Urteil in Russland: Punkband Pussy Riot muss für zwei Jahre ins Straflager


(C) Grüne Bundestagsfraktion, 2012, Quelle: flickr (nicht portiert) (CC BY 2.0)

Fast ganze drei Stunden hat die Verlesung des Urteils im Fall "Pussy Riot" durch die russische Richterin Maria Syrowa gedauert. Am Ende wurde das Strafmaß auf zwei Jahre im Straflager festgesetzt. Seit gut fünf Monaten saßen die drei jungen Damen der Punkband "Pussy Riot" nun in Untersuchungshaft. Die Richterin erkannte dies an und gab bekannt, dass diese Zeit der Untersuchungshaft angerechnet werden würde.

Verbringen sollen die verurteilten Bandmitglieder die Haft in einem sogenannten "Allgemeinen Straflager". Hauptgrund für die Verurteilung soll die "Verletzung der öffentlichen Ordnung" gewesen sein. Außerdem sah es die russische Richterin Maria Syrowa als erwiesen an, dass ein Motiv des "religiösen Hasses" vorgelegen habe.

Die drei Bandmitglieder (Nadeschda Tolokonnikowa, Maria Alechina und Jekaterina Samuzewitsch) hatten argumentiert, dass es sich bei ihrer Handlung, in einer russischen Kathedrale (Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale), um ein politisches Motiv gehandelt hatte. Dies sah die Richterin nicht so und wies diese Argumentation der Angeklagten zurück. Zugleich führte die Richterin in ihrem Urteilsspruch an, dass das Verhalten der drei Damen nur damit "in Ordnung" gebracht werden kann, indem diese einen Freiheitsentzug über sich ergehen lassen müssen – gleichermaßen soll dies einen „erzieherischen Charakter“ haben.

Weiterhin stellte die Richterin fest, dass die drei Damen voll zurechnungsfähig seien. Im Februar 2012 hatten die drei Punkband-Mitglieder, um "Pussy Riot", in einer Moskauer Kathedrale für etwa 30 Sekunden ein sogenanntes "Punk-Gebet" aufgesagt und äußerten damit gleichzeitig Kritik gegen den autoritären Führungsstil von Russlands Präsidenten Wladimir Putin. Nach eigenen Angaben der Band sollte Putin mit dem "Punk Gebet" verjagt werden, so wie es etwa bei theoretischen Geistervertreibungen durchgeführt wird.

Mysteriös ist in diesem Zusammenhang, dass bei der damaligen Aktion in der Kathedrale auch mehrere Augenzeugen (Besucher der Kathedrale) eine Anzeige und Klageerhebung gegen die Bandmitglieder angestrengt haben sollen. Wie es aus den Gerichtsakten her heißt, sollen "die Augenzeugen", durch die kurze Aktion der Band "Pussy Riot", teils erheblich seelischen Schaden erlitten haben – die klagenden Parteien (Augenzeugen/Besucher der Kathedrale) waren im geführten Prozess und bei der Urteilsverkündung nicht anwesend.

Innerhalb der Urteilsverkündung gab die Richterin Maria Syrowa den zusätzlichen Kommentar ab, dass die Bandmitglieder im Prozess keine Reue gezeigt haben und dieser Umstand mit in das Strafmaß eingeflossen sei. Von Seiten der Moskauer Staatsanwaltschaft wurden drei Jahre Haft im Straflager gefordert. Die mögliche Maximalstrafe, in den vorgeworfenen Anklagepunkten, hätte es sogar möglich gemacht, dass die Bandmitglieder jeweils bis maximal sieben Jahre Haft im Straflager verbüßen müssten.

Nach dem Urteilsspruch sagten die Bandmitglieder, dass sie gegen das Urteil vorgehen werden und eine Berufung einlegen. Die Verteidigung von "Pussy Riot" hatte dies bereits vor der offiziellen Urteilsverkündung angekündigt, wenn deren Mandantinnen zu einer unrealistischen Haftstrafe verurteilt werden.

Nach der Urteilsverkündung gab eines der Bandmitglieder, Nadeschda Tolokonnikowa, gegenüber der russischen Zeitung "Nowaja Gaseta" den Kommentar ab: "Eher sollte er uns um Gnade bitten". Dies hängt damit zusammen, weil die Band "Pussy Riot" im Vorfeld einen Vorschlag abgelehnt hatte, der es ihnen möglich gemacht hätte ein Gnadenersuchen bei Präsident Wladimir Putin einzureichen.

Vor dem Moskauer Gerichtsgebäude versammelten sich bereits lange Zeit vor der offiziellen Urteilsverkündung Personen, um gegen das Gerichtsverfahren und das danach gefällte Urteil zu demonstrieren. Im Zuge dieser Protestaktion, bei der mehrere hundert Personen beteiligt gewesen sind, wurden zahlreiche Protestler von den staatlichen Sicherheitsbehörden festgenommen. Unter den gewaltsam abgeführten Personen war auch der ehemalige Schachweltmeister "Garry Kasparov".

Auf seiner offiziellen Facebookseite wurde ein Foto von seiner gewaltsamen Festnahme veröffentlicht, siehe Facebook-Quellenlink unten. Nach offiziellen Angaben wurde auch Oppositionsführer Sergej Udalzow festgenommen, weil dieser angeblich eine Absperrung der Polizei überschritten habe, dies geht aus aktuellen Informationen der Nachrichtenagentur Interfax hervor. Garry Kasparov wurde aus keinem ersichtlichen Grund festgenommen.

Nach den Informationen von Garry Kasparov's Facebookseite soll er ruhig mit verschiedenen Journalisten abseits des Gerichtsgebäudes gesprochen haben. Innerhalb dieser geführten Interviews sei die Polizei dazwischen gegangen und habe ihn gewaltsam abgeführt. Auf seiner Facebookseite wird zudem der Vorwurf, gegenüber der Polizei, gemacht, dass Kasparov nach seiner Verhaftung geschlagen worden ist.

Weiterführende Links zur Thematik:

- Profilseite bei Facebook, mit Foto des abgeführten Garry Kasparov
- Video bei 20min zum Prozess/Urteilsverkündung mit deutschem Untertitel

 

Video der Demonstranten vor dem Gerichtsgebäude in Moskau:

 

Blick in den Gerichtssaal bei Urteilsverkündung

 

 

Quelle: Focus, 20min, nzz, Spiegel, Welt - Bild: flickr (symbolisch für "Pussy Riot Band")

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