Frankreich: Stinkende Gaswolke zieht bis ins südliche England und in den Raum Paris


(C) MarkGGN, 2006, Bild: Wikipedia (nicht portiert) (CC BY-SA 2.5)

Nach einem Chemieunfall in Frankreich ist eine freigesetzte und stinkende Gaswolke mehr als hundert Kilometer bis in die französische Hauptstadt Paris und ins südliche Großbritannien gezogen, heißt es in aktuellen Medienberichterstattungen.

Für die französische Stadt Rouen (Region Haute-Normandie) ordnete man seitens der Behörden einen Notfallplan an, hier befindet sich auch die betroffene Chemieanlage. Die Produktion in der Anlage wurde bis auf weiteres gestoppt, so die letzte Meldung zur Sache. Wegen der stinkenden Gaswolke riefen tausende von besorgten Bürgern bei Rettungsdiensten an.

Den bisherigen Angaben zufolge sei die Gaswolke bereits am Montagvormittag nach einer eingetretenen Reaktion im Werk Lubrizol ausgetreten. Hier werden unter anderem auch Stoffe für Farben oder Schmieröle produziert. Durch die Windbedingungen wurde die Gaswolke bis in das rund 130 Kilometer südlich gelegene Paris und auch über den Ärmelkanal ins südliche Großbritannien getragen.

Nach dem Gaszwischenfall reise die französische Umweltministerin Delphine Batho vorzeitig aus Berlin ab, wo sie an den Feiern zum 50. Jahrestag des deutsch-französischen Freundschaftsvertrags teilgenommen hatte.

Seitens der Behörden gab man zu verstehen, dass es wohl keine Gefahr für die Gesundheit gebe. Diese Mitteilung machte man, nachdem tausende Franzosen und auch zahlreiche Engländer bei Notfalldiensten anriefen. Medienberichten zufolge hätten einige auch über Kopfschmerzen, Übelkeit oder tränende Augen geklagt. Den Angaben des Innenministeriums in Paris zufolge, besteht die freigesetzte Gaswolke aus Methylmercaptan – ob auch andere Stoffe, ist bislang nicht bekannt.

Dieses Gas würde man bereits dann riechen können, bevor eine toxische Konzentration erreicht wird. In schwacher Konzentration sei das Gas nicht gesundheitsschädlich, hieß es auf eine Anfrage seitens der Nachrichtenagentur AFP.

Grund für den Chemieunfall war nach Angaben von Rettungsdiensten eine "Reaktion" in einem Ofen der Lubrizol-Fabrik, die der Holding Berkshire Hathaway des US-Investors Warren Buffett gehört. Wegen dem Zwischenfall sah sich der französische Fußballverband FFF (Fédération Française de Football) gezwungen, das für Mittwochabend geplante Pokalspiel zwischen dem Drittligisten FC Rouen und Olympique Marseille zu verschieben.

Laut Innenministerium war der Geruch am Dienstag in mehreren Départements der Regionen Haute-Normandie und auch im Großraum Paris "sehr präsent". Zahlreiche Bürger riefen die Nachrichtenagentur AFP an und beschwerten sich über den Geruch und klagten über Kopfschmerzen. "Alle sagen, wir sollen keine Angst haben, aber das gleiche wurde auch über die Wolke von Tschernobyl gesagt", sagte eine Familienmutter mit Blick auf den Atomzwischenfall in Tschernobyl 1986.

Das ausgestoßene Gas hat einen heftigen Geruch und wird für die Aromatisierung geruchfreier leichtflüchtiger Substanzen eingesetzt, damit so ein Leck rechtzeitig festgestellt werden kann.

Nach Angaben des französischen Instituts für Forschung und Sicherheit (INRS) kann es bei Personen, die dem Gas direkt ausgesetzt sind, zu Lungenproblemen, Schwindel, Übelkeit und Bewusstseinsstörungen kommen. In sehr hohen Konzentrationen kann Methylmercaptan auch tödlich sein.

Experten sagten in der Presse auch, dass die Kopfschmerzen oder Übelkeit ggf. auf psychologische Umstände zurückzuführen sind, eine Art Placebo-Effekt. (Man denkt es ist etwas extrem Schlimmes, wobei die Biochemie im Hirn entsprechende „Hebel und Schalter“ in Gang setzt und einem ggf. wirklich Übelkeit überkommt).

Bild-Quelle: Wikipedia (symbolisch)

  
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