NSU Terror: V-Mann sackte sich 180.000 Euro Steuergeld ein


(C) André Karwath, 2011, Bild: Wikipedia (CC BY-SA 2.5)

Im Geheimdienst-Wirrwarr um die entdeckte deutsche Zelle NSU, bei der sich die Hauptzeugen ominöserweise selbst in einem Wohnmobil getötet hatten, kamen bislang durchaus spektakuläre Einzelheiten ans Licht. Nicht nur Sonderschichten bei Aktenvernichtungen, nachdem die Zelle aufflog, Sachsens Sicherheitsbehörden riefen am "Selbstmordtag" pausenlos Zschäpes Handy an und vieles weitere deutet darauf hin, dass hier einiges im "Busch" ist.

In einem aktuellen Bericht von Bild am Sonntag heißt es, dass das Bundesamt für Verfassungsschutz einem V-Mann aus dem NSU-Umfeld rund 180.000 Euro Steuergeld als Honorar gezahlt hat. Dies belegen den Informationen des Blatts zufolge Akten des Verfassungsschutzes. Dies stellt die bislang größte offiziell bekanntgewordene Summe an Steuergeldern dar, die einem V-Mann zugeflossen sind.

In der Sache geht es um eine Person aus dem deutschen Bundesland Sachsen-Anhalt, der unter dem Decknamen Corelli jahrelang für den Verfassungsschutz aktiv war. Laut Bild wurde die Person durch den Verfassungsschutz erst im November 2012 abgeschaltet und in ein Zeugenschutzprogramm gesteckt. Er lebt nun mit neuer Identität im MI5/MI6-Land England.

Corelli spionierte 18 Jahre lang für den Verfassungsschutz. Er war in der rechtsextremen Szene aktiv und sogar bei einem Treffen des Geheimbunds Ku-Klux-Klan in den USA. Die Reisekosten wurden vom Verfassungsschutz bezahlt.

In der vergangenen Woche hatte der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Kenan Kolat, bei Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) kein großes Interesse an einer politischen Aufarbeitung der NSU-Mordserie gesehen.

Zschäpe ist scheinbar die "einzige" die vielleicht für Aufklärung sorgen könnte. Die Überlebende sitzt seit über einem Jahr in Haft, tiefergehende Informationen zu ihren bisherigen Äußerungen fehlen bislang. Verschiedene Journalisten vermuten, dass Zschäpe selbst möglicherweise eine Agentin für den Verfassungsschutz gewesen sein könnte.

Per Limited-hangout wird schwadroniert, dass Zschäpe recht normal gewesen sei. Sie soll laut Internetprotokoll harmlosen Mumpitz angesurft sein, das Tropical Island, Eintrittspreise von Disneyland Paris, Zeltplätze an der Ostsee oder auch argentinisches Essen lag in ihrem Interessensspektrum. Auch für Bushido oder Big Brother und Hartz IV Sätze hätte sie sich interessiert.

Angeblich hätten Mundlos und Böhnhart die Dame Zschäpe kontaktiert, bevor sie sich umbrachten. Dies, um sie zu warnen und aufzufordern, "alle" Beweise zu zerstören. Dagegen spricht die Tatsache, dass Zschäpe am Tötungstag des 4. November 2011 noch von 13:07 Uhr bis 13:26 Uhr die Internetseiten von Greenpeace der Tierschutzaktion “Gegen Pelze” sowie “Biobauern Zwickau” besuchte. Zschäpe soll auch nach Autounfällen des Vortags gesucht haben. Um 13:05 Uhr gab sie natürliche Mittel gegen Übelkeit als Suchbegriff ein. Um 14:20 Uhr hat sie ihren Laptop laut Verlaufsprotokoll ausgeschaltet.

Es ist recht ominös, dass die angeblich gewarnte Zschäpe seelenruhig erst mal Greenpeace-Firlefanz an surft und Biobauern-Schnickschnack begutachtet. Es zeugt eher davon, dass sie vom Schicksal ihrer "Freunde" nichts wusste. Erst nach ihrem frühzeitigen Ableben bekam sie Infos gesteckt, jedoch nicht von den "sich selbst getöteten".

Etwa gegen 15 Uhr soll sie in großer Eile die Wohnung verlassen haben. Bis zu diesem Zeitpunkt gab es weder im Radio oder Internet Meldungen über die Vorgänge in Eisenach-Stregda, sie suchte auch nicht im Internet danach.

