Lateinische Münzunion gecrasht - Griechenland war schon damals ein Problem


Lateinische Münzunion

Anbei finden Sie einen Videobeitrag von Prof. Dr. Norbert Geng. Eine einleitende Abschrift aus dem gehaltenen Vortrag finden Sie ohne Korrekturen zur lateinischen Münzunion aus dem Redefluss von Geng im Anhang.

Damals wollte der Aristokrat Napoleon III. die Gründung der Lateinischen Münzunion 1865 als neuen Maßstab für die Welt vorantreiben. Seine Vision: Ein Weltgeld mit dem Franc als Anker. Das 19. Jahrhundert war ein Jahrhundert der Währungsunionen.

Auch jene "Union" sollte ein gewünschtes tausendejähriges Reich formen. Wie viele andere Utopien, wurde jedoch nichts daraus. Obwohl jene Union nie funktionierte, vegetierte sie jedoch mehr als 60 Jahre lang vor sich hin. Sie überstand auch die große Depression der 1870er-Jahre und die Baring-Krise von 1890.

Erst die Katastrophe des Ersten Weltkrieges und der darauffolgende wirtschaftliche Kollaps führten mit ein paar Jahren Verspätung zum Ende im Jahr 1927. Eine nicht funktionierende Währungsunion kann erstaunlich langlebig sein. Zum 1. Januar des Jahres 1927 setzte auch die Schweiz als letztes Land die Münzen der anderen Staaten außer Kurs.

Prof. Dr. Norbert Geng:

Die EU ist nicht Europa. Brüssel erhebt [jedoch] dauernd einen Alleinvertretungsanspruch in Sachen Europa und suggeriert dadurch eine Identität von "Europa" und EU. Was ist denn überhaupt Europa? Darüber kann man sich, je nach politischer Auffassung, natürlich streiten und wird nie zu einem Konsens gelangen. Eines steht aber fest. Europa hat es als irgendwie geartete staatliche oder sonstige Einheit in der Geschichte nie gegeben.

Die EU wurde am Reißbrett entworfen, nach zwei Weltkriegen die ihren Ausgang in Europa hatten. Europa sollte ein Kontinent des Friedens und des wirtschaftlichen Wohlstands werden. Die europäische Einigung sollte eine Wiederholung dieser blutigen Geschichte verhindern.

Mit dem abstrakten Ziel, dass Frieden und Wohlstand gelten solle, denn damit könne sich ja jeder identifizieren. Das heißt aber noch lange nicht, dass die EU das Maß aller Dinge und der alleinselig machende Weg in Europa ist.

Es ist sehr typisch für politische Utopien, dass sie alles umfassen und dass sie behaupten, den genauen Weg dorthin zu wissen. Und sie wissen auch, dass dieser Weg dorthin alternativlos und damit zwingend ist.

Wer das nicht einsieht, wird je nach Ausprägung des politischen Systems liquidiert, ins Irrenhaus gesteckt oder zumindest versucht mundtot zu machen. Der Hinweis auf gemeinsame europäische Traditionen, kulturelle Gemeinsamkeiten und Werte hilft bei der Definition von Europa nicht wirklich weiter.

Danach müsste bspw. Hong-Kong zu Europa gehören, geprägt durch englische Rechts- und Verfassungstradition, steht diese frühere britische Kolonie sicherlich in vielem Europa näher, als bspw. die Türkei.

Gehört denn noch der Kaukasus zu Europa? Der Begriff Europa ist beliebig dehn- und damit manipulierbar. Nicht einmal die geografischen Grenzen lassen sich richtig fassen. Europa hängt also immer von der Definition des Betrachters ab und Brüssel liefert nur eine Version. Brüssel ist weder unfehlbar, noch hat Brüssel die Definitionshoheit. Da nützt es auch nichts, wenn im Vertrag von Lissabon von der Herausbildung eines europäischen Bewusstseins schwadroniert wird.

Wir, Sie und ich, alle die in der derzeitigen EU leben, müssen nach dieser Aussage im Lissaboner-Vertrag, um endlich mental nach Europa zu gelangen, unser Bewusstsein ändern. Und den Parteien kommt bei dieser Bewusstseinsbildung, nach dem Vertrag von Lissabon, die europäische Pflicht zu, in unser Unterbewusstsein einzudringen und uns die Notwendigkeit der EU einzutrichtern.

Ein anderer, vielleicht treffenderer Begriff, für Bewusstseinsbildung wäre vielleicht Gehirnwäsche oder Umerziehung. Und diese Bestimmung im Vertrag von Lissabon, erinnert mich [Sprecher] an die Verfassung der früheren kommunistischen Staaten.

Dort war auch ständig die Rede von der Bewusstseinsbildung unter Anleitung der Partei. Und die Partei nahm, wie heute Brüssel, in Anspruch, immer Recht zu haben und genau zu wissen, was die Zukunft bringen wird.

Wenn jetzt angesichts der durch die EU herbeigeführten Eurokrise die Forderung nach einer Vertiefung der EU erhoben wird, dann soll die Zwangsjacke EU noch enger geschnürt werden. Aber was ist dann mit dem nachhinkenden Bewusstsein der Bevölkerung?

