Inflation droht: Venezuela wertet seine Landeswährung Bolivar ab


Bolivarische Republik Venezuela

Die Regierung von Venezuela hat die Landeswährung um fast 32 Prozent gegenüber dem US-Dollar abgewertet. Dieser Schritt war von verschiedenen Beobachtern seit Monaten erwartet worden. Als er letztendlich eintrat, waren aber recht viele überrascht.

Dies deshalb, da der Präsident Hugo Chávez als oberster Patient des Landes gilt. Dieser hält sich seit Mitte Dezember 2012 in Havanna (Kuba) auf, wo er sich einer erneuten Operation zur Bekämpfung seiner Krebserkrankung unterziehen musste.

Seit Monaten gibt es kein richtiges Lebenszeichen von ihm. Offiziell sei die Abwertung der Währung aber auf seinen Wunsch hin durchgeführt worden, berichteten staatliche Medien. Seitens des venezolanischen Finanzministers Jorge Giordani sprach man von einer "Anpassung des Wechselkurses".

Für einen US-Dollar müssen anstatt 4,4 nun 6,3 Bolivares bezahlt werden. Das entspricht einer Abwertung von 31,75 Prozent des staatlich fixierten Wechselkurses. Mit dem nun unternommenen Schritt will die venezolanische Regierung ihre Finanzen sanieren, nachdem sie im vergangenen Jahr große Ausgaben getätigt hatte.

Als Folge dürften die Preise in dem stark von Importen abhängigen Land steigen. Zentralbank-Präsident Nelson Merentes teilte mit, dass die Regierung auch das Wechselkurssystem SITME einstellen wird.

Bereits im Jahr 2010 hatte sich Venezuelas Regierung zu einem ähnlichen Schritt entschlossen. Die neue Abwertung sei seit längerem fällig gewesen, denn die Preise hätten sich in dieser Zeit fast verdoppelt.

Im Jahr 2011 hatte Larry Fink von BlackRock benannt, dass die Kapitalmärkte besonders totalitäre Regierungen mögen würden. Besonders interessant ist in diesem Spektrum autoritärer Sozialismus, mit einer gepfefferten Dosis an Verstaatlichungen. Damals hatte Bloomberg berichtet, dass einer der größten Profiteure von zehn Jahren "glorreicher sozialistischer Revolution" in Venezuela, samt über 1000 verstaatlichten Unternehmen, niemand anderes als Goldman Sachs war. Insgesamt brachte die Ausrichtung an den venezolanischen Herrscher 681 Prozent Rendite ein. Ein weiterer Profiteur ist OppenheimerFunds Inc.

Hugo Chávez hatte sich damals dafür entschieden, mit dem Ölvermögen des Landes die ausländischen Banken zu bezahlen, mit etwa zwölf Prozent Zinsen. Andere Investoren gingen wegen sozialistischer Maßnahmen eher auf Abstand.

Da Hugo Chávez wohl in den letzten Zügen seines Kampfes gegen Krebs liegen dürfte, werden die traumhaften Renditen wohl nicht länger anhalten. Wären die Zinsen bisher nicht überpünktlich gezahlt worden, hätten die Banken Venezuelas Öllieferungen und ausländische Assets wie Raffinerien beschlagnahmt.

Viele Unternehmen des Landes, welche in den 1980er und 1990er Jahren privatisiert wurden, sind inzwischen wieder verstaatlicht; seit dem Jahr 2007 wurden vom Staat 347 Unternehmen aus einer breiten Reihe von Industrien (Energie, Banken, Zement, Einzelhandel, Tourismus, usw.) zu marktgerechten Preisen enteignet.

  
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