Eurokrise: Kapitalabzug aus der Eurozone hält ungemindert an


(C) Rock Cohen, 2005, Quelle: flickr (CC BY-SA 2.0)

Inmitten der Eurokrise scheint sich eine neue Begrifflichkeit festzusetzen, jene des "Kapitalabflusses". Dieser hält nämlich stetig steigend weiter an. Ausländische Investoren sehen in der Eurozone nunmehr einen "gefahrvollen Ort". Selbst die Finanzdynastie Rothschild scheint derzeit schlechte Luft zu wittern.

Alleine Lord Jacob Rothschild, so wurde vor kurzem bekannt, hat ganze 200 Millionen Dollar darauf gewettet, dass der Euro als Währung keinen Bestand haben wird – Anmerkung: Hierbei handelt es sich „um die bekannten Maßnahmen jener Kreise“. Aber nicht nur diese großen Namen scheinen sich an der Kapitalflucht, aus der Eurozone heraus, zu beteiligen.

Auch viele mittlere Investoren sehen in den vorherrschenden Umständen der Eurozone kein gutes Umfeld für ihr Kapital. Bereits vor einiger Zeit hatten amerikanische Geldmarktfonds damit begonnen, massiv Kapital aus verschiedenen Regionen der Eurozone abziehen. Darunter befand sich auch der im Jahr 2008 in "schlechtes Fahrwasser" geratene Versicherer AIG.

Zuletzt repatriiert AIG bei deutschen, französischen, spanischen und italienischen Banken etwa 10 Millionen US-Dollar, weitere Kapitalabflüsse sind nicht ausgeschlossen. Die hauptsächliche Begründung der Investoren für den Kapitalabfluss ist, dass sie kein Vertrauen in die Politik Brüssels haben und gleichermaßen ein ebenso geringes Vertrauen dem europäischen Finanzmarkt zukommen lassen.

Aus aktuellen Berechnungen der Citigroup geht hervor, dass alleine diese einen Kapitalabzug von circa 160 Milliarden Dollar festgestellt haben. Vor allem seien hier die Ökonomien von Italien und Spanien betroffen, aber auch aus Deutschland wurde jüngst ein "Kapitalabfluss" festgestellt. Bei Spanien und Italien entspricht das abgezogene Kapital ungefähr 10 Prozent der wirtschaftlichen Leistungen dieser Länder im Jahr.

Nachdem sich die allgemeine Lage in Italien zuletzt ein wenig entspannen konnte, nahm der Druck auf Spanien weiter zu. So sollen Monat für Monat mehrere zehn Milliarden Euro aus dem iberischen Staat hinaus geflossen sein. Durch diesen Kapitalabfluss in Spanien geraten die dortigen Banken und auch die Regierung immer mehr unter Druck.

Aus einer aktuellen Studie, der Londoner Beratungsgesellschaft Central Banking Publications, wird noch deutlicher, in welchen Dimensionen der Kapitalabfluss aus der Eurozone derzeit stattfindet. Die erhobenen Daten gehen auf das Frühjahr 2012 zurück. Hier stellte man fest, dass im Jahr 2011 rund ein Drittel der Währungsreserven, bei den Zentralbanken, aus dem Euro umgeschichtet worden sind.

In einer bei den 54 Notenbanken durchgeführten Umfrage stellte sich zudem heraus, dass die Mehrheit dieser in den kommenden Monaten Euros verkaufen werden. Als Vergleich führte man bei WirtschaftsFacts an, dass noch vor gut zwei Jahren die Reserven in Euro bei rund 27,3 Prozent lagen – mittlerweile ist diese Zahl auf knapp unter 25 Prozent abgesackt. Mit der Umschichtung der Geldreserven reagierten nun auch die Notenbanken und senkten so das eigene Risiko, gegenüber der europäischen Gemeinschaftswährung.

Quelle: WirtschaftsFacts - Bild: flickr (symbolisch für "Europa")

  
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