RAF, Buback: Parallelen RAF und NSU?


Rote Armee Fraktion

Michael Buback, der Sohn des von der RAF ermordeten Generalbundesanwalts Siegfried Buback, sieht durchaus Parallelen zwischen den gescheiterten Ermittlungen gegen die RAF-Frau Verena Becker und dem NSU (Nationalsozialistischen Untergrund). Gegenüber der Mitteldeutschen Zeitung (Online) gab er an: "Im Verfahren gegen Verena Becker sind Parallelen zu den aktuellen NSU-Ermittlungen zu erkennen".

Es hat Kontakte zum deutschen Verfassungsschutz gegeben, es sind Akten verschwunden oder entsprechend vernichtet worden. Man würde den Eindruck gewinnen, dass die Ermittler längst hätten vorgehen müssen, gab er zu verstehen. Es würde dabei ein grundsätzliches Problem auftreten, wenn ein Zusammenwirken von Geheimdiensten mit Terroristen vorliegt. Doch um die Aufklärung von schweren Verbrechen zu erreichen, müssten auch alle wesentlichen Fakten auf den Tisch. Doch genau das geschehe nicht.

Vor dem Beginn des Prozesses in Stuttgart gegen Verena Becker hätte ihm ein Bekannter gesagt, dass das Verfahren aussichtslos sei. Nämlich dann, wenn Geheimdienste involviert sind. Seinerzeit hätte Buback ihm das nicht glauben wollen. Doch das sei jetzt anders, erklärte er.

Zuletzt wurde bekannt, dass Becker mit dem Verfassungsschutz zusammengearbeitet hat. In der Springer-Presse, mit entsprechenden Geheimdienstkontakten, will man dabei den "Spin" derart drehen, als sei diese von selbst auf den Dienst zugegangen, um ihre Arbeit anzubieten. Laut den Angaben hatte Becker für die Zusammenarbeit auch Geld bekommen, was aus dem Urteil des Oberlandesgerichts Stuttgart im Prozess um den Mord an Generalbundesanwalt Siegfried Buback hervorgeht. Wegen "Beihilfe" zum Mord wurde Becker letztes Jahr in dem Verfahren zu vier Jahre Haft verurteilt.

Becker war 1977 wegen versuchten Mordes an zwei Polizisten in Singen zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Bei der Festnahme von Becker wurde auch die Tatwaffe vom Buback-Mord gefunden. 1989 wurde sie vom deutschen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker (CDU) begnadigt und entsprechend vorzeitig aus der Haft entlassen - am 30. November, an jenem Tag, an dem die über drei Ecken angeleitete Zelle (mutmaßlich) RAF den Deutsche-Bank-Chef Alfred Herrhausen ermordete, per Bombenattentat.

Die ehemalige RAF-Terroristin Verena Becker hat während ihrer aktiven Zeit offenbar auch das Interesse des damaligen sowjetischen Geheimdienstes KGB geweckt, was aus Stasi-Unterlagen hervorgeht. Laut einem internen Vermerk der Stasi-Abteilung XXII/8 (Terrorabwehr) vom 26. November 1985 galt Becker in der UdSSR als "unerwünscht". Laut Vermerk der Stasi (Abteilung XX/AKG) wird darauf hingewiesen, dass Becker in ein KGB-Album über internationalen Terror »1977 und 1980 sowie 1980 mit Einreisesperre UdSSR« aufgenommen worden war, da man hier entsprechend über die Geheimdienstkontakte Bescheid wusste.

Terrorzellen wurden damals sowohl im linken als auch im rechten Spektrum aufgezogen. Das rechte Stay-Behind-Netzwerk (Stichwort Gladio) oder auch die linken Zellen gehörten damals zur "Gesellschaftsformung" mit dazu. Die über drei Ecken angeleiteten "Werkzeuge" der Terrorfreaks konnte man auch passend einsetzen, um etwa unliebsame Personen loszuwerden. Dies wird heute noch gemacht, wie auch schon vor 1000 Jahren - nicht nur mit Al-Kaida oder ähnlichen Radikalos (Terrorfreaks in ein Land einströmen lassen, sich austoben lassen, Land "befreien") - auch bekannt als "Problem-Reaktion-Lösung". Die NATO/CIA und anhängende Client-Dienste haben/hatten ihre Zellen genauso wie die Russen auch.

Damals tauchten terroristische revolutionäre Splittergruppen auf, die überall "Aktionen" starteten. Da gab es etwa die Action Directe in Frankreich, die Baader-Meinhof-Gruppe in Deutschland, die japanische Rote Armee, die italienischen Roten Brigaden (die 1978 Premierminister Aldo Moro ermordeten), die baskische ETA in Spanien (die für sich in Anspruch nahm, 1974 den spanischen Premier Carrero Blanco ermordet zu haben) und etwa 15 verschiedene palästinensische Organisationen. Selbst in den Vereinigten Staaten gab es die Weathermen und die Symbionese Liberation Army – die 1974 die Millionenerbin Patricia Hearst entführte und "umdrehte". Sollte eine Struktur nicht direkt über drei Ecken selbst ins Leben gerufen worden sein, wird eine solche unterwandert und ggf. dann angeleitet „genutzt“.

Aufgrund ihrer Führungsrolle im damaligen Ostblock war die frühere UdSSR in der Lage, ihr Informationsbedürfnis über Deutschland weitgehend mit Hilfe der HVA und der übrigen Satellitendienste zu befriedigen. Als diese im Zuge politischer Veränderungen ihre Zuträgerdienste einstellten, sahen sich das KGB und der militärische Dienst GRU gezwungen, den Ausfall durch verstärkte eigene Aktivitäten zu kompensieren. An die Stelle des KGB sind heute in Russland für die zivile Auslandsaufklärung der Auslandsnachrichtendienst (SWR) und für die Abwehr im Inland der Sicherheitsdienst (FSB) mit weitreichenden exekutiven Befugnissen getreten. Daneben gibt es eine Anzahl weiterer selbständiger Dienste für sonstige (Spezial-) Aufgaben (z.B. Funküberwachung, Personen- und Objektschutz usw.). Bei der Einrichtung der neuen Dienste und der Rekrutierung des erforderlichen Personals wurde in beachtlichem Umfang auf ehemaliges KGB-Potenzial zurückgegriffen.

Weiterführende Informationen:

Rechte Frontgruppe Chrysi Avgi gründet Zelle in Nürnberg

RAF-Terroristin Verena Becker: Beim KGB war sie unerwünscht

Der Mossad. Ein Ex-Agent enthüllt Aktionen und Methoden

Nato-Geheimarmeen in Europa: Inszenierter Terror und verdeckte Kriegsführung

Der Verfassungsschutz - Geistig-politische Auseinandersetzung in der Bundesrepublik Deutschland

Sozialrevolutionärer Terrorismus, Straßner

Geheimdienst, Politik und Medien: Meinungsmache Undercover

Der zweite Tod meines Vaters, Michael Buback

Rote Lügen in grünem Gewand: Der kommunistische Hintergrund der Öko-Bewegung

Das RAF-Phantom Wozu Politik und Wirtschaft Terroristen brauchen

  
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