Nachdem "Zschäpe" ihre Bude in die Luft jagte, da sie passenderweise in der Schrecksekunde gute Mengen Benzin (Medienberichten zufolge zwischen 5-10 Liter) am Start hatte, was ein ordentliches Loch in die Fassade des Hauses riss und u.a. ihre Wohnung zu Kleinholz verarbeitete, müssten eigentlich sämtliche Beweise dem Erdboden gleich gemacht worden sein - inkl. Zschäpe, zumindest hätte sie irgendwelche Spuren davon tragen müssen - die das Feuer angeblich selbst mit einem Feuerzeug anzündete. Diverse Massenmedien wurden, wie üblich, mit Desinformationen gefüttert, um die Coverstory aufrecht zu erhalten/zu verbreiten. Zschäpe hätte angeblich, so das deutsche Magazin Focus, beim surfen im Internet davon erfahren, dass sich ihre Kollegen im Wohnwagen selbst töteten. Sie hätte die Beweismaterialien ja eigentlich auch mitnehmen können, falls es welche gab.

Nach Böhnhardt, Mundlos und Zschäpe war seit ihrem Untertauchen 1998 gefahndet worden. Vergebens. Angeblich fanden die deutschen Behörden keine Spur, die zu dem Trio führte. Neue Fakten verstärken den Zweifel an dieser offiziellen These. Hinweise gibt Zschäpes Handy. Für den 4. November sind insgesamt 72 Verbindungen registriert. Dies ergab eine so genannte Funkzellenabfrage. Als die Zelle aufflog, riefen Sachsens Sicherheitsbehörden pausenlos bei Beate Zschäpe an.

Dass Beate Zschäpe (u.a. lt. Susann Dienelt) den Brand legte, um Beweismittel zu vernichten, muss angezweifelt werden. Entweder sie wollte die Beweismittel nicht vernichten oder sie hat den Brand gar nicht selbst gelegt. Erst durch die mutmaßliche Brandstiftung machte Zschäpe die halbe Welt auf den Unterschlupf aufmerksam. Hätte sie die Wohnung einfach gekündigt und in Seelenruhe die möglichen Beweismittel fortgeschafft, wären nicht einmal Bezüge zu der bis dahin nur als "Döner-Morde" bekannten Gewaltserie feststellbar gewesen. Außerdem hätte jeder, der sich mit Waffen auskennt, gewusst, dass ein Feuer keine Waffen zerstört. Die aber hat sie zurückgelassen. Und noch seltsamer: DVDs, Briefumschläge und auch USB-Sticks, die sie als angebliche Beweismittel-Vernichterin getrost den Flammen hätte übergeben können, wurden danach in der Ruine gefunden.

Mehr als 13 Jahre lang lebte Zschäpe im Untergrund. Dabei benutzte sie mindestens neun Deck- und Aliasnamen. Sie nannte sich „Susann Dienelt“, „Lisa Dienelt“, „Lisa Pohl“, „Liese Pohl“, „Sylvia Pohl“, „Mandy Struck“, „Silvia Rossberg“ und „Susann Eminger“. Auch ein Personalausweis, ausgestellt auf Bärbel B. aus Braunschweig, befand sich in ihrem Besitz.

Am 8. Januar 2013 hatte der Spiegel einen Bericht gebracht, dass gegen einen BND-Leiter einer geheimen Verbindungsstelle 61 wegen des Verstoßes gegen das Waffengesetz und der Bildung einer bewaffneten Gruppe ermittelt worden sei. Die Staatsanwaltschaft in Heidelberg erklärte wiederum, die Ermittlungen seien eingestellt worden und man habe auch gar nicht wegen der "Bildung einer bewaffneten Gruppe" ermittelt.

In der Pressemitteilung verlautbarte man: Die Staatsanwaltschaft Heidelberg hat das Ermittlungsverfahren gegen einen Mitarbeiter des Bundesnachrichtendienstes wegen des Verdachts des Verstoßes gegen das Waffengesetz mit Verfügung vom heutigen Tage eingestellt. Die durchgeführten Ermittlungen haben keinerlei Anhaltspunkte für ein strafbares Verhalten des Beschuldigten ergeben.

