Bericht: Hersteller bauen absichtlich Defekte in Geräte ein


(C) Anatoliy Knyazev, 2005, Bild: flickr (nicht portiert) (CC BY-NC-SA 2.0)

Damit elektronische Geräte wie Kopfhörer, Drucker, Waschmaschinen etc. schneller kaputtgehen, damit nicht nur alle "40" Jahre nachgekauft wird, sollen Hersteller offenbar immer häufiger Schwachstellen in ihre Geräte einbauen.

Dies ist das Ergebnis einer Studie der Grünen-Bundestagsfraktion in Deutschland. In der Saarbrücker-Zeitung berichtet man, dass in dem Gutachten zahlreiche Produkte aufgeführt werden, bei denen die Industrie laut Experten trickst oder täuscht.

Man schreibt, dass Hersteller u.a. Bauteile verwenden, die einen frühzeitigen Defekt auslösen können. Ebenfalls hätte man technische Tricks festgestellt, um so die Nutzungsdauer eines jeweiligen Geräts zu verkürzen.

Den Autoren zufolge würden die Kunden die Leidtragenden dieser "Maßnahmen" sein, welche in immer kürzeren Abständen neue Produkte kaufen müssten. Der Verbraucherexperte Stefan Schridde sagte gegenüber der Zeitung, dass er in den vergangenen Jahren an die 2000 Hinweise ausgewertet habe.

Dem Gutachten zufolge kostet der künstliche Verschleiß derartiger Produkte den Verbrauchern mehrere Milliarden Euro im Jahr. Dorothea Steiner von den Grünen nannte das Vorgehen der Hersteller eine "Schweinerei".

Frühzeitiger Verschleiß verursache "auch immense Müllberge". Die verbraucherpolitische Sprecherin der Fraktion, Nicole Maisch, forderte, das "Gewährleistungs- und Garantierecht" zügig zu überarbeiten.

In dem Greenpeace-Magazin vom Februar vergangenen Jahres schreibt man, dass Hersteller in ihren Produkten "Sollbruchstellen" einbauen würden, damit diese schneller kaputtgehen und Verbraucher gezwungen sind mehr zu kaufen. Beispielsweise Flachbildfernseher sind nach Erfahrungswerten von Experten im Schnitt schon nach wenigen Jahren nicht mehr funktionsfähig - größte Schwachstelle sei das Netzteil.

Auch hätte man beobachten können, dass Hersteller verhindern würden, dass Verbraucher Schwachstellen wie Akkus austauschen können. Oft sei auch die Reparatur des Produkts nicht möglich, weil die Hersteller keine Ersatzteile bereitstellen oder die Reparaturkosten künstlich so hoch setzen, dass eine Reparatur unwirtschaftlich wird.

In dem Magazin heißt es, dass jene Praxis bereits seit vielen Jahrzehnten Anwendung findet. Ein aktenkundiges Beispiel dafür sei etwa der Pakt, den zahlreiche große Glühbirnenhersteller schon im Jahr 1924 eingingen. Hier begrenzte man die Haltbarkeit von Glühbirnen absichtlich auf 1000 Stunden, obwohl schon damals technisch eine wesentlich längere Lebensdauer möglich war.

Laut Antrag (Bundestag-Drucksache 17/8899) zum Thema "Sammlung und Recycling von Elektronikschrott verbessern" würden sich insgesamt Berichte über die geplante Obsoleszenz (das geplante, künstliche Veraltern) von Produkten, insbesondere im ITK-Bereich mehren. Dies widerspricht jedoch dem prioritären Ziel der Abfallvermeidung, wie es im nationalen und europäischen Abfallrecht verankert ist. Aber auch hinsichtlich des Recyclings gibt es erhebliche Defizite.

Weltweit steigt der Abbau und Verbrauch von Rohstoffen von Jahr zu Jahr. Mit jährlich 70 Milliarden Tonnen werden weltweit heute zwei Drittel mehr Rohstoffe verbraucht, als noch im Jahr 1990. Der Pro-Kopf-Ressourcenverbrauch in den Industrieländern liegt derzeit etwa viermal höher als in weniger entwickelten Ländern.

  
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