Natur: Hummeln orientieren sich an elektrischen Feldern von Blüten


(C) Christian Stamm, 2006, Bild: Wikipedia (CC BY-SA 3.0)

Nicht nur Formen, Muster oder Farben dienen dazu, um Bestäuber wie Hummeln anzulocken. Auch ein elektrisches Feld, schreibt man im Wissenschaftsjournal Science. Die Insekten nutzen das Muster des Feldes unter anderem, um sich so Blüten mit viel Nektar zu merken.

Nachgewiesen haben das der Forscher Daniel Robert und seine Kollegen der Bristol Universität. Hummeln können elektrische Signale von Blüten aufspüren und diese auch unterscheiden. Pflanzen sind in der Regel negativ geladen und strahlen schwache elektrische Felder aus.

Honigbienen, wie auch Hummeln weisen meist eine schwache positive Ladung auf. Wenn nun die Tiere an einer Blüte vorbeifliegen, findet ein Ladungsaustausch statt, welches die Insekten registrieren. Die elektrischen Felder zeigen demnach an, ob noch Nektar vorhanden ist.

Die Forscher wollten diese Hypothese natürlich untermauern. Man nutzte zunächst künstliche Blumen mit und ohne elektrische Felder. Die ungeladenen Blüten bekamen ungeladenen Bitterstoff und die geladenen Blüten enthielten Zucker. Vom Äußeren her gab es keine Unterschiede.

Es zeigte sich, dass schon nach recht kurzer Zeit von den Hummeln jene Blüten gezielt angeflogen wurden, welche Zucker enthielten. Dies sei nach Ansicht der Wissenschaftler ein deutlicher Beleg dafür, dass sie die elektrische Ladung als eine Art Wegweiser zum süßen Genuss nutzten.

In Messungen stellte man außerdem fest, dass durch eine landende Hummel das elektrische Potenzial der Blume für mehrere Minuten wechselte. Dazu erklärte man, dass äußere Umstände, wie z.B. das Wetter, im Lauf des Tages immer wieder die elektrische Ladung der Pflanze veränderten.

Landet nun aber eine Hummel auf ihnen, dann ergaben die Versuche, dass es zu viel stärkeren Schwankungen kam, als bei allen anderen Einflüssen. Beim Bestäuben einer Pflanze werden durch Insekten meist Spuren zurückgelassen, wie z.B. Geruchsstoffe oder Veränderungen an Form, Farbe und Feuchtigkeit der Blüte.

Solche Änderungen können erst nach Minuten oder gar Stunden auftreten. Der Wandel des elektrischen Potenzials hingegen, durch den Besuch einer Hummel, erfolgt schon nach wenigen Sekunden. Dies informiert andere Insekten später darüber, ob in dieser Blüte noch etwas zu holen ist oder nicht.

In weiterführenden Experimenten konnte man beweisen, dass Hummeln dazu in der Lage sind, zwischen den Ladungen der verschiedenen Blumen zu unterscheiden. In ihrem Alltag lernen die Tiere gar Blütenfarben zu erkennen. Mit der Hilfe von elektrischen Feldern gelingt dies noch schneller, stellte man fest.

Wie die Insekten das jedoch im Detail bewerkstelligen, konnte man bislang noch nicht klären. Derzeit vermutet man, dass sich die Haare der Hummeln in den Feldern, je nach Blüte, elektrostatisch aufrichten. Die Koautorin Heather Whitney gab zu verstehen, dass dieser neue Kommunikationsweg zeigen würde, wie eine Blume ihre Bestäuber über ihren Vorrat an Nektar und Pollen informieren kann.

Original unter: Science DOI: 10.1126/science.1230883

Bild-Quelle: Wikipedia (symbolisch)

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