Konrad: Zweifel an Überlebensfähigkeit des Euros


(C) David Ausserhofer, 2007, Bild: Wikipedia (CC BY-SA 3.0)

Nach Ansicht des Vorsitzenden Kai Konrad, des Wissenschaftlichen Beirats beim deutschen Bundesfinanzministerium, sieht dieser, dass der Euro nur eine mittelfristige Zukunft hätte.

Gegenüber der Welt am Sonntag gab Konrad zu verstehen: "Dem Euro gebe ich mittelfristig nur eine begrenzte Überlebenschance". Er sehe aus aktueller Sicht heraus, dass ein Zeitraum von fünf Jahren gegeben sei, eine solche mittlere Frist sei realistisch.

Ebenfalls sprach sich Konrad dagegen aus, die im Maastricht Vertrag festgelegte Schuldenobergrenze von 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in Europa neu etablieren zu wollen.

Dazu sagte er: "Ein solches Comeback würde nichts bringen. Im Gegenteil gilt: Wenn man versucht, solche Auflagen Mitgliedsstaaten aufzuzwingen, schafft man Ressentiments und riskiert am Ende das Projekt Europa".

Ebenfalls müsse man rückblickend feststellen, dass gar die Schwelle von 60 Prozent in Europa noch zu hoch gegriffen sei. Denn die europäischen Wachstumserwartungen hätten sich in den zurückliegenden zwanzig Jahren nicht erfüllt.

Wer schwach wächst, darf "erst recht nicht viel Schulden machen", merkte Konrad an. Auch zur Debatte um eine "richtige Sparpolitik" äußerte sich der Direktor am Max-Planck-Institut für Steuerrecht und Öffentliche Finanzen München.

Dies nachdem bekanntgeworden war, dass sich der bekannte Ökonom Kenneth Rogoff in einer wichtigen Studie zur Verschuldung von Staaten verrechnet hatte. Dazu merkte Konrad an: "An der Notwendigkeit, stärker zu sparen, kann es in Europa keinen Zweifel geben. Das Ergebnis von Rogoff und Reinhart ist überinterpretiert worden. Nachhaltigkeit kann man nicht an einer einzelnen Zahl festmachen".

Person: Kai A. Konrad ist ein deutscher Wirtschaftswissenschaftler mit dem Schwerpunkt der Finanzwissenschaft. Seit 2009 ist er Wissenschaftliches Mitglied der Max-Planck-Gesellschaft. Seit dem Jahr 2011 ist er Direktor am Max-Planck-Institut für Steuerrecht und Öffentliche Finanzen. Kürzlich unterzeichnete Konrad einen Aufruf an die deutsche Bundesregierung, über eine geordnete Insolvenz Griechenlands nachzudenken.

  
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