Beispielhafte Auszüge aus dem Untersuchungsausschuss (Rechtsterrorismus) – weiterführend siehe Links unten: „Mir kamen damals viele Dinge sehr merkwürdig vor“: Mit diesen Worten kritisierte Jürgen Dressler das Verhalten des Thüringer Landesamts für Verfassungsschutz (LfV) gegenüber dem Landeskriminalamt (LKA) bei der Suche nach den „Bombenbastlern“, die Anfang 1998 in Jena untertauchten und dann später zum „Nationalsozialistischen Untergrund“ (NSU) wurden. Zum Auftakt der Zeugenvernehmungen beklagte sich der einstige Leiter der Ermittlungsgruppe Terrorismus/Extremismus beim LKA vor dem Untersuchungsausschuss besonders über die Geheimhaltungspolitik des Geheimdiensts, der auf diese Weise die Arbeit der Polizei verzögert und behindert habe. Dieses Vorgehen des LfV habe sich eingereiht in „viele wundersame Ereignisse“.

Scharfe Kritik an der Informationspraxis des Erfurter Geheimdiensts gegenüber dem LKA und generell an der mangelnden Zusammenarbeit zwischen den Thüringer Sicherheitsbehörden haben vor Roewers Anhörung die Sprecher der Fraktionen bei der Befragung des ehemaligen LfV-Vizechefs Peter Jörg Nocken geübt. Man habe nicht zusammengearbeitet, ja sogar „gemauert“, monierte Wolfgang Wieland, der ein „Trauerspiel“ ausmachte...Als „unerträglichen Zustand“ beklagte der FDP-Parlamentarier Patrick Kurth die laut Nocken gängige Geheimdienstpraxis, wonach der Schutz von Quellen Vorrang vor der Strafverfolgung genießt und im Falle einer drohenden Enttarnung von V-Leuten Erkenntnisse gegenüber der Polizei auch schon mal zurückgehalten werden...Der Zeuge wandte sich gegen den Vorwurf, seine Behörde habe dem V-Mann Tino Brandt vor Durchsuchungen der Polizei gewarnt…betonte zudem, Brandt habe die rund 200.000 Mark, die er bis 2001 vom Geheimdienst erhielt…für sich selbst ausgegeben…

Jürgen Elsässer Blog: Ein anderes Beispiel im komplexen NSU-Spektrum ist Andreas Temme, ein Mitarbeiter des Inlandsgeheimdienstes (hessischer Verfassungsschutz), der dringend verdächtig ist, den NSU-Mord an einem türkischen Internetcafé-Besitzer 2006 in Kassel verübt zu haben. Die Liquidierung des Türken Halit Yozgat (21), Besitzer eines Internet-Cafés, in Kassel am 6. April 2006. Am Tattag stand Halit selbst am Tresen. Nicht lange, bevor er von seinem Vater abgelöst werden sollte, wurde er mit zwei Schüssen in den Kopf getötet. (weiterführend hier)

Dazu aus Wikipedia: Nach dem NSU-Mord im April 2006 in einem Kasseler Internetcafé, bei dem auch ein Mitarbeiter des hessischen Verfassungsschutzes anwesend war und als einziger Zeuge keine Schüsse gehört haben will, hinderte Volker Bouffier (CDU) die Polizei nach einem Bericht des ZDF-Magazins Frontal daran, weitere Zeugen zu vernehmen, um eine eventuelle Verstrickung des Verfassungsschützers zu ermitteln.

Im Juli 2012 wurde bekannt, dass zwei Polizisten aus dem Umfeld der getöteten Polizeibeamtin Michèle Kiesewetter Mitglieder beim Ku-Klux-Klan gewesen waren. Die Behörden dementierten, dass es Hinweise auf eine Verbindung zwischen dem Nationalsozialistischen Untergrund und dem rassistischen Geheimbund gebe. Unabhängig davon wurde kritisiert, dass die Beamten bis heute nicht aus dem Staatsdienst entfernt worden sind. (mehr bei Wikipedia NSU)

Weiterführendes:

NSU Terror Bundestag: Sammlung unsortiert

NSU – die wesentlichen Ungereimtheiten

Compact: Verbindungsstelle 61

Die NSU-Morde – eine Geheimdienstoperation

Bundesgerichtshof 59396 2012

Strafverfolgung des Nationalsozialistischen Untergrunds vergeigt

"Wundersame Ereignisse": Polizei kritisiert Geheimdienst

Kritik an mangelnder Kooperation der Sicherheitsbehörden

NSU: Das Spukhaus von Zwickau

Staatsterrorismus - who stand behind NSU?