Brüssel, unterstützt von IWF und EZB, nehmen uns deswegen unter dauernden propagandistischen Beschuss. Schließlich gilt es ja am "richtigen" Bewusstsein zu arbeiten. Die EU wird über kurz oder lang Europa zerstören und zu dessen Balkanisierung führen.

Zwangsverbände waren in der Geschichte nie von Dauer. Siehe UdSSR oder [z.B. auch] Jugoslawien. Bei solchen Systemen helfen auf Dauer weder Straflager, Panzer noch eine totalitäre Ideologie und auch Draghis-Euro-Bazooka wird die EU nicht retten.

Mit der Schaffung des Scheingeldes Euro hat die EU-Ideologie ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht. Und die Geschichte scheint sich zu wiederholen. Denn schon einmal gab es in Europa eine derart politisch motivierte Währungsunion.

Damals wie heute war sie ein Projekt der politischen Elite, die sich einredete, ideologisches Wunschdenken könne die Wirklichkeit zum besseren verändern. Gut gemeint ist aber oft schlecht gemacht.

Lassen Sie mich [Sprecher] kurz auf die sog. lateinische Münzunion eingehen. Das war eine Währungsunion, die trat am 01. Januar 1866 in Kraft. Sie wurde von Frankreich, Belgien und der Schweiz gegründet, Italien war auch noch Gründungsmitglied, und am 21. Dezember 1868 trat Griechenland der Währungsunion bei.

Weitere Staaten in Europa, [wie etwa] Bulgarien, Finnland, Rumänien, übernahmen das Währungsregime ohne jedoch der Währungsunion formal beizutreten. Schon damals in den Gazetten [gab es] helle Begeisterung [für] dieses so historische Projekt der lateinischen Münzunion.

Von Antwerpen bis Brindisi konnten Reisende mit derselben Münze bezahlen, ohne das Risiko und Unannehmlichkeiten des Geldwechselns, so z.B. die "Edinburgh Review". Die "Times" hielt die Union für einen sehr wichtigen Fortschritt in der Entwicklung der europäischen Zivilisation und für den "Economist" gab es von nun an keinen Grund mehr, warum jedes Land eine separate Währung haben sollte.

Kommen Ihnen diese Argumente irgendwie bekannt vor? Für den Vize-Präsidenten des französischen Staatsrates war die [geschaffene] Münzunion der erste Schritt zu einer, und jetzt halten Sie sich bitte fest, "Europäischen Union", mit der späteren Gemeinschaftswährung dem "Europ" [nach akustischem Vernehmen].

Er strebte einen europäischen Föderalstaat unter [der] Leitung einer "Europäischen Kommission" an, die von einem "Europäischen Parlament" gewählt werden sollte. Das sind die Originalbegriffe der damaligen Zeit. Großbritannien und Deutschland blieben [damals] dieser Münzunion fern, weil man in diesen Ländern Geburtsfehler klar erkannt hatte.

Nämlich die Möglichkeit der Mitgliedsländer, die Geldmenge beliebig auszuweiten. Also Papier mit Symbolen zu bedrucken. Heutzutage ist das wohl eine Art Baumwollmischung. Mittlerweile ist das auch nicht mehr unbedingt notwendig, denn Geld wird heute mit einem Knopfdruck erzeugt, als elektronische Buchung.

Zunächst machte vor allem Italien von dieser wundervollen Möglichkeit Gebrauch und Griechenland nahm sich an Italien ein Beispiel und begann ebenfalls damit Papiergeld in unbegrenztem Umfang in Verkehr zu bringen. Das brauchten nämlich die griechischen Politiker, um so Wahlgeschenke zu verteilen.

Und im Jahr 1893 verkündete dann der griechische Premierminister, bedauerlicherweise sind wir bankrott. Ökonomen hatten damals schon vor einen Beitritt Griechenlands zur dieser Münzunion gewarnt. Nach den damaligen Auffassungen gefährdeten Misswirtschaft und Korruption den Bestand der Währungsunion.

In keinem Fall ist Griechenland ein wünschenswertes Mitglied der Währungsunion, das Land sei in einem bemitleidenswerten Zustand, wirtschaftlich unseriös, von politischen Streitereien gelähmt und finanziell verrottet - und die Ökonomen sollten Recht behalten.

Was ist dann passiert? Belgien und Frankreich, das waren die solideren Wirtschaften, mit der Schweiz, haben über Jahrzehnte die italienischen und griechischen Defizite finanziert. Da ein Auseinanderbrechen der Union zu erheblichen Verlusten in diesen Ländern geführt hätte.


Den Rest können Sie in Audio-/Videoform unter der folgenden Quelle angucken/anhören. Das Video mit dem Titel "Die EU als Gefahr für Freiheit und Demokratie" stammt von der PDV (Partei der Vernunft, Deutschland). Der Vortrag wurde von Prof. Dr. Norbert Geng am 03. November 2012 in Offenburg gehalten.

 

Weiterführendes:

Welt: Schon 1908 tricksten die Griechen beim Geld

WiWO: Vom Scheitern einer europäischen Währungsunion

Wikipedia: Lateinische Münzunion

Handwörterbuch der Wirtschaftswissenschaft Band 03; Seite 700

  
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