Opfer von Dutroux-Netzwerk verklagen Belgien vor Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte


(C) CherryX, 2012, Bild: Wikipedia (CC-by-sa 3.0/de)

Opfer des Marc Dutroux Falls hätten nun beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte Klage gegen den belgischen Staat eingereicht. Mit diesem Vorstoß wolle man verhindern, dass in Verfahren zur vorzeitigen Haftentlassung die Belange der Verbrechensopfer besser berücksichtigt werden, heißt es in einem offenen Brief der Kläger der an das belgische Justizministerium gerichtet ist und in der Zeitung "Le Soir" abgedruckt wurde.

In der eingereichten Klage soll erreicht werden, dass Opfer der Verbrechen in Verfahren von Vollstreckungsgerichten, welche Hafterleichterungen überprüfen, umfassend konsultiert werden müssen.

Zu den klageanstrengenden gehört Laetitia Delhez, welche von Dutroux 1996 als 14-Jährige sechs Tage gefangen gehalten wurde und Jean-Denis Lejeune, dessen Tochter Julie auf einem Anwesen von Dutroux tot aufgefunden worden war.

Derzeit ist es so, dass im belgischen Vollzugsrecht die Opfer bei möglichen Fragen der Resozialisierung nur begrenzte Mitspracherechte haben, zum Beispiel zum Wohnort eines unter Auflagen freigelassenen Straftäters.

Am vergangenen Montag hatte das Vollstreckungsgericht in Brüssel über einen Antrag Dutrouxs auf bedingte Haftentlassung entschieden. Seitens der Haftaufsicht hatte man einen "Rückfall" nicht ausgeschlossen, womit dem Antrag eher geringe Chancen eingeräumt werden.

Sicher ist dies jedoch nicht. Die Ex-Frau von Dutroux und gleichzeitig Komplizin wurde im August letzten Jahres nach der Verbüßung von 16 der 30 Haftjahre unter Auflagen freigelassen.

Mitte September 2012 wurde dazu bekannt, dass Dutroux beantragte, vorzeitig aus der Haft entlassen zu werden. Er wolle den Rest seiner Strafe unter Hausarrest absitzen. Der 55-Jährige wolle sich mit elektronischen Fesseln überwachen lassen, hieß es.

Die verurteilte "Komplizin" und frühere Ehefrau von Dutroux war Ende August 2012 in einem Frauenkloster (Malonne, nahe Namur) im Süden Belgiens eingetroffen, in dem sie nach ihrer vorzeitigen Haftentlassung künftig leben soll.

Jedoch unterliegt die 52-Jährige strengen Auflagen. So muss sie in dem Kloster leben und darf sich nicht in der Öffentlichkeit zeigen. Michelle Martin war 1996 mit Dutroux festgenommen und im Jahr 2004 zu 30 Jahren Gefängnis verurteilt worden.

Im Jahr 1999 erschien ein Buch zur Thematik unter dem Titel "The X-Dossiers" von den investigativen Journalisten Marie-Jeanne Van Heeswyck, Annemie Bulté und Douglas De Coninck. In diesem wird unter anderem erläutert, wie die wichtigsten Aspekte der gesamten Ermittlungen im Fall um Dutroux beseitigt oder manipuliert wurden.

Es heißt, dass Dutroux nicht der Mittelpunkt der Affäre sei, sondern lediglich ein einzelnes Rädchen in einer viel größeren Maschinerie, welche Kinder für einflussreiche Kreise beschaffe. In dem Buch durften dabei nicht die Namen jener Individuen veröffentlicht werden, die von einer Bandbreite an Zeugen belastet worden waren.

Der Grund schien hier offensichtlich, denn die Autoren hätten wahrscheinlich bis an das Ende ihres Lebens Geldstrafen wegen Verleumdung zahlen müssen. Immer wieder führen dabei Untersuchungen nach Belgien, insbesondere nach Brüssel.

Im Fall um Dutroux starben zahlreiche wichtige Zeugen innerhalb einer kurzen Zeitspanne unter mysteriösen Umständen. Damals konzentrierten sich Ermittlungen auch auf Abrasa, ein selbsternanntes Institut für Schwarze Magie.

Dessen Sitz lag in der Gemeinde Forchies-la-Marche. Unter den Objekten, die aus dem heruntergekommenen Gebäude entfernt wurden, waren menschliche Schädel. Ähnliches konnte im Fall um "Jimmy Savile" und anhängende Strukturen in Großbritannien und weiteren Fällen beobachtet werden.

Forchies-la-Marche liegt nahe der Stadt Charleroi, wo Marc Dutroux, der arbeitslose Elektriker (der zahlreiche Anwesen/Häuser hatte), verhaftet worden war. Die Polizei hat lange vermutet, dass Dutroux, ein verurteilter Pädophiler, einem internationalen Netzwerk angehört, das Kinder entführte, sexuell missbrauchte und sie dann tötete.

In einer weiteren unerwarteten Wendung behauptete eine belgische Zeitung in dieser Sache, dass ein ehemaliger EU-Kommissar zu einer Gruppe von Richtern, führenden Politikern, Anwälten und Polizeibeamten gehörte, die in einem belgischen Schloss an Orgien teilnahmen, die Michel Nihoul organisierte, einer der mutmaßlichen Komplizen von Dutroux.

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Dossier: Einflussreiche Männer und Kinderschänderringe

Kinderschänder-Urteil in Portugal: Die Täter und ihre Bilderberg-Kontakte

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Belgiens Mordprozess: Verbindungen zu Satanisten

Dunkle Schatten: Jimmy Savile und Roald Dahl

Das Pädophilennetzwerk von Autor Jean Nicolas

Buch: Rotkäppchens Schweigen, Martha Schalleck

  
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