Nicht nur Hören - Ohren sind ein Gleichgewichtsorgan


(C) Peter Niemayer, 2004, Quelle: Wikipedia (cc-by-sa, Version 3.0, CC BY-SA 3.0)

Das wichtige Gehörorgan dient zur allgemeinen Aufnahme von Schalleindrücken. Mit ihm ist das nicht weniger wichtige Gleichgewichtsorgan verbunden, das die Stellung des Körpers im Raum wahrnimmt sowie Haltungs.- und Bewegungsreflexe auslöst. Es mag zunächst befremdlich erscheinen, so verschiedenartige Funktionen in einem Organ vereinigt zu sehen, doch überlege man sich, wie stark Klänge und Klangfolgen die Bewegungsvorgänge beeinflussen (Wanderlieder, Tanzmelodien, Rhythmus).

Das Gehörorgan gliedert sich in äußeres Ohr, Mittelohr und inneres Ohr mit dem Gleichgewichtsorgan. Äußeres Ohr. Das äußere Ohr bilden Ohrmuschel und äußerer Gehörgang. Die Ohrmuschel besteht aus elastischem Knorpel mit einem Überzug von dünner Haut. Das Ohrläppchen wird durch Bindegewebe und Fett gebildet. Die Form der Ohrmuschel ist individuell verschieden. Die Säugetiere haben zum Verstellen der Ohren die äußeren Ohrmuskeln („Ohrenspitzen", „-anlegen").

Beim Menschen sind diese rückgebildet. Der Gehörgang besitzt einen knorpeligen und einen knöchernen Abschnitt. Der Gehörgangsknorpel bildet eine nach hinten offene Rinne, die durch straffes Bindegewebe abgeschlossen wird. Der Knorpelteil verläuft in zwei winkligen Krümmungen, die sich durch Zug an der Ohrmuschel nach hinten-oben ausgleichen lassen; dadurch wird das Trommelfell beim Ohrenspiegeln leichter sichtbar.

Im Knorpelteil ist die Haut fest mit der Unterlage verwachsen und beherbergt die schlauchförmigen Ohrschmalzdrüsen. Der knöcherne Teil liegt in der Pyramide des Schläfenbeins. Mittelohr. Als Mittelohr werden zusammengefasst: die Paukenhöhle, das Trommelfell, die drei Gehörknöchelchen mit ihren Verbindungen und Muskeln sowie die Ohrtrompete. Das Mittelohr hat die Aufgabe der Fortleitung des Schalls.

Die mit Schleimhaut (reich an Drüsen, Blutgefäßen und Nerven) ausgekleidete Paukenhohle liegt im Innern der Pyramide des Schläfenbeins und erscheint als ein schräger, seitlich zusammengedrückter Spalt. Das Dach der Paukenhöhle grenzt als dünne Knochenplatte an die Schädelhöhle; die rückwärtige Wand geht beim Erwachsenen in die lufthaltigen Räume des Warzenfortsatzes über, und von der vorderen Wand entspringt die Ohrtrompete.

Die innere Wand wird durch die knöcherne Labyrinthkapsel zum Vorberg vorgebuchtet. Hinter dem Vorberg zieht bogenförmig der Kanal den Gesichtsnerven nach abwärts. Oberhalb des Vorbergs liegt das bindegewebig verschlossene ovale Fenster, in das sich die Platte des Steigbügels einpasst; kurz darunter ragt der kleine Pyramidenfortsatz aus der hinteren Wand hervor, in dem der Steigbügelmuskel liegt.

Das runde Fenster liegt unterhalb des Vorbergs; es wird durch die Paukenhöhlenmembran verschlossen. Beide Fenster begrenzen die perilymphatischen Räume gegen die Paukenhöhle. Die äußere Wand der Paukenhöhle ist das Trommelfell. Gehörknöchelchen. Der Hammer ist 7 bis 9 Millimeter lang. Sein oberes, verdicktes Ende ist der Hammerkopf, der an seiner Innenseite die sattelförmige Gelenkfläche für den Amboss aufweist. Dann folgt der Hammerhals, unterhalb dessen ragt der Hammergriff nach abwärts; er ist mit der Innenseite des Trommelfells verwachsen.

Der Amboss (5 Millimeter) hat die Gestalt eines zweiwurzligen Backzahnes. Sein Körper trägt eine entsprechende Gelenkfläche für den Hammerkopf. Der kurze Schenkel ragt nach innen, der lange Schenkel verbindet sich mit dem Steigbügelköpfchen. Der Steigbügel (5 Millimeter) verdankt seiner Form den Namen. Er besitzt ein Köpfchen, zwei Schenkel und die Steigbügelplatte, die sich mit dem bindegewebigen Ringband im ovalen Fenster befestigt.

Die drei Knochen sind an zarten Bändern an der Paukenhöhlenwand befestigt und bilden eine Gelenkkette, die allerdings nur die geringe Bewegungsmöglichkeit von 5 Grad zulässt. Trommelfell. Das Trommelfell hat eine rundlich-ovale Form (9x8 Millimeter) und ist am Ende des knöchernen Gehörgangs so eingespannt, dass seine Fläche mit der Horizontal- und Querebene jeweils einen Winkel von 45 Grad bildet; daher ist die obere Wand des Gehörgangs am kürzesten.

Das Trommelfell ist von glänzend grauer Farbe. Ferner ist es reich an Nerven und ungemein schmerzempfindlich. Der größere, straffe Teil wird durch die Einlagerung des Hammergriffes gespannt, dessen freies Ende eine Einziehung der Membran nach der Paukenhöhle zu hervorruft, den Trommelfellnabel. Der straffe Teil ist nur 0,1 Millimeter dick, aber durch eingelagertes Bindegewebe sehr fest im Gegensatz zu dem am oberen Ende der Membran halbmondförmigen, schlaffen Teil; dieser enthält lediglich wenig lockeres Bindegewebe.

Das Trommelfell ist außen von einer zarten Fortsetzung der äußeren Haut, innen von Paukenhöhlenschleimhaut überzogen. Innere Ohrmuskeln. Der 0,5 Zentimeter lange Steigbügelmuskel liegt im Pyramidenfortsatz der sog. Paukennohle und endet mit seiner Sehne am Steigbügelköpfchen. Der andere Muskel ist der Trommelfellspanner. Sein Ursprung liegt im oberen Teil der Ohrtrompete, die Sehne ist am Hammergriff nahe am Hammerhals befestigt. Durch die beiden Muskeln wird das schalleitende System in der günstigsten Spannung gehalten.

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