 

Ein Polizist über die systematische Behinderung der NSU-Untersuchung durch staatliche Behörden - Anbei einige Auszüge aus einem Telefonat-Interview mit Thomas Wüppesal, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft kritischer Polizistinnen und Polizisten – Die Auszüge stammen direkt aus dem Redefluss im Gespräch, ggf. nicht korrigierte Zahlenrundungen mit Bezug zu Akten sind teilweise korrigiert, anbei finden Sie den Original-Link der Quelle unter YouTube bzw. einer Backup-Location

Also an fast allen Sitzungen die öffentlich stattfinden, bin ich, häufig noch mit anderen Mitgliedern, unserer Gruppe/Arbeitsgemeinschaft [kritischer Polizistinnen und Polizisten] [...] Die Aufklärung des Parlamentarischen Untersuchungsausschusses in Berlin, des Bundestages, neben den drei [...] der beteiligten Landtage, leidet vor allem unter diesem Mangel, dass kein fachkundiger Mensch vorhanden ist. Also es weiß offenkundig niemand wie tatsächlich operativ mit V-Leuten, bei der Polizei und bei unseren Geheimdiensten gearbeitet wird. Die Abgeordneten bekommen lediglich etwas erzählt, mal von Zeugen, ein anderes Mal [...] ein anderes Problem ist, dass diese Mitglieder des Untersuchungsausschusses und der in Berlin arbeitet schon gut, abgehoben zu anderen Parlamentarischen Untersuchungsausschüssen des Bundestages, was maßgeblich am Vorsitzenden Edathy liegt [...] die werden massiv behindert. Also entweder durch informationsunwillig herum labernde Zeugen, wobei es auch schon das Gegenteil gegeben hat, oder indem ganze Aktenbestände vernichtet werden.

[...]

Die Arbeitsweise des Untersuchungsausschusses hat sich an der Strafverfahrensordnung zu orientieren [...] Verdunklungshandlung [...] Reihenweise müssten bestimmte Zeugen die dort aufgetreten sind, überprüft werden ob sie nicht selbst Rechtsextreme sind, das betrifft besonders einige Verfassungsschutzbeamte [...] Diese Kategorie [der] Verdunklungshandlung steht ohnehin im Raum. Denken Sie nur an diese Tatsache, dass der Verfassungsschutzschützer in Hessen, der bei dem Kassler-Mord nichts gehört, nichts gesehen, nichts gerochen haben will. Dass der Junge nie in U-Haft einzog [...] ist bemerkenswert [...] also, jeder normale Bürger wäre längst weggesteckt worden [...] Die Kriminalbeamten, die damals den Fall bearbeitet haben [...] bei der Behinderung, die sie bei ihren Ermittlungen erlebt haben [...] durch Behörden des Landes Hessens.

[...]

Bitte unterschätzen Sie auch nicht, die haben nicht die Protokolle, die Journalisten, nicht die Protokolle der Untersuchungsausschüsse [...] und das geht ja manchmal [sogar] über 12 oder 14 Stunden [...] sondern die sind darauf angewiesen, was die vor Ort mitbekommen. Man kann nichts aufzeichnen, fotografieren während der Sitzung etc. [...] Also da habe ich noch ein gewisses Verständnis. Die Dimension, die diese Aussage des Ministerpräsidenten aus Hessens hat, ist uns beiden klar. Aber so ist es ja inzwischen seit vielen Monaten, hier geht eine Granate nach der anderen hoch [...] Also Fritsche hat mitgeteilt, was dann später noch durch den [...] vorgeblichen Sonderermittler, der ebenfalls von dem CSU-Mitglied, Fritsche ist ja auch CSU-Mitglied, Friedrich, also dem Bundesinnenminister, eingesetzt worden ist [...] Dass 310 Akten jetzt nochmal im Juli [2012] vernichtet worden sind. Neben den gut 20 Akten [Anm: 26 lt. Medien] aus dem November [des Vorjahres], Dezember [2011] und Januar [2012]. Über diese Akten entstand ein Hype in der Bundesrepublik, sondergleichen. Die 310 [Akten] gingen [...] weitestgehend unter.

[...]

