Irak: Geheimdienstoffizier und Richter bei Anschlägen getötet


Republik Irak

Laut Medienberichten hätte ein Selbstmordattentäter am Samstag einen ranghohen Geheimdienstoffizier im Irak getötet. Bei diesem handelt es sich den Angaben zufolge um Auni Ali, dieser sei nahe der nordirakischen Stadt Mossul bei einem Sprengstoffanschlag vor seinem Haus zusammen mit zwei Leibwächtern umgekommen. Ali hatte die wichtigste Ausbildungsstätte des Geheimdienstes im Irak geleitet.

Der ehemalige Anti-Terror-Richter Ahmed al-Bajati sei unterdessen in Sulaiman Pak, laut Sicherheitsvertretern, ebenfalls durch einen Anschlag getötet worden. Hierzu heißt es, dass derzeit Unbekannte eine per Magnet befestigte Sprengladung am Auto des Richters befestigt hätten. Al-Bajati war ehemals im Kampf gegen Terrorismus tätig, er soll im Vorfeld bereits Todesdrohungen erhalten haben. Im vergangenen Jahr hatte er ein Lösegeld von 150.000 US-Dollar gezahlt, um so eine Freilassung seines entführten Sohnes zu erreichen.

Zu den Anschlägen bekannte sich zunächst niemand. Derzeit vermutet man sunnitische Aufständische, da diese immer wieder Attentate auf Vertreter von Regierung, Sicherheitskräften und Justiz verübt hatten. In den vergangenen Wochen war die Anzahl an Attentaten angestiegen.

Unterdessen befindet sich der Irak weiter in einer politischen Krise. Seit Ende vergangenen Jahres steht der schiitische Regierungschef Nuri al-Maliki im Zentrum einer Protestkampagne der sunnitischen Minderheit, die etwa ein Viertel der irakischen Bevölkerung ausmacht. Die Sunniten fühlen sich an den Rand der Gesellschaft gedrängt und fordern al-Malikis Rücktritt.

Ende vergangener Woche wurden bei einem Granaten- und Raketenangriff auf das von Iranern bewohnte Flüchtlingslager Hurrija (Camp Liberty) nahe der irakischen Hauptstadt Bagdad mindestens fünf Bewohner des Lagers getötet worden, etwa 40 wurden verletzt. Bereits seit dem iranisch-irakischen Krieg von 1980 bis 1988 halten sich große Gruppen iranischer Flüchtlinge im Irak auf.

Anfang Februar gab es einen schweren Angriff auf das Polizeihauptquartier im nordirakischen Kirkuk, hier kamen etwa 30 Menschen ums Leben und 70 weitere wurden verletzt. Ein Selbstmordattentäter sprengte sich am Haupteingang des Gebäudes in die Luft, hieß es laut einer Mitteilung der Polizei. Dann stürmten drei Männer in den Komplex und warfen Granaten, bevor sie laut Augenzeugen getötet wurden.

Ende Januar gab es in einer schiitischen Moschee im Norden des Iraks bei einem Selbstmordanschlag mindestens 42 Tote, ca. 75 Personen wurden teils schwer verletzt. Der Anschlag ereignete sich in der Stadt Tus Churmatu, rund 175 Kilometer nördlich der Hauptstadt Bagdad, bei einer Trauerfeier. Bei dieser wurde dem Schwager des Vize-Vorsitzenden der Turkmenenfront des Irak, Ali Haschem Oghlu, gedacht.

Ebenfalls im Norden des Landes kam es Mitte Januar 2013 erneut zu einer Anschlagsserie, hier wurden über 30 Personen getötet. Bei den Angriffen im Norden des Landes sowie in der Hauptstadt Bagdad wurden demnach außerdem 245 Menschen verletzt. Bei Anschlägen in der ölreichen Provinz Kirkuk wurden den Angaben zufolge mindestens 190 Menschen verletzt.

Im weiteren Verlauf gab es immer wieder Anschläge/Anschlagsserien. Mitte Dezember 2012 wurden bei einer Anschlagsserie über 20 Menschen getötet. Auf einer Fernstraße westlich der Stadt Tikrit feuerten drei Bewaffnete auf einen Kontrollposten, nach einer Verfolgungsjagd starben drei Beamte. In einem Dorf nördlich der Hauptstadt Bagdad wurden drei Soldaten bei einer Bombenexplosion getötet. Ebenfalls starben fünf Menschen nach einem Anschlag mit Autobomben auf eine schiitische Moschee in der nordirakischen Ortschaft Tus Churmatu. Nur wenige Tage zuvor waren bei einer Attentatsserie im Irak 19 Menschen getötet und Dutzende weitere verletzt worden.

In den vergangenen zwölf Monaten sind hochgerechnet bei verschiedenen Anschlägen allein im Irak mehrere tausend Menschen ums Leben gekommen. Nach dem Abzug von US-Truppen intensivierten sich die Anschläge, speziell im nördlichen Teil des Iraks. Einer der blutigsten Tage im Irak war Ende Juli 2012. Hier wurden bei einer weiteren Serie von Anschlägen über 120 Personen an einem Tag getötet, über 230 Menschen teils schwer verletzt. Unter den Opfern der Anschlagsserie waren auch zahlreiche Soldaten und Polizisten. Allein beim Angriff auf eine Militärbasis in Dhuluijah 90 Kilometer nördlich von Bagdad wurden mindestens 15 Soldaten getötet. Eine weitere Anschlagsserie mit vielen Opfern fand Anfang September 2012 statt. Es wurden über 50 Personen getötet, mehr als 250 Menschen verletzt. Bei dem blutigsten Anschlag starben mindestens 14 Menschen, als im Süden des Landes zwei Autobomben auf einem Markt explodiert waren.

Der im vergangenen Jahr von einem irakischen Gericht in Abwesenheit zum Tode verurteilte irakische Vizepräsident Tarik al-Haschemi wurde damals nicht an Bagdad ausgeliefert, ließ man Mitte September seitens der Türkei verlauten, al-Haschemi war in die Türkei geflohen. Der Politiker dürfe in der Türkei bleiben, "solange er will", sagte Regierungschef Recep Tayyip Erdogan. Das Gericht hatte al-Haschemi wegen des Todes eines Anwalts und eines Generals für schuldig gesprochen. Der seit Mai vergangenen Jahres gelaufene Prozess verschärfte damals den innenpolitischen Machtkampf zwischen Sunniten und Schiiten im Irak, kurz nach dem Abzug der US-Truppen.

Al-Haschemi wurde wegen Verdachts auf "Führung und Finanzierung terroristischer Anschläge" per Internationalem Haftbefehl gesucht. Nachdem der schiitische Ministerpräsident Nuri al-Maliki einen Haftbefehl gegen ihn veranlasste, floh er Ende 2011 in die autonomen Kurdengebiete im Nordirak und gelangte nach Aufenthalten in Katar und Saudi-Arabien in die Türkei. Al-Haschemi selbst und seine Anhänger sehen in dem Prozess einen Versuch des schiitischen Regierungschefs Nuri al-Maliki, einen Rivalen aus dem Weg zu räumen.

  
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