Finanzierung Hitlers: Antony C. Sutton über die Finanzströme der Nazis


Zeigt den britischen Historiker Antony C. Sutton

Bei dem folgenden Videobeitrag, vertont durch Alexander Benesch (Recentr.com), zeigt der britische Historiker Antony C. Sutton auf, über welche „Mechanismen“ die damalige Machtergreifung durch Hitler erfolgen konnte. Hierbei spielten vor allem auch die finanziellen Unterstützungsmaßnahmen eine entscheidende Rolle.

Verschiedene "Alte Bekannte" waren in den direkten Finanzierungen des Nazi-Regimes involviert. Bei diesem Videobeitrag wird relativ kurz darauf eingegangen, über welche Wege das Geld floss. Es sollte logisch erscheinen, dass Hitler nicht per Fingerschnips an die Macht gekommen ist. "Gewisse Kreise" haben sich einen "passenden Psychopathen" (Hitler), den man durch seine spezielle Form recht leicht vorberechnen konnte, ausgewählt und ihn hin zu den Machthebeln gefördert.

Eine komplette Übersicht zu den Finanzierungen der NSDAP erhalten Sie im Buch "Wall Street und der Aufstieg Hitlers" (ISBN: 978-3907564691). Das folgende Video soll dabei nur ein kurzer Anriss, an die über 200 Seiten des Buches, sein, in dem Sutton detailliert auf die damaligen Finanzströme eingeht. Anbei ist ebenfalls eine Textform des Inhalts aus dem Video angefügt.

Das komplette Video in vier Teilen (hier klicken)

Sutton: Ich fand in den Nürnberger-Akten eine Reihe von Quittungen für Banküberweisungen an die Delbrück Schickler Bank in Berlin, an ein Konto unter der Kontrolle von Rudolf Hess. Mit diesem Kapital wurde Hitlers Machtergreifung finanziert. Unter den Firmen die Geld an Hitler transferierten, fand ich neben I.G.-Farben, die weithin bekannt sind, die Allgemeine Elektrizität-Gesellschaft (AEG), die damals unter der Kontrolle der amerikanischen General Electric (GE) stand, auch OSRAM.

Fragesteller: Was war die Verbindung zwischen OSRAM und General Electric?

Sutton: Die General Electric International in den USA hatte eine Mehrheitsbeteiligung an der deutschen Allgemeinen Elektrizität-Gesellschaft und außerdem auch an OSRAM.

Fragesteller: Wir haben also Firmen wie FORD und General Electric die Hitlers Machtergreifung finanzierten. Gab es auch andere große amerikanische Firmen die beteiligt waren?

Sutton: Absolut, Standard Oil zum Beispiel. Durch eine Technologie-Partnerschaft mit I.G.-Farben. Deutschland hätte 1939 nicht in den Krieg ziehen können, ohne Tetraethylblei. Man braucht es um die Oktanzahl von Flugzeugtreibstoff zu heben. Deutschland hatte dazu nicht die Möglichkeit. Man entwickelte den Stoff in Labors in den USA und gab ihn den Deutschen. Standard Oil kam auf die Idee mit der Dehydrierung. Das war von außerordentlicher Bedeutung für Deutschland in den 1930er Jahren, um so die Qualität des Flugzeugtreibstoffs zu erhöhen. Die Firma ITT International (International Telephone and Telegraph) war sehr eng mit den Nazis verbunden, durch Dr. Schröder. Dieser war Vorstand der ITT-Tochterunternehmen in Deutschland gewesen. ITT kontrollierte Firmen die nicht nur elektronische Instrumente herstellten, sondern auch die Focke-Wulf-Fabrik leitete man an, die u.a. Kampfflugzeuge bauten.

Fragesteller: Amerikanische Firmen halfen also bei der Finanzierung der deutschen Industrie, die wiederrum die Kriegsproduktion übernahm?

Sutton: Amerikanische Unternehmen, einige wenige, nicht viele, finanzierten Hitler durch ihre Tochterfirmen. Man transferierte Technologie, materielle Unterstützungen wie Lieferungen von Tetraethylblei, bevor die Deutschen es unter einem Abkommen mit den USA selbst herstellen konnten. Dann die Anschubfinanzierungen. Standard Oil bezahlte die Entwicklung der Treibstoffindustrie in Deutschland 1933, ohne die man nicht den Zweiten Weltkrieg hätte starten können.

Fragesteller: Das ist ein sehr interessanter Punkt. Könntest du näher darauf eingehen, woher Deutschland das Öl hatte, um im Zweiten Weltkrieg zu kämpfen? - Deutschland hat selbst keine Ölressourcen.

Sutton: Das ist richtig. Man setzte im Krieg synthetisches Öl ein, das aus Kohle gewonnen wurde. Dieser chemische Prozess kam aus den Vereinigten-Staaten, von den Laboren der Standard-Oil. Man hatte ein Technologie-Partnerschaftsprogramm mit der I.G.-Farben. Farben lieferte rund 60 Prozent aller Sprengstoffe für die Wehrmacht und 40-50 Prozent des Benzins für Wehrmacht und Luftwaffe.

Fragesteller: Was war die Verbindung zwischen I.G.-Farben und Standard Oil?

Sutton: Die Verbindung bestand durch Technologieaustausch, Patente. Ein Finanzierungs- und Technologieprogramm. Es gab auch weitere Verbindungen mit den USA, durch eine Tochterfirma, die amerikanische I.G.-Farben.