Und obwohl darunter 26 Handakten von G-10 Überwachungsmaßnahmen enthalten waren, also Telefonüberwachung der Geheimdienste [...] man versuchte die Abgeordneten flach zu halten, in ihrer Aufregung, indem man sagte, es seien ja nur Handakten. Wobei Insider natürlich wissen, dass in den Handakten nicht nur das steht was in der Hauptakte steht, sondern noch viel brisanteres Zeugs [...] einfach Dinge, die man nicht in der Hauptakte haben will [...] aus unterschiedlichsten Gründen. Darüber hinaus wurde klargestellt, durch diesen Sonderermittler [...] das über 90 dieser 310 Akten einen Personalbezug zur NSU haben. Gleichzeitig wurde immer das Sprachbild kommuniziert, dass ja die Mehrzahl der vernichteten Akten [angeblich] keinen Bezug zum NSU haben [...] es toppt die Vorgänge aus November bis Januar noch um [ein] Vielfaches und man kann darüber hinaus feststellen, dass die Anweisung des Bundesinnenministeriums aus dem Juli, nämlich ab dann keine Akten mehr zu vernichten, genau zum richtigen Zeitpunkt gekommen ist [...] Also zu dem Zeitpunkt, zu dem die Mittäter aus den Verfassungsschutzämtern weitestgehend sicher sein können, dass die Akten nicht mehr existieren [...] die Akteninhalte vor allem [...] mit dem Beamte aus den Verfassungsschutzämtern belastet werden können.

Das komplette Telefonat können Sie unter dem folgenden Video mit etwa 25 Minuten (YouTube) ansehen – Anbei ebenfalls eine Backup-Quelle des Telefoninterviews

 

Gedankenanstoß zur Thematik NPD

 

Buchtipp: Verdeckter Terror: Nato Geheimarmeen in Europa – Autor Daniele Ganser

Nach einem Bericht von Recentr, in Bezug zu den "Ermittlungsergebnissen über die NPD-Partei", heißt es in diesem Bereich der deutschen Ominösitäten, dass die NPD zuletzt eine 136 Seiten umfassende Kurzfassung einer Materialsammlung von Ländern und Bund für ein Verbotsverfahren in das Internet gestellt hatte. Die NPD selbst bezeichnet das Material als schlechten Scherz.

Eigentlich würde es die NPD seit Jahren nicht mehr geben, wenn da nicht das letzte Verbotsverfahren am 18.03.2003 eingestellt worden wäre. Bereits damals wurde bekannt, dass 30 der 200 Vorstandsmitglieder als sogenannte V-Personen des deutschen Bundesamtes für "Verfassungsschutz" tätig waren und diese entgegen den Vorschriften einen wichtigen Einfluss auf das Beobachtungsobjekt NPD nahmen. Das Material, auf dem der Antrag damals fußte, war als "Nur für den Dienstgebrauch" eingestuft und sogar Mitglieder des Bundestagsinnenausschusses durften dieses nur unter Aufsicht in einem genormten Geheimschutzraum einsehen.

Geheimdienste sind dabei derart zu sehen, dass diese nicht dem sog. Legalitätsprinzip verpflichtet sind, was auch bedeutet, dass sie nicht verpflichtet sind ein Ermittlungsverfahren einzuleiten, wenn sie Kenntnis von Straftaten haben. Bei den V-Personen handelt es sich nicht um klassische Angestellte des Verfassungsschutzes. Die Tätigkeit wird durch das Verpflichtungsgesetz nichtbeamteter Personen geregelt. Der jew. V-Mann/Verbindungsmann schwört strengste Verschwiegenheit, auch gegenüber der Polizei oder Gerichten, um somit die konspirativen Vorschriften einzuhalten. Nach der damaligen Enttarnung hieß es lediglich, dass sich die Behörde von den V-Männern "rollen und abzocken" ließ, für angeblich absolut wertlose Informationen. Auch wurde nicht gegengeprüft oder man hätte wirkliches Interesse gezeigt, was jedoch mehr als unrealistisch ist.

