Vogelgrippe in Brandenburg und Mexiko - WHO warnt vor SARS-ähnlichem Virus


(C) Cynthia Goldsmith/ Jackie Katz, CDC USA, (H5N1-Virion) 2006, Bild: Wikipedia (public domain)

Nach dem Ausbruch der Vogelgrippe in einem deutschen Entenmastbetrieb im Landkreis Märkisch-Oderland wurde seitens des Gesundheitsministeriums Brandenburg nun eine erste Entwarnung gegeben, heißt es in Medienberichten. Es soll sich um einen Einzelfall gehandelt haben, so eine Sprecherin. Man rief die Bevölkerung unterdessen weiter zur "Wachsamkeit" auf. Eine Untersuchung des Friedrich-Löffler-Instituts in Riems hatte in der Sache ergeben, dass es sich nicht um die gefährlichste Variante (niedrigpathogener Befund mit Influenza-A-Viren) des Vogelgrippe-Virus gehandelt hätte.

Am vergangenen Samstag wurden etwa 14500 Tiere auf dem betroffenen Hof getötet und der Hof wurde/wird desinfiziert. Im Umkreis von einem Kilometer gilt für 21 Tage ein Sperrbezirk. Die Bevölkerung bekam Informationsbroschüren. Derweil blieb die genaue Ursache für die Infektion am Wochenende zunächst unklar. Das Land hatte nach der Entdeckung des H5N1-Falles ein Krisenzentrum eingerichtet, das die Maßnahmen zur Seuchenbekämpfung in Brandenburg koordinieren soll. Alle Landkreise, die Bundesländer und der Bund wurden über die Lage informiert, hieß es. Zuletzt wurde das H5N1-Virus bei Geflügel in Brandenburg im Jahr 2007 nachgewiesen.

Ob ein Tier erkrankt ist, kann man ggf. an einer anormalen Kopfhaltung, Verweigerung der Futteraufnahme, Ausfluss aus den Augen oder Schnabel, Niesen oder auch an einem stumpfen Federkleid erkannt werden. Die Brandenburger Behörden riefen Tierhalter zur Wachsamkeit auf und wiesen sie an, mögliche Anzeichen von Erkrankungen in ihrem Bestand sofort zu melden. Die Geflügelpest des Typs H5N1 grassiert nach Angaben des deutschen Bundesministeriums für Verbraucherschutz seit Ende 2003 in Südostasien. Die auch als Vogelgrippe oder Geflügelpest bekannten H5N1-Infektionen sind für Vögel ein erhebliches Gesundheitsrisiko. Häufig endet die Erkrankung mit dem Tod der Tiere.

Ende Januar dieses Jahres hatte die Hamburger Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz (BGV) Geflügelhalter vor einem Vogelgrippevirus aus Dänemark gewarnt. Zu der Zeit hatte der Veterinärdienst aus dem skandinavischen Land über einen Ausbruch bei wild lebenden Stockenten in Westjütland informiert. Bei einer Routineuntersuchung sei das Geflügelpestvirus vom Subtyp H7 festgestellt worden.

Im mexikanischen Bundesstaat Guanajuato haben Behörden zuletzt, nach dem Ausbruch der Vogelgrippe, eine Massentötung von über (nach Informationen der Nachrichtenagentur „AP“) 582,000 Hühnern angeordnet. Ende der Woche hatte der nationale Dienst für Lebensmittelsicherheit, Lebensmittelqualität und Gesundheit den Ausbruch in sieben Geflügel-Farmen in den Städten Dolores Hidalgo und San Luis de la Paz offiziell bestätigt. Es wurde betont, dass keine Gefahr für den Menschen besteht. Im vergangenen Jahr waren nach einem Ausbruch der Vogelgrippe im mexikanischen Bundesstaat Jalisco 22 Millionen Tiere geschlachtet worden.

Im Verlauf des Sommers 2012 wurden rund 22 Millionen Hühner getötet. Der Ausbruch der Vogelgrippe (H7N3) im mexikanischen Bundesstaat Jalisco Mitte Juni hatte für die dortige Eier- und Geflügelbranche gravierende Konsequenzen. Der Schaden lag im zweistelligen Millionenbereich. Unteranderem wurde die Eierproduktion stark gebremst. Das Virus vom Typ H7N3 wurde damals laut eines Berichtes des US-Landwirtschaftsministeriums am 13. Juni in drei kommerziellen Legehennenbetrieben entdeckt und der Ausbruch offiziell am 21. Juni der Weltorganisation für Tiergesundheit (OIE) gemeldet.