Fragesteller: Ist es nicht so, dass Direktoren des Vorstands von Standard Oil auch gleichzeitig im Vorstand der amerikanischen I.G.-Farben saßen?

Sutton: Ja, es gab mehrere.

Fragesteller: Gab es Verbindungen zwischen FORD [Motor Company] und der amerikanischen I.G.-Farben?

Sutton: Soweit ich mich erinnere nicht. Mir fällt da nichts auf Anhieb ein.

Fragesteller: Die amerikanische Industrie stellte also die Finanzierung und die Technologie für Hitlers Kriegsmaschinerie?

Sutton: Das ist korrekt.

Fragesteller: In deinem Buch "Wall Street und der Aufstieg Hitlers" schreibst du über die alliierten Bombardierungen im Zweiten Weltkrieg. Bestimmte Fabriken wurden nicht bombardiert. Während die Mehrheit der Fabriken in deutschem Besitz zerstört wurden, gab es bei manchen, bei denen die bereits angesprochenen Verbindungen vorlagen, keine Bombardements.

Sutton: Im Zweiten Weltkrieg hätte die Deutsche Elektrische Industrie [Anmerkung: Allgemeine Elektrizität-Gesellschaft] ein Ziel von höchster Priorität sein müssen, für die alliierte Bomberkampagne. Aber die Fabriken der Allgemeinen Elektrizität-Gesellschaft [zum Beispiel] wurden nicht bombardiert. Keine einzige der zehn großen Fabriken. Ein halbes Dutzend kleinere hatten nur marginale Schäden, zerbrochene Scheiben und so weiter. Diese Industrie hätte eigentlich angegriffen werden müssen. Die Besitzverhältnisse werfen einen klaren Verdacht auf.

Fragesteller: Was war mit den Fabriken im rein deutschen Besitz?

Sutton: Das hatte ich ebenfalls untersucht. Die Siemenswerke [u.a.] wurden zerbombt. Siemens wurde dabei nicht so stark bombardiert wie z.B. Panzerwerke oder Flugzeugwerke.

Fragesteller: Du hast [u.a.] auch die FORD-Fabrik in Köln angesprochen, war diese ein direktes Ziel?

Sutton: Es hätte ein Ziel von hoher Priorität sein sollen. Die britische königliche Luftwaffe warf Bomben auf die FORD-Werke im französischen Poissy. Aber die Werke in Köln, mit Abstand die größte FORD-Fabrik in Deutschland, wurde nicht bombardiert.

Fragesteller: Hatten die Militärplaner überhaupt die Absicht?

Sutton: Ich habe mir die Bomberpläne angesehen, u.a. für die Fabriken in Köln. Man wusste dass FORD Ausrüstung für die Wehrmacht herstellte. Man hatte es als Ziel vorgesehen, aber es wurde nicht angeflogen.

Fragesteller: Irgendwann während der Planungsphase wurden die FORD-Werke in Köln also ausgenommen - Der Rest von Köln wurde dem Erdboden gleich gemacht?

Sutton: Die Stadt selbst ja, wie auch viele andere Städte. Ich vermute, dass irgendwann in den Komitees für die Bomberplanung irgendetwas geschehen war. Zweifellos wurden Befehle gegeben, bestimmte wichtige militärische Ziele nicht anzusteuern.

Fragesteller: Das erinnert an manche Befehle im Koreakrieg oder in Vietnam. Bestimmte Ziele wurden ausgenommen.

Sutton: Das ist mir bekannt, wenn gleich ich das nicht untersucht habe.

Fragesteller: In deinem Buch "Wall Street und der Aufstieg Hitlers" gibt es eine Stelle über ein besonders Konto von Heinrich Himmler. Geld von deutschen Unternehmen landete dort. Bis 1943-44. Viele dieser Firmen hatten starke Verbindungen zu den amerikanischen Firmen, zu den Mutterkonzernen. Erzählst du etwas über das Keppler-Konto?

Sutton: Man nannte es auch das "S Konto". Es handelte sich praktisch um Himmlers "Schwarze Kasse". Er verwendete es für seine eigenen Projekte. Ich habe die Aufzeichnungen der beiden Jahre 1933 und 1944 untersucht und war erstaunt darüber, dass über die Hälfte der Gelder von amerikanischen Firmen stammte. 1933 waren es bspw. ITT International, Standard Oil, General Electric und ich glaube noch OSRAM. Sogar 1944, mitten im Krieg, hatte ITT noch Geld an Himmler, über Schröder, transferiert - der Vorsitzende der ITT-Tochterfirmen in Deutschland.

Fragesteller: Wurden diese Fakten während der Nürnberger Anhörungen zur Sprache gebracht?

Sutton: Nein, aber man findet Dokumente darüber in den Nürnberger-Akten. Diese wurden meines Wissens nie veröffentlicht.

Fragesteller: Und du hast Zugriff auf diese Akten?

Sutton: Ja, es gibt rund 400 Tonnen an Unterlagen. Viele davon als Kopien liegen in der Hoover-Einrichtung.

 

Das komplette Video mit Sutton, in schlechterer Tonqualität (Deutsch):

Teil 1.

 

Teil 2.

 

Teil 3.

 

Teil 4.

  
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