Guantanamo: Fayez al-Kandari spricht über Folter und seine Hoffnungslosigkeit


(C) JamesHenry, 2011, Bild: flickr (nicht portiert) (CC BY 2.0)

Eigentlich versprach der US-Präsident Barack Hussein Obama vor der Wahl zu seinem ersten Amtsantritt, dass die Folterstätte in Guantanamo geschlossen wird. Doch wie viele seiner Versprechen, stellte sich heraus, dass er sich wohl nur "versprochen" hat. Dabei ist Guantanamo nicht der einzige Ort, wo gegen geltende Menschenrechte verstoßen wird.

Einer der Insassen, Fayez al-Kandari, sitzt mittlerweile fast elf Jahre in dem US-Gefangenenlager. Gegenüber der Nachrichtenagentur AFP sagte Kandari, dass er ständig zwischen "Hoffnung" und "Verlassenheit" schwanken würde. Jedes Mal, wenn sein Anwalt in besuchen darf, stellt er ihn die Frage: "Hast du Gerechtigkeit für mich gefunden"? Worauf dieser regelmäßig antworten muss: "Leider, Fayez, bringe ich dir keine Gerechtigkeit heute".

Im Dezember 2001 wurde al-Kandari in Afghanistan festgenommen. Den offiziellen Angaben der USA nach, hätten hauptsächlich Saudis die Terroranschläge von 2001 durchgeführt, wobei es natürlich logisch war, dass man Afghanistan überfallen und besetzen musste.

Nach Angaben von al-Kandari war er damals in einer "Hilfsmission" im Land unterwegs. Seitens der US-Streitkräfte verdächtigt man die Person, ein aktives Mitglied der Terrororganisation Al-Kaida zu sein. Ebenfalls stehe er im Verdacht, "Berater und Vertrauter" des ehemaligen Führers Osama bin Laden gewesen zu sein.

Dass jene Terrororganisation erst selbst durch die USA als extern-angeleitetes Werkzeug geschaffen wurde, scheint jene dabei nicht direkt zu kümmern. Al-Kandari wird hierbei in spezieller Weise vorgeworfen, dass er in Propagandaschriften die Attentäter vom 11. September 2001 verherrlicht hätte.

Nach Guantanamo überführt wurde er im Mai 2002. Am 11. Januar 2002, vor elf Jahren, wurden die ersten Häftlinge auf den US-Marinestützpunkt nach Kuba "verbracht". Nach Angaben von Al-Kandari hätten für ihn, wie für weitere 165 verbleibende Insassen, die Qualen am ersten Tag begonnen.

Damals wurde er betäubt und mit einem Sandsack über den Kopf in das Lager gebracht. Bereits in den ersten Wochen sei er mehr als 300 Mal verhört worden, teilweise 36 Stunden am Stück. Jene Methoden stellen eine Art Gehirnwäsche dar, wobei der Malträtierte möglichst einen psychologischen Bruch erfahren soll.

Jene Methoden werden in verschiedenen Strukturen zur Anwendung gebracht. Man "knüppelt" ein Individuum psychologisch auf das Niveau eines Kleinkindes zurück, um diesen danach wieder passend "aufzubauen" (Gefügigmachung). Auch berichtet die benannte Person von verschiedenen Foltermethoden, etwa dass eiskaltes Wasser über den nachten Körper gegossen worden sei.

Im psychologischen Spektrum hätten aggressive Hunde gebellt. Gerade muslimische/islamische Menschen haben dabei deutlich gesteigerte Angstzustände bei Hunden, als andere Glaubensorientierungen. Im weiteren Verlauf kamen vermehrt rassistische Beleidigungen hinzu, zu denen etwa auch religiöse Beschimpfungen zählten.

Nach Jahren der Folter sei es nach Angaben Al-Kandari mittlerweile so, dass es "relativen Frieden auf der Grundlage gegenseitigen Respekts" geben würde, doch fühle er sich weiterhin "extrem verlassen".

Al-Kandari war anfangs wegen "Unterstützung einer Terrororganisation" angeklagt worden, doch im Juni 2012 wurde dieser Vorwurf fallengelassen. Dennoch gehört er weiter zu den 40 Insassen, die als zu gefährlich gelten, um freigelassen zu werden. Zugleich reichen die Beweise gegen sie aber auch nicht für eine Verurteilung aus.

Bild-Quelle: flickr (symbolisch)

  
Bücherindex Bild Link

Weitere Inhalte