Insgesamt gibt den Geheimdiensten ein eher widersprüchlicher Wust an Regelungen erheblichen Spielraum. Der Staat in der Struktur des Bundesamtes für Verfassungsschutz darf offiziell nicht zu Handlungen verleiten und niemanden zu Handlungen nötigen, welche etwa extremistische Aktionen/Terror unterstützen. Der niedersächsische Landtag legte beispielsweise fest, was alles straffrei im Zuge des "Kampfes gegen Rechts" begangen werden darf. Dazu zählt etwa die Fortführung einer verfassungsfeindlichen Partei oder Vereinigung, die Verbreitung deren Propagandamittel und sogar die Unterstützung einer terroristischen Vereinigung. Gleichzeitig darf eine V-Person nicht zu entscheidenden Vorgängen beitragen oder maßgeblich Einfluss auf das beobachtete Objekt nehmen. Im Gegensatz zu den ausgebildeten Agenten, welche unter einer falschen Identität etwa eine Neonazi-Karriere aufbauen und sich entweder als Vorkämpfer der freiheitlich-demokratischen Grundordnung betrachten oder einfach nur die Karriereleiter hochklettern möchten, braucht es für die Anwerbung von V-Personen aus dem jeweiligen Milieu etwas Überredungskunst.

Das deutsche Bundesamt für Verfassungsschutz hat dabei gute Möglichkeiten an der Hand, durch seine exzellenten Verbindungen, diverse Ermittlungsverfahren zu beschleunigen, zu verschärfen oder gar zu stoppen. Anstatt nun für die Sache einige Jahre in den Knast zu wandern, entscheidet man sich vielleicht dafür, fortan einfach zwei Herren (die einen in der Hand haben) zu dienen. In den meisten Bundesländern in Deutschland ist es gar erlaubt, Ärzte, Jugendliche oder auch Abgeordnete anzuwerben.

Die Person Axel Reichert, von der Polizei Baden-Württemberg, interpretierte beispielsweise seinen Handlungsspielraum derart großzügig und schulte Kader für die REP. Es wurde die mitgliederstarke Kameradschaft Karlsruhe gegründet und man verteilte NS-Devotionalien aus einer polizeilichen Asservatenkammer an Mistreiter. Ein anderer Polizeibeamter wurde zum "Whistleblower" und hatte schließlich dem Spuk ein Ende bereitet. In einem Gerichtsverfahren dazu wurde geurteilt, dass sich die Exekutive verfassungsfeindlich verhalten hätte. Die Person "Tilo Brandt" baute den im NSU-Spektrum zu sehenden Thüringer Heimatschutz mit auf und gilt als ein wichtiger radikalisierender Einfluss auf die NPD. Seit 1994 stand er im Dienst des BfV.

"Rechtsikone" Horst Mahler verteidigte ausgerechnet mit dem späteren Bundesinnenminister Otto Schily 1969 Gudrun Ensslin und Andreas Baader von der RAF. Er musste in den Untergrund gehen und würde später durch Hans-Christian Ströbele und Gerhard Schröder verteidigt. Die geheimdienstlichen Unterwanderungsspektren sind so alt wie die neuere Menschheit und wurden bis heute immer weiter verfeinert, auch bereits bevor es die heutigen „Geheimdienste“ gab, da nannten sie sich noch Geheimgesellschaften oder Sekten – bzw. militärische Strukturen. Selbst Adolf Hitler stand zu den Zeiten des NSDAP-Vorläufers DAP im Dienst des deutschen Inlandsgeheimdienstes und infiltrierte beispielsweise die Kommunisten. Es existieren solide Informationen darüber, dass der einfältige Marinus Van der Lubbe unbemerkt von SA-Spitzeln unter den Kommunisten angeworben worden war, für ein “Fanal” das eine Revolution einleiten sollte. Dieses Ereignis ging als Reichstagsbrand in die Geschichtsbücher ein.

Durch Zufall entdeckte Waffenverstecke in Deutschland, die zu dem Rechtsaktivisten Heinz Lembke zurückverfolgt wurden, enthielten genügend Material um in den Händen von Terroristen eine Nation ins Chaos zu versenken: Arsen, Zyankali, 14.000 Schuss Munition, 50 Panzerabwehrrohre, 156 kg Sprengstoff, 230 Sprengkörper, 258 Handgranaten. Ein Sieg  gegen Rechts? Dummerweise handelte es sich dabei um Bestand geheimer NATO-Zellen in Deutschland. Die modernen Harpoon-Funkanlagen stammten von AEG Telefunken und konnten mit 6000 Km Reichweite verschlüsselte Funksprüche an Verbindungsoffiziere übertragen.

 

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