Xbox One von Microsoft - Laut Schaar Gerät zur Überwachung


(C) Kenny Louie, 2009, (symbolisch; kein Bezug), Bild: flickr (nicht portiert) (CC BY 2.0)

Peter Schaar, der deutsche Bundesdatenschutzbeauftragte, sagte nun dem Spiegel, dass die Xbox One ein "Überwachungsgerät" sei. Das Mikrofon und die Kamera wie auch die Gesichtserkennung der Konsole könnten unzählige Informationen zusammentragen.

Dabei könne laut Schaar niemand kontrollieren, was gespeichert wird und was mit den Daten passiert. Die Xbox One ist für Weihnachten 2013 angekündigt worden. Dem Spiegel sagte er, dass diese neue Konsole dem Benutzer als "Spielgerät" ausgeliefert wird. In Wahrheit würde Microsoft jedoch ein "Überwachungsgerät" in den Markt drücken.

Demnach würde die neue Xbox alle möglichen persönlichen Informationen der Anwender registrieren, wie die Reaktionsgeschwindigkeiten, die Lernfähigkeit und die emotionalen Zustände der Spieler. Der Benutzer einer Konsole könne wohl nicht kontrollieren, was im Endeffekt mit den Daten geschieht. Diese werden nämlich auf einem externen Server gespeichert und verarbeitet. Möglicherweise sogar an Dritte weitergegeben.

Laut eigenen Angaben durch Microsoft wolle man wissen, was die Benutzer "beschäftigt". Die neue Xbox solle nicht nur ein All-in-One Unterhaltungselektronik-Gerät sein, sondern gleichermaßen auch als Marktforschungsinstrument benutzt werden. Damit würde das US-amerikanische Unternehmen jedoch wissen, was ein Benutzer spielt, welchen Fernsehsender er ansieht und vieles mehr.

Besonders würde dem deutschen Bundesdatenschutzbeauftragten Peter Schaar beunruhigen, dass die Mikrophone zur Steuerung der Xbox One auch im Standby-Modus eingeschaltet bleiben. Microsoft sei demnach nicht an der "Gestaltung" der Räumlichkeiten der Benutzer interessiert, sondern an den Konsumgewohnheiten.

Die neue Konsole könne demnach registrieren, zu welcher Uhrzeit ein Benutzer vor dem Fernseher sitzt und ebenfalls, wer Werbespots aufmerksam anschaut oder lieber aufsteht und vieles mehr. Der Marketingchef von Microsofts Xbox, Yusuf Mehdi, gab zur Thematik zu verstehen: "Die Xbox weiß, wer Sie sind, was Sie wollen und wann Sie es wollen".

Eine zentrale Datenbank mit biometrischen Daten der Benutzer plane man derzeit wohl aber nicht. Die Gesichtserkennung würde laut Microsoft auf der Konsole laufen und nicht über die Cloud. Trotz dieser Äußerung kann die neue Konsole über Kinect erkennen, welche Person das Gerät bedient. Auch wie deren Stimmung ist, heißt es.

Man könne beispielsweise analysieren, welche Bestandteile eines neuen Xbox-Spiels oder einer neuen Fernsehserie beim Publikum besonders gut oder schlecht ankommen oder ob die Zuschauer über Witze lachen könnten. Die Daten sind dabei nicht nur für Hersteller von TV-Serien oder Spielen eine interessante Datenquelle. Auch die Werbebranche dürfte interessieren, wie Zuschauer auf Werbespots reagieren. Auch wäre möglich, dass über drei Ecken staatliche Strukturen "nützliche" Datensätze beziehen könnten, um "gewisse Dinge" aus diesen abzuleiten.

Man könne im Detail erfahren, was die Leute so beschäftigt, tönte es von der Seite des Leiters der Microsoft-Studios, Phil Spencer. Mit Hilfe der Kamera würden laut seinen Angaben die Grenzen zwischen den Konsumenten und Produzenten entfernt. Erst kürzlich hieß es, dass Microsoft künftig im Segment "TV" eine Rolle einnehmen könnte, welche derzeit Google im Internet einnimmt.

Ob die über die Xbox One gesammelten Daten jemals gelöscht würden, könnten die Betroffenen nicht beeinflussen, sagte der Bundesdatenschutzbeauftragte Schaar. Befürchtungen, wonach Microsoft mit Hilfe der neuen Konsole auch Gespräche abhören könnte, hielt er aber für übertrieben. "Dass Microsoft jetzt mein Wohnzimmer ausspioniert, ist bloß eine verdrehte Horrorvision", sagte er.

Mit der neuen Version seiner Spielkonsole Xbox möchte Microsoft "intelligentes Fernsehen", Internet und Videospiele in neuer Qualität in einem einzigen Gerät bündeln. Die Xbox One solle für "eine neue Generation im Wohnzimmer" stehen, sagte Microsoft-Manager Don Mattrick. Die Konsole ermöglicht z.B. auch Videotelefonate über den Onlinedienst Skype. Das Gerät würde sich zudem natürlicher über Sprachbefehle und mit Bewegungen steuern lassen.

Mit Blick auf die Konkurrenz hieß es z.B. bei der Playstation 4 von Sony, dass man "einen merklichen Schritt" weg von einer "Box oder Konsole" hin zu einem "führenden Ort zum Spielen" gehen wolle. Sony werde "das mächtigste Spielenetzwerk der Welt" schaffen. Nutzer könnten sich beim Spielen mit Freunden verbinden. Spiele könnten direkt über das Internet bezogen werden. Auch eine Verbindung mit sozialen Onlinenetzwerken sowie Zugänge für Smartphones und Tabletcomputer seien geplant. Die Playstation 4 sei ein Schritt in die "Zukunft des Spielens", sagte der Chef der Unterhaltungssparte von Sony, Andrew House. Das Gerät wurde im Februar 2013 als offizieller Nachfolger der PlayStation 3 angekündigt. Die Veröffentlichung ist für Ende 2013 geplant.

  
Bücherindex Bild Link

Weitere Inhalte