Positiv Denkweise: Smile or Die - von Autorin Barbara Ehrenreich


Wie die Ideologie des positiven Denkens die Welt verdummt

Die positive Denkweise erobert die Welt. Mittlerweile sind wir in fatalen Krisenzuständen angekommen und selbst jene sind doch positiv oder nicht? Denn mit ein wenig Selbstblendung, auch zwanghaftes positives Denken genannt, wird man selbst aus der tiefsten Krise erstarkt herauskommen.

Seit geraumer Zeit springen gerade leichtgläubige/leichtmanipulierbare Menschen auf den Zug auf, "sei positiv" oder "Optimisten leben länger". Aber auch andere Sprüche, alla "Der Erfolg ist in dir", kommen immer gut bei vielen Menschen an. Wer kann denn auch schon auf den ersten Blick positive Dinge ablehnend betrachten? Dass hier jedoch wahre Substanz fehlt, ist vielen eher egal. Schon seit Jahrzehnten künden dabei selbsternannte Ratgeber und sogenannte Motivationstrainer von der absolut grenzenlosen Macht des positiven Denkens.

Zahlreiche irrationale (in der Oberhand durchaus tiefen-narzisstisch geprägte) Konzepte sollen "die Massen erobern". Gesundheit, Glück, natürlich auch "Reichtum" und beruflicher Erfolg sind die Botschaften der Glücks-Gurus. Alles würde für jeden immer und jederzeit erreichbar sein - natürlich eine lückenlos positive Grundhaltung vorausgesetzt. Ein Fremdscheitern, des Gurus, gibt es nicht.

Wenn etwas („negativ“) danebengeht und man nicht anhand der psychologischen Selbstblendung auf einen grünen Ast kommt, ist nicht etwa der Glücks-Guru schuld, sondern man selbst - man hat ja nicht genügend positive "Energie" ausgestrahlt, zu viel "negative Energie" hat den Moment des Glücks zunichte gemacht. Mit der absolut positiven Haltung, ohne einen einzigen Negativgedanken, würde es keine Sorgen mehr geben. Man sei selbst schuld, wenn man noch Sorgen hat oder gar die Ursachen seiner Probleme in der Realität vermutet.

Da der Mensch psychologisch gesehen gerne zum "magischen Denken" neigt, haben derartige Botschaften, welche gerade auch über das Internet ein immer breiteres Publikum ansprechen, einen hohen Verbreitungsgrad erreicht. Lebensgefährlich wird es dabei, wenn die Motivationstrainer und ähnliche Gurus im gesundheitlichen Spektrum aktiv sind. Selbst Krebskranke werden heute gewarnt, eine »negative Haltung« könne ihre Heilung gefährden.

Doch wie konnte die positive Gehirnwäsche und Selbstblendung überhaupt so tief in die Gesellschaft einsickern? Wie konnte aus dem harmlosen Lob einer optimistischen Lebenseinstellung eine kulturelle Glaubenswahrheit mit zunehmend zwanghaften Zügen werden? In dem Buch "Smile or Die. Wie die Ideologie des positiven Denkens die Welt verdummt" nimmt die Autorin Barbara Ehrenreich eine blühende Bewusstseinsindustrie unter die Lupe, in der mittlerweile Milliarden verdient werden.

Da es keine wissenschaftliche Evidenz gibt, dass die "positive Psychologie" (Selbstblendung) und sog. "Glücksforschung" auch wirklich etwas bewirkt, scheint es gar erstaunlich, dass inzwischen gar an einigen Universitäten dieser Mumpitz vorgekaut wird.

Doch nirgendwo ist das Ausblenden der Realität stärker verbreitet als in der Wirtschaft: Die strikte Weigerung, negative Entwicklungen überhaupt ins Auge zu fassen, hat, so Ehrenreich, wesentlich zum jüngsten Crash beigetragen. Eine »erfrischend aggressive und glänzend intelligente Attacke auf das Nonsense-Monster mit den tausend Armen« (schreibt die Daily Mail zu dem Buch), zugleich ein überfälliges Plädoyer für eine Rückkehr zu Realismus und gesundem Menschenverstand.

Das erhellende, mit kritischer Intelligenz und beißendem Spott höchstinteressant geschriebene Buch "Smile or Die. Wie die Ideologie des positiven Denkens die Welt verdummt" von Barbara Ehrenreich können Sie in der 1. Auflage unter dieser Quelle beziehen

  
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