Mit Blick auf andere Virusfälle hatte die WHO (Weltgesundheitsorganisation) zuletzt nach insgesamt zwölf Fällen weltweit vor der Ausbreitung eines SARS-ähnlichen Virus gewarnt. Aufgrund der derzeitigen Situation und der verfügbaren Informationen forderte die WHO ihre Mitgliedstaaten zur Überwachung von schweren akuten Atemwegsinfektionen auf. Am vergangenen Freitag hatten Gesundheitsbehörden aus Großbritannien bekanntgegeben, dass sich ein drittes Familienmitglied einer Familie mit einem neuen Coronavirus infiziert hätte.

Jene Person würde nach letzten Informationen nicht in Lebensgefahr schweben. Eines der Familienmitglieder war zuvor im Nahen Osten und in Pakistan unterwegs, auf einer "Reise" wie es heißt. Die WHO warnte in diesem Zusammenhang vor einem SARS-ähnlichem Virus. Von zwölf mit dem neuen Coronavirus infizierten Personen starben fünf, drei in Saudi-Arabien und zwei in Jordanien. Bei einer SARS-Epidemie waren im Jahr 2003 weltweit rund 8000 Menschen infiziert worden, etwa 800 von ihnen starben.

Als speziell gilt an dem neuen Coronavirus (NCoV), dass bei den jüngsten beiden Fällen kein Auslandskontakt mit anderen Personen vorhanden war, sich also entsprechend bei einem Familienangehörigen angesteckt haben. Wie bereits angemerkt, schwebt der zwölfte bekanntgewordene Fall laut britischen Gesundheitsbehörden nicht in Lebensgefahr. Der Sohn des Vaters ist der elfte infizierte. Dieser hätte sich bei seinem Vater angesteckt. Der Sohn soll bereits vorerkrankt gewesen sein. Man geht davon aus, dass das Immunsystem möglicherweise geschwächt war, so dass der Virus ihn leichter infizieren konnte.

Ebenfalls geht man durch die Vorerkrankung seitens der britischen Gesundheitsbehörde davon aus, dass das Virus nicht so schnell von Mensch auf Mensch übertragbar sein könnte, da sich entsprechend sonst auch noch andere Kontaktpersonen mit dem neuen Coronavirus (NCoV) angesteckt hätten. Ob das zweite angesteckte Mitglied der Familie ebenfalls gesundheitlich geschwächt war, wurde aus der öffentlichen Medienberichterstattung nicht deutlich. Der aktuelle Fall sei jedoch ein weiteres Indiz dafür, dass eine Übertragung des Virus von Mensch zu Mensch möglich ist, so die WHO. Eine solche direkte Ansteckung sei zwar bislang nicht nachgewiesen worden, jedoch sei Vorsicht geboten. Patienten mit Lungenentzündung, wo die Ursache für diese unklar scheint und Medikamente nicht anschlagen, müssten auf das neuartige Coronavirus hin untersucht werden, forderte man seitens der WHO die Mitgliedsstaaten auf. Offizielle Stellen und Experten wie John Oxford von der britischen Queen Mary University of London gehen davon aus, dass die Gefahr für die Bevölkerung gering ist. Die genaue Herkunft des neuen Virus ist immer noch unbekannt, ebenso wie er sich verbreitet.

Ende September 2012 hatte die WHO bekanntgegeben, dass Ärzte aus Großbritannien bei einem Mann einen Virus entdeckt hatten, der dem SARS-Virus ähnelte. Über das globale Warnsystem teilte man mit, dass der 49-Jährige in London behandelt wird. Tests hätten bestätigt, dass er an einem neuartigen Corona-Virus erkrankt sei. Der Betroffene stammte aus Katar. "Dieses neue Virus ist komplett anders als das, was wir bisher in Menschen identifiziert haben", erklärte die britische Gesundheitsbehörde HPA. Der behandelte Patient war erstmals am 3. September 2012 mit Symptomen einer akuten Atemwegsinfektion bei einem Arzt gewesen. Am 7. September sei er auf eine Intensivstation einer Klinik in Katar gekommen und am 11. September mit einem Ambulanzflugzeug nach Großbritannien gebracht worden. Die britische Gesundheitsbehörde HPA erklärte damals, das neue Virus sei vermutlich weniger ansteckend als SARS. Damals folgten zahlreiche Gesundheitsbehörden einer Aufforderung der WHO, dass sich Reisende aus Saudi-Arabien, welche Symptome einer möglichen Lungenerkrankung zeigten, diese jedoch nicht erklären können, sofort beim Arzt melden sollten.

