UK: Agenten der Metropolitan Police bedienten sich der Identität toter Kinder


(C) Canley, 2005, Bild: Wikipedia (gemeinfrei)

Einem Bericht des britischen "Guardian" zufolge, hätten sich Undercover-Spione (GB) zwischen 1968 und 1994 an den Identitäten von verstorbenen Kindern bedient. Demnach hätten sich mit den Personendaten, welche die "Metropolitan Police" aus Sterbe- und Geburtsregistern gewonnen hatte, V-Männer Zutritt zu Protestgruppen erschlichen.

Die Eltern der verstorbenen Kinder wurden dabei nicht von der Nutzung der Personendaten als Fremdidentität in Kenntnis gesetzt, schreibt man. Die Agenten hätten Pässe, Führerscheine und andere Papiere auf die Namen der verstorbenen Kinder ausgestellt und genutzt. In der Zwischenzeit hätten einige der betroffenen V-Männer Berichte über ihren Einsatz mit den falschen Identitäten abgelegt.

Unter diesen ist auch die Person "Pete Black". Dieser hatte sich zum Beispiel unter dem Namen eines verstorbenen vierjährigen Jungen in eine Antifa-Gruppe eingeschlichen. Black gab zu seinem Einsatz unter falscher Identität zu verstehen: "Ein Teil von mir dachte darüber nach, wie es sich wohl anfühlen würde, wenn der Name und andere Angaben meines eigenen Sohnes für eine solche Sache benutzt werden würde".

Besonders zu schaffen machten ihm die jährlichen Geburtstage, die er gekünzelt feiern musste. Um die Tarnung dabei nahezu perfekt zu machen, hätte man sogar Geburtsort und Geburtshaus der Schein-Identität aufsuchen müssen, schreibt man bei "The Guardian". Ein anderer V-Mann-Kollege, der unter der Identität eines bei einem Autounfall ums Leben gekommenen Kindes agierte, hatte ebenfalls berichtet, dass es ihm nicht leicht gefallen sei.

Licht ins Dunkle zu dieser Sache kam, als eine EX-Freundin eines der V-Männer nach dessen plötzlichen Verschwinden Nachforschungen anstellte. Diese stieß den Angaben zufolge auf die Identität eines Kindes, eines toten, wie sich nachträglich herausstellte. Sie sagte, dass sie im Nachhinein froh darüber sei, nie die Eltern des toten Jungen ausfindig gemacht zu haben, da es sie wahrscheinlich komplett wahnsinnig gemacht hätte.

Die beiden Agenten die das Interview gaben waren demnach für das SDS (Special Demonstration Squad) aktiv im Einsatz - jenes wurde im Jahr 2008 eingestellt. Die Praxis, sich an den Identitäten verstorbener Kinder zu vergreifen, sei scheinbar bereits Mitte der 1990er Jahre eingestellt worden, da die Sterbe- und Geburtsregister in Großbritannien nach und nach digitalisiert wurden.

Es sei jedoch bis 2003 weiterhin zu "vereinzelten" Identitätsmissbräuchen gekommen, so der Kenntnisstand der beiden Agenten gegenüber dem Guardian. Offiziell hätte die Metropolitan Police diese Vorfälle nicht zugegeben, wobei jedoch interne Ermittlungen laufen, was Keith Vaz, Vorsitzender des vom Parlament eingesetzten Komitees für innere Angelegenheiten, schockieren würde.

Mitte des Jahres 2011 stand Polizeichef Paul Stephenson, Chef der Metropolitan Police, wie Scotland Yard offiziell heißt, in den Schlagzeilen, wegen des Abhörskandals im Land. Im Zuge des Abhörskandals um die britische Boulevardzeitung "News of the World" geriet die Londoner Polizeibehörde Scotland Yard dabei immer mehr unter Beschuss.

Stephenson war infolge von seinem Amt zurückgetreten. Premier Cameron bedauerte den Rücktritt Stephensons und sprach von einem "traurigen Moment für ihn". Cameron selbst stand wegen seiner einst engen Kontakte zu Murdoch-Medien in der Kritik. Im gleichen Zeitraum wurde ein ehemaliger Reporter von "News of the World" tot aufgefunden, wobei man als Todesursache angeblich Alkohol- und Drogenprobleme ausmachen konnte.

News of the World war eine britische Sonntagszeitung des Boulevardbereichs. Infolge des Abhörskandals verkündete am 7. Juli 2011 James Murdoch, CEO der News Corporation für Europa und Asien, die Einstellung der Zeitung mit der Sonntagsausgabe vom 10. Juli 2011. James Murdoch ist das vierte von sechs Kindern des US-amerikanischen Medienunternehmers Rupert Murdoch.

Bild-Quelle: Wikipedia (symbolisch)

  
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