabei wissenschaftlich transparent sein und begleitet werden. Auch müsse die Öffentlichkeit in die Thematik „Fracking“ mit einbezogen werden. Die Kosten für Probebohrungen und weiteres, für die Pilotprojekte, müssten "selbstverständlich" von der Industrie getragen werden.

Ungeklärt würde laut dem Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) auch noch die "umweltverträgliche Entsorgung" sein, bezgl. der anfallenden Abwässer, die Sicherheit der eingetriebenen Bohrlöcher und Förderanlagen hinsichtlich des Grundwasserschutzes, die langfristigen Folgen des Fracking sowie auch die "Klimabilanz von Schiefergas".

Der SRU-Vorsitzende Martin Faulstich gab zu verstehen, dass derzeit wohl noch nicht einmal erforscht sei, ob Erdgas aus Schiefergestein eine "bessere CO2-Bilanz" hätte als Kohle. Die Sachverständigen verlangten, dass solange die Auswirkungen von Fracking nicht bekannt wären, das sog. "Vorsorgeprinzip" angewandt werden muss.

Der SRU-Sachverständige Christian Calliess (Professor für Öffentliches Recht und Europarecht an der Freien Universität Berlin) gab dazu (Vorsorgeprinzip) an, dass Trinkwasser- und Grundwasserschutzgebiete komplett ausgenommen werden müssten - ohne dass eine "konkrete Gefahr" nachgewiesen werden muss.

  
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