EU will Stahlbranche mit Geld aus dem Emissionshandel wettbewerbsfähiger machen


(C) Deutsche Fotothek / Eugen Nosko, 1980, Bild: Wikipedia (CC BY-SA 3.0 DE)

Nach dem Willen von EU-Politikern und Industriekreisen soll der angeschlagenen Stahlbranche in Europa unter die Arme gegriffen werden. Den Angaben zufolge soll hierzu auch Geld aus dem Emissionshandel genutzt werden, damit die Branche "wettbewerbsfähiger" gestaltet werden kann.

Am Dienstag einigten sich der EU-Industriekommissar Antonio Tajani, Minister und Vertreter von rund einem Dutzend Regierungen als auch des Branchenverbandes Eurofer und des Gewerkschaftsbundes industriAll auf diesen Schritt. Das Geld aus dem Emissionshandel soll neue Technologien in der Stahlbranche ermöglichen.

Mit Blick auf die deutsche Stahlindustrie wurde zuletzt vermeldet, dass diese zum Jahresanfang auf leichtem Erholungskurs geblieben sei. Im vergangenen Januar wurden in Deutschland etwa 3,6 Millionen Tonnen Rohstahl erzeugt. Es war der vierte Anstieg in Folge, gab man bekannt. Für das gesamte Jahr 2013 rechnet man in der deutschen Branche mit einem Mini-Wachstum der Produktion von einem Prozent.

Mit dem Geld aus dem Emissionshandel solle die Stahlbranche nicht nur wettbewerbsfähiger gemacht werden, man wolle Europa reindustrialisieren und zudem die grüne Wirtschaft weiter anstoßen. Damit dies gelingen kann, müsse man Stahl verteidigen, sagte der EU-Industriekommissar Antonio Tajani.

Der Konzern Thyssen-Krupp versenkte zuletzt Milliarden mit seinen Übersee-Abenteuern. Doch der Konzern ist nicht alleine: Die europäische Krise zog auch Marktführer Arcelor-Mittal in die Verlustzone. Der weitere Ausblick bleibt insgesamt düster. 2012 stand ein Verlust von 3,7 Milliarden US-Dollar (2,7 Mrd. Euro) unter dem Strich, teilte der Stahlkonzern ArcelorMittal mit.

Im Juli vergangenen Jahres hatte die europäische Stahlindustrie Befürchtungen gehegt, dass es höhere Importe aus Russland geben wird. Dies unter anderem deshalb, da sich mit dem Beitritt des Landes zur WTO (Welthandelsorganisation) die Grenzen für russischen Stahl öffnen würden. Zuvor waren die Importe durch eine Quote limitiert. "Insgesamt sind langfristig 60 bis 70 Prozent der europäischen Stahlkapazitäten dadurch bedroht", sagte Wolfgang Eder, Chef von Voestalpine und Präsident des europäischen Stahlverbands Eurofer, dem "Handelsblatt" im Juli 2012.

Im November hatte die EU-Kommission vorgeschlagen, um mehr Anreize zum Energiesparen zu liefern, dass 900 Millionen CO2-Zertifikate mehrere Jahre später als eigentlich geplant war zu versteigern. Man argumentierte, dass man den Markt nicht mit zusätzlichen Zertifikaten überschwemmen dürfe, da bereits ein Überangebot bestehe. Der Emissionshandel ist eines der Hauptinstrumente der EU für den "Klimaschutz". Seitens der Wirtschaftsvereinigung Stahl hatte man Kritik an den Bestrebungen der EU-Kommission geäußert, denn eine Verknappung schädige die Wettbewerbsfähigkeit der Stahlerzeuger gegenüber ihren außereuropäischen Konkurrenten, welche keinen Emissionshandel hätten.

Anfang vergangenen Jahres hatten die europäischen Stahlhersteller in Brüssel eine Beschwerde über unfaire Subventionen für ihre chinesischen Konkurrenten eingereicht. Seitens Eurofer kritisierte man damals, dass der Anstieg der chinesischen Importe von organisch beschichteten Blechen in die EU auf massive Subventionierung zurückgehen würde. Nach Darstellung von Eurofer unterstützen in China sowohl Peking als auch die Provinzregierungen und Kommunen "praktisch jeden Bereich ihrer Stahlindustrie".

Bild-Quelle: Wikipedia (symbolisch)

  
Bücherindex Bild Link

Weitere Inhalte