Die Virusgattung Coronavirus ist die bedeutendere und größere Gattung innerhalb der Familie Coronaviridae (Coronaviren), ihre Vertreter verursachen bei Säugetieren, Nagetieren und Vögeln sehr unterschiedliche Erkrankungen. Beim Menschen sind besonders die Humanen Coronavirusspezies als Erreger von Diarrhoen (Durchfall) und respiratorischen Infektionen bis hin zum schweren akuten Atemwegssyndrom von Bedeutung. Weltweites Aufsehen bewirkte das SARS-assoziiertes Coronavirus (SARS-CoV), der Erreger der SARS-Pandemie 2002/2003 (von Südchina ausgehend). 2012 starben auf der arabischen Halbinsel und in Jordanien mehrere Personen an den Folgen einer Infektion mit einem in diesem Jahr erstmals nachgewiesenen, als hCoV-EMC oder auch NCoV bezeichneten Coronavirus.

Mitte Januar 2013 wurde bekanntgegeben, dass die vor einem Jahr gestoppten Versuche, den Erreger der Vogelgrippe im Labor mit gefährlicheren Eigenschaften auszustatten, die in der Natur bisher nicht vorkommen, in Kürze wieder aufgenommen werden könnten. In Medienberichten hieß es, dass ein entsprechendes Moratorium enden soll. Bei den umstrittenen Experimenten hatten Forscher der Universität Rotterdam mit Frettchen gearbeitet, die so lange infiziert wurden, bis sich der H5N1-Erreger über die Luft in die Atemwege verbreitete. In weiteren Versuchen an der University of Wisconsin in Madison waren Teile des hoch ansteckenden Keims der Schweinegrippe mit dem Erbgut des Vogelgrippe-Virus kombiniert worden.

Mitte Dezember 2012 hatte die US-Regierung aus Angst vor Biowaffen Forscher und Fachjournale aufgefordert, Daten über ein im Labor entwickeltes Supervirus unter Verschluss zu halten. Wissenschaftler hatten eine neue Variante des Vogelgrippe-Erregers H5N1 gezüchtet, das extrem gefährlich und höchst ansteckend ist. Bei dem Vogelgrippe-Virus handelt es sich um eine Variante, die leicht von Mensch zu Mensch übertragen werden kann. Somit könnte das Virus eine weltweite Pandemie auslösen. Im Dezember 2011 liefen etwa deutsche Infektionsexperten Sturm gegen die Forderung US-amerikanischer Sicherheitsbehörden, keine Details über ein im Labor geschaffenes Super-Virus zu veröffentlichen.

Der Koordinator des bundesweiten Influenza-Forschungsnetzes, der Mikrobiologe Stephan Ludwig, sagte dem Nachrichtenmagazin "Focus" damals, derartiges müsse schon deshalb allen Wissenschaftlern zugänglich gemacht werden, damit sie ihre Aufgabe erfüllen könnten, "Vorhersagen zu der Gefährlichkeit von Krankheitserregern zu treffen". Die Nationalen Gesundheitsforschungsinstitute (NIH) der Vereinigten-Staaten hatten die Studien finanziert, um die Infektionsgefahr des H5N1-Virus „besser einschätzen“ und Vorbeugungen treffen zu können. Das H5N1-Virus ist hochgradig gefährlich. Es tötet fast alle Vögel und bis zu 60 Prozent aller infizierten Menschen. Seit 2003 sind weltweit fast über 600 Erkrankungsfälle beim Menschen bekannt geworden.

Unter anderem in Deutschland hatten Behörden zuletzt Übungen durchgeführt oder diese sind geplant, die auf einen terroristischen Anschlag durch Biowaffen abzielen. Entsprechende Szenarien sollen/wurden einstudiert. Eine stattgefundene Simulation ging von einem Angriff mit lebensgefährlichen Tularämie-Erregern ("Hasenpest") aus, die über eine Klimaanlage "in die Räume einer stark besuchten Ausstellung" gepustet würden, sowie vom "Einbringen eines Giftstoffs über die Wurstproduktion in die Lebensmittelkette", hieß es im "Spiegel" (online) am 03.02.2013.

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