Rotes Kreuz: Armut in Europa nimmt rasant zu


(C) Julius.kusuma, 2005, Bild: Wikipedia (CC BY-SA 3.0)

Wegen der Krise seien bereits Millionen Europäer in Armut gefallen, schlägt nun die internationale Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften (IFRC) Alarm. Dabei sei zu beobachten, dass immer mehr Menschen humanitäre Hilfe beanspruchen.

Auch Menschen die vorher nie Hilfe nötig hatten, kommen zu uns, wobei sich viele schämen würden und verzweifelt sind, sagte Anitta Underlin, Direktorin des europäischen Roten Kreuzes, am Mittwoch auf einer Pressekonferenz in Genf.

Mittlerweile seien fast alle europäischen Länder betroffen, denn bereits 26 Millionen Bürger in den 27-EU-Mitgliedsstaaten seien ohne Arbeit. Die damalige Krise in den Jahren 2008 und 2009 konnte noch recht gut überwunden werden, da die Haushalte noch entsprechend Reserven hatten.

Doch die mittlerweile weiter ausgewachsene Krise gehe viel tiefer und umso länger sie andauert, desto stärker bekämen sie die Schwächsten der Gesellschaft zu spüren. Im letzten Jahr hatte das Rote Kreuz in Spanien mehr als 1,2 Millionen direkt betroffenen Menschen geholfen.

Für dieses Jahr rechnet man mit einem Anstieg um 300.000 Personen, die von extremer Armut bedroht sein werden. Mit Blick auf das französische Rote Kreuz konnte eine Zunahme der Hilfeleistungen um 14 Prozent im vergangenen Jahr festgestellt werden.

Doch am schlimmsten fällt der Anstieg im Eurokrisenland Griechenland aus. Hier sind besonders viele Menschen auf humanitäre, finanzielle oder auch psychosoziale Hilfe angewiesen. Es seien bereits mehr als ein Viertel der Menschen arbeitslos, die Jugendarbeitslosigkeit liegt über 50 Prozent.

Fast 20.000 Menschen sind obdachlos. Die Organisation müsse tagtäglich für Tausende von Menschen Nahrungsmittel besorgen und diese ausliefern, so der Vizepräsident des griechischen Roten Kreuzes, Andreas Potamianos. Anfang Januar hieß es in Medienberichten, dass das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) erklärt, dass man sich künftig stärker auf Europa konzentrieren wolle.

Yves Daccord, der Generaldirektor des IKRK, gab zu verstehen: "Ich möchte hier klarstellen, dass ich nicht damit rechne, dass es in Europa einen Bürgerkrieg wie in Syrien kommen wird. Ich rechne also nicht damit, dass es in Europa zu einem vollumfänglichen Krieg kommt, aber ich glaube, dass wir uns hier auf Gewalt einstellen müssen".

Man sehe, dass es zunächst bei den Europäern zu einem ansteigenden Druck kommen, wobei es immer mehr Menschen schlecht gehen wird. Die Länder würden aufgrund der Wirtschaftskrise weniger Geld für Sozialleistungen aufwenden, wodurch dem Roten Kreuz "neue Herausforderungen" geschaffen werden, welche man bisher so nicht erlebt hätte.

In Spanien unterstützt das IKRK mittlerweile rund 300.000 „extrem gefährdete“ Menschen, die nicht in der Lage sind, sich alleine durchzuschlagen und hilft weiteren Millionen Spaniern in Not. Das griechische Rote Kreuz befindet sich im Begriff, mit dem Rest des Landes in die Pleite zu gehen.

Eurostat, die Statistikbehörde der Europäischen Union, meldete, dass fast 120 Millionen EU-Bürger unterhalb der europäischen Armutsgrenze leben. Wer über weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens verfügt, gilt dabei arm.

Das Festhalten an der gescheiterten Einheitswährung Euro versperrt den Weg, mit dem in der Vergangenheit erfolgreich die Wettbewerbsfähigkeit hergestellt wurde: Durch Abwertung einer eigenen nationalen Währung. Hunger und Armut gab es noch vor wenigen Jahren nur in den entlegenen, unterentwickelten Teilen der Welt. Jetzt sind sie zurück in Europa.

Bild-Quelle: Wikipedia (symbolisch)

  
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