Ägypten: Schwere Ausschreitungen zwischen Anhängern und Gegnern von Mursi


(C) Gigi Ibrahim, 2012, Bild: flickr (nicht portiert) (CC BY 2.0)

In Ägypten scheinen die Proteste gegen Präsident Mohammed Mursi immer mehr in Gewalt umzuschlagen. Zuletzt wurden gar Panzer vor dem Amtssitz aufgefahren. Über die Nacht hinweg gab es immer wieder teils heftige Auseinandersetzungen. Die Mursi-Gegner und auch Anhänger bewarfen sich erneut mit Steinen. Mehrere hundert Anhänger Mursis harren dabei weiter vor dem Gebäudekomplex des Machthabers aus.

Die Armee versprach zuletzt, dass man nicht mit Gewalt gegen die Demonstranten vorgehen werde. Seitens des Kommandeurs der Republikanischen Garde, General Mohammed Saki, sagte man gegenüber der Nachrichtenagentur Mena, dass die Armee "...kein Instrument zur Unterdrückung von Demonstranten sei".

In der Nacht war Kairo von den heftigsten Straßenkämpfen seit der Revolution erschüttert worden. Die Militärs, die zum Schutz von Mursis Amtssitz im Einsatz waren, beruhigten mit Aufrufen zur Ruhe schließlich die Lage.

Ministerpräsident Hischam Kandil rief die Anhänger beider Lager zu Zurückhaltung auf, damit die jüngsten Bemühungen für einen nationalen Dialog eine Chance bekommen könnten. Zuletzt verkündete der Präsident, als Reaktion auf die ausufernde Gewalt, sich mit einer Ansprache an das Volk wenden zu wollen. Sein Stellvertreter Mekki hatte zuletzt Änderungen am umstrittenen Verfassungsentwurf vorgeschlagen.

Bei den Ausschreitungen über die Nacht hinweg bis in den frühen Morgen hinein starben mindestens fünf Menschen, 350 wurden verletzt, so das ägyptische Gesundheitsministerium. Entzündet hatte sich der Streit an einem Dekret Mursis, mit dem dieser seine Machtbefugnisse für die Zeit bis zum Inkrafttreten einer neuen Verfassung auf Kosten der Justiz ausgeweitet hatte.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle zeigte sich "bestürzt" über die jüngste Entwicklung. Mit dem Verfassungsprozess solle Ägypten eigentlich geeinigt werden. Seit Tagen demonstrieren Anhänger und Gegner des Staatschefs für und gegen den von Islamisten formulierten Verfassungsentwurf. In den Städten Ismailija und Suez zogen nach Angaben von Zeugen hunderte Menschen vor Büros der Muslimbruderschaft, Mursis politischer Heimat, und steckten diese in Brand.

Bild-Quelle: flickr (symbolisch)

  
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