Welternährung: Phosphor geht zur Neige - Hungergefahr?


Grossindustrielle Phosphorverarbeitung in Marokko: Das Land fördert zusammen mit der Westsahara rund 35 Prozent des weltweiten Phosphors. (Bild: mhobl/flickr.com)

Anders als Stickstoff lässt sich Phosphor nicht künstlich herstellen. Doch der Grundstoff allen Lebens, den Menschen und Pflanzen benötigen, geht langsam aber sicher seinem Ende entgegen. Phosphor ist vor vielen Millionen Jahren entstanden. Wie lange nun die Vorkommen noch ausreichen werden, ist unter Experten umstritten. Die geschätzte Spanne erstreckt sich auf zwischen 50 bis 130 Jahre, was sich erst einmal nicht so schlimm anhören dürfte - für die aktuelle Generation.

Die gut zugänglichen Stätten sind jedoch schon stark ausgebeutet. In vier Ländern lagern rund 80 Prozent der nutzbaren Phosphatreserven, in Marokko, China, Südafrika und Jordanien. Auch in den USA (Florida) oder Russland (Kola-Halbinsel) liegen Vorkommen. Früher fanden sich die Phosphatvorkommen mit der höchsten Konzentration (Nauruit, welches aus Guano entstand) auf der Pazifikinsel Nauru.

Es gibt zwar schon diverse Ansätze Phosphor zurückzugewinnen, doch die Mengen, falls dauerhaft erfolgreich und (u.a. kosten)-effizient, sind eher gering, um so die heutzutage verbrauchten Mengen mit diesen Methoden auch nur ansatzweise befriedigen zu können.

Die Kosten und der Aufwand für die jetzt noch zu erschließenden Lagerstätten werden in die Höhe schießen. Auch erwarten Experten, dass der Phosphorpeak (Moment der max. Phosphorgewinnung) in wenigen Jahren (Stand 2011) erreicht ist. Danach wird man jedes Jahr weniger Phosphor fördern können und die Preise steigen an.

Wozu ein Preisanstieg führt, konnte man in der Vergangenheit gut beobachten. Im Jahr 2008 etwa ereignete sich in der indischen Südwest-Provinz ein Aufstand. Es hatten sich hunderte Bauern zusammengerottet. Straßen wurden blockiert, Sitzblockaden gestartet, Busse in Brand gesetzt, Geschäfte und Lagerhäuser geplündert. Als die Polizei den wütenden Mob attackierte, setzte man Schlagstöcke und Tränengas ein, auch Schüsse fielen, zwei Bauern starben. Bizarr daran ist, dass die plündernden Bauern nicht auf der Suche nach Nahrungsmitteln waren. Auch hatte man es nicht auf teuren Schmuck oder Geld abgesehen. Man wollte einfach ganz gewöhnlichen Dünger haben.

Im Jahr 2010 wurden wissenschaftliche Studien veröffentlicht, die besagen, dass (nach Hochrechnung) im Jahre 2030 die Nachfrage nach Phosphor das Angebot übersteigen wird. Forschungen aus Schweden, Australien und den Vereinigten Staaten künden von einer Katastrophe, die jeden Menschen auf unserem Planeten betreffen dürfte. Die Wissenschaftler sprechen von irrwitzigen Preissprüngen auf den globalen Rohstoffmärkten, von grassierenden Massen-Unruhen und Hungersnöten, sogar Kriegen.

Schon im Jahr 1959 nannte der Biochemiker Isaac Asimov Phosphor das "Nadelöhr des Lebens" und war der Überzeugung, dass dieses Element, welches die Ordnungszahl 15 im Periodensystem und das chemische Symbol »P« trägt, bald zur Neige gehen würde. Doch so richtig ernst genommen wurde er damals nicht. Damals startete ja auch gerade die Green-Revolution (Grüne Revolution).

Als Grüne Revolution wird die in den 1960er Jahren begonnene Entwicklung moderner landwirtschaftlicher Hochleistungs- bzw. Hochertragssorten und deren erfolgreiche Verbreitung in Entwicklungsländern bezeichnet. Die Landwirtschaft industrialisierte sich und kippte tonnenweise Kunstdünger auf die Felder. Die Ernten für den "Welthunger" waren/sind entsprechend dramatisch gestiegen. Doch mit dem zur Neige gehenden Phosphor könnte sich zeigen, dass der Schein trügte. Ohne die heute genutzten Mengen an Phosphor würden die Erträge auf den Feldern stark zurückgehen.

Lange Zeit wurde auch Klärschlamm wegen seiner hohen Nährstoffdichte als Dünger eingesetzt. Doch von dieser Praxis hat man sich weitestgehend verabschiedet, denn zu viele unerwünschte Stoffe konnten auf diesem Weg in die Nahrungskette gelangen, wie Schwermetalle oder organische Verbindungen. Europa ist mit bis zu 90 Prozent auf den Import von Phosphor angewiesen. Nach Angaben der Bundesregierung (Deutschland) importiert man jährlich rund 120.000 Tonnen.

 

Weiterführende Informationen

Bundesregierung Drucksache (17/11486): Phosphatversorgung der Landwirtschaft sowie Strategien und Maßnahmen zur Förderung des Phosphatrecyclings

Video: Zeitbombe Phosphor – stolpern wir dem Untergang entgegen?

Hessischer-Rundfunk: Ernte in Gefahr - Phosphordünger vor dem Aus?

Kostendeckende Rückgewinnung von Phosphor aus Abwasser derzeit nicht möglich (2